Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Imagewandel der Mercedes A-Klasse
Mehr Auto & Verkehr Imagewandel der Mercedes A-Klasse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:49 03.07.2012
Edle Aussichten: Blick ins Cockpit der neuen Mercedes A-Klasse. Quelle: Daimler AG
Anzeige
Stuttgart

Denn die junge Generation ist bislang an der Marke vorbeigezogen. Zudem ist die neue A-Klasse für den Hersteller der Einstieg ins digitale Zeitalter bei den Kompaktwagen. Und denen gehört die Zukunft. Fachleute schätzen, dass dieses Segment in Deutschland von 6,6 Millionen verkauften Einheiten im Jahr 2011 bis 2021 auf 10,6 Millionen Einheiten ansteigen wird. Kein Wunder also, dass man hier ein großes Stück von dieser kräftig wachsenden Torte abhaben möchte. Autohersteller sind bei der Präsentation ihrer Produkte in der Regel nicht um große Worte verlegen. Doch wenn Mercedes-Benz bei der neuen A-Klasse vom „Pulsschlag einer neuen Generation“ spricht, stimmt das.

Zum ersten Mal bringen die Stuttgarter ein junges, dynamisches Fahrzeug auf den Markt, das nahezu für jedermann erreichbar ist. Aber dieses Auto ist mehr. Es ist ein wichtiger, vielleicht sogar der wichtigste Baustein auf dem Weg zueinem grundsätzlichen Imagewandel. Was in den oberen Fahrzeugklassen - bislang dem bevorzugten Spielfeld der Schwaben - bereits gelungen ist, soll nun auch unten geschehen: Man will jung und modern werden, also genau dorthin kommen, wo die Konkurrenz aus Ingolstadt und München schon ist.

Anzeige

Dafür wurde die A-Klasse mit so ziemlich allem vollgepackt, was reinging: neue Motoren von sparsam bis sportlich, Fah-rerassistenzsysteme aus den großen Modellen, eine Haptik, die die Plastiktristesse des Vorgängers vergessen lässt, und als i-Tüpfelchen eine kostenlose iPhone-App, die den Fahrer über verschiedene Systeme mit der Welt außerhalb seines Fahrzeugs verbindet (eine Android-Version ist in Vorbereitung). Damit der sportliche Anspruch auf der Straße auch umgesetzt werden kann, gibt es optional ein Fahrwerk vom hauseigenen Tuner AMG. Außerdem ist die komplett neu entwickelte Frontantriebs- und Allradarchitektur der Dreh- und Angelpunkt für weitere Modelle, mit denen man die Welt der Kompakten durcheinanderwirbeln will. Zum Marktstart im September bieten die Schwaben zwei Diesel und drei Benziner von 80 kW/109 PS bis 155 kW/211 PS an. Der große Diesel im A 220 CDI mit 125 kW/170 PS wird im Dezember nachgereicht.

Das Design des neuen Autos ist für einen Mercedes radikal. Die Sicken und Kanten, die man dafür ins Blech eingezogen hat, sollen Kraft und Dynamik signalisieren und das Skulpturhafte des Fahrzeugs unterstreichen. Außerdem ist die Dachlinie satte 18 Zentimeter niedriger als bislang. Ob man damit dem Anspruch von Chefdesigner Gordon Wagener genügt, auch ein möglichst zeitloses Fahrzeug auf die Räder gestellt zu haben, muss man abwarten. Bislang waren es ja die auf den ersten Blick eher unscheinbaren Autos, die Modeströmungen in der Autowelt überlebt haben.

Im Innenraum hat man sich ebenfalls viel Mühe gegeben, die Vergangenheit vergessen zu lassen. Die Düsen der Luftauslässe sind nicht lackiert, sondern galvanisiert, die Sitze werden mit Nähten in Kontrastfarben abgesetzt, und die Instrumente sind vor allem beleuchtet so schön, dass man mit dem Wagen am liebsten nur durch die Nacht brausen will. Verschiedene Ausstattungslinien und -pakete machen die Individualisierungsmöglichkeiten vielseitig. Der Käufer kann zudem zwischen einem Sechsgang-Handschalter und einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit verschiedenen Abstimmungsoptionen sowie drei Fahrwerksabstimmungen wählen. Schon mit dem Komfortfahrwerk kommt man zügig um die Kurven, das Sportfahrwerk ist deutlich knackiger, und mit dem von AMG modifizierten Fahrwerk kann man es dann krachen lassen. Dazu hatte Mercedes für die Präsentation eigens ein Flugfeld räumen lassen.

Die Vorstellung, die der Wagen hier gab, war beeindruckend - gerade bei Querbeschleunigungen erlaubte sich der Wagen keinen einzigen Ausrutscher. Lediglich bei brachialen Vollbremsungen zeigte der Vorderwagen einen Hauch von Nervosität. Natürlich kostet die schöne neue Mercedes-Welt - denn bei den 23979 Euro als Einstiegspreis bleibt es natürlich nicht. Als Gegenleistung erhält der Kunde dafür einen echten Mercedes - als Kompaktwagen. Das gab’s noch nie.

Aber weil ein Anfang nicht gleich das Ende ist, kommt im ersten Quartal 2013 der A 45 AMG auf den Markt. Genaue Daten gibt es offiziell noch nicht, doch intern heißt es, der Wagen wird mehr als 350 allradgetriebene PS auf die Straße bringen. Und ab etwa 50000 Euro zu haben sein. Ein echter AMG. Das gab es auch noch nie.

Gerd Piper