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Auto & Verkehr Jaguar präsentiert Limousinen mit Allradantrieb
Mehr Auto & Verkehr Jaguar präsentiert Limousinen mit Allradantrieb
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00:33 29.12.2012
Wetterfest: Bei schwierigen Verhältnissen können der Jaguar-Vorderachse bis zu 50 Prozent des Drehmoments zugeteilt werden. Quelle: Hersteller
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Quebec

Die britische Firma Jaguar hatte lange Zeit ein gespaltenes Image zwischen attraktiver Ausstrahlung und Qualitätsmängeln. Ausgerechnet unter der Regie des indischen Tata-Konzerns scheint die Marke neu zu erblühen. Und nun wollen die Briten mit dem Raubtier auf dem Kühler zeigen, dass ihre Katzen auch in unwegsamem Gebiet ganz vorn dabei sind: In Kanada präsentierte Jaguar jetzt seine Limousinen XF und XJ erstmals mit einem Allradantrieb.

Jaguar setzte von jeher auf das gewisse Andersartige. Damit sich potenzielle Mercedes-, Audi- oder BMW-Kunden vielleicht doch eher für einen Jaguar entscheiden, wurde jetzt das Angebot um einen Allradantrieb erweitert, der weitgehend dem Stand der Technik entspricht. Dass Jaguar mit seinem AWD (all wheel drive) mit der Konkurrenz gut mithalten kann, zeigte sich bei Testfahrten auf den winterlich verschneiten und vereisten Straßen und Wegen von Quebec/Kanada.

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Mit dem neuen Allradantrieb setzt Jaguar ausschließlich den neuen 3,0-Liter-V6-Kompressor-Motor ein, der dank seiner hohen spezifischen Leistung von 113,5 PS pro Liter auch auf losem Untergrund und aus unteren Drehzahlregionen heraus eine nahtlose und zugleich kultivierte Leistungsentfaltung sichern soll. Einziges optisches Differenzierungsmerkmal zu den konventionell angetriebenen Brüdern ist ein „AWD“-Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel. Für gehobenen Schaltkomfort sorgt eine generell in diesen Limousinen eingesetzte Acht-Stufen-Automatik von ZF. Die ist auch jederzeit manuell über Lenkrad-Schaltwippen bedienbar.

Um den Reiz eines Heckgetrieblers zu konservieren, leitet das System auf trockener Fahrbahn das gesamte Drehmoment in Richtung Hinterachse. Nur beim Anfahren wird bis zu einer Geschwindigkeit von 10 km/h kurzzeitig auch Drehmoment auf die Vorderräder geführt, um zügiges Beschleunigen aus dem Stand zu gewährleisten. Im Wintermodus wählt die im Verteilergetriebe untergebrachte Lamellenkupplung vorsorglich als Grundeinstellung eine Kraftverteilung von 30:70. Erfordern es die Verhältnisse, können blitzschnell bis zu 50 Prozent des Drehmoments der Vorderachse zugeteilt werden. Die Verlinkung mit der dynamischen Stabilitätskontrolle (DSC) und dem ABS erlaubt zusätzlich das gezielte Abbremsen einzelner Räder sowie eine unterschiedliche Drehmomentverteilung auch zwischen den beiden Rädern einer Achse.

Das ist viel Theorie, die in der Praxis aber schnell erlebbar wird. Etwa beim Anfahren an einer steilen Anhöhe, die hinterhältigerweise auch noch links und rechts völlig unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheiten aufweist. Mit konventionellem Heckantrieb wäre man chancenlos - der Jaguar AWD schiebt sich scheinbar lächelnd und fauchend voran.

Als jüngster Neuzugang der Jaguar-XJ-Motorenauswahl betritt zum Modelljahr 2013 der 3,0-Liter-V6 mit Kompressor die Bühne. Er wird in den AWD-Modellen eingesetzt, mit denen Jaguar den nordamerikanischen Markt im Fokus hat. Bei einer Drehzahl von 6500 Umdrehungen setzt der Benziner lebhafte 250 kW/340 PS frei; das Drehmomentmaximum von 450 Nm ist im Drehzahlspektrum zwischen 3500 und 5000 Umdrehungen abrufbereit. Der über vier oben liegende Nockenwellen gesteuerte Motor teilt sich nicht nur die aus Aluminium bestehende Grundarchitektur mit dem 5,0-Liter-V8.

Der neue 3,0-Liter-V6-Kompressor beschleunigt den Jaguar XJ in 5,9 (AWD:6,4) Sekunden von 0 auf 100 km/h; der Verbrauch beträgt 9,4 Liter auf 100 Kilometern (AWD: 9,9), entsprechend 224 (AWD: 234) g/km CO2. Weiter effizienzsteigernd wirkt sich das nun durchgehend auch in der XJ-Baureihe installierte Intelligent-Stop/Start-System von Jaguar aus. Die Automatik schaltet den Motor nach dem Stillstand des Fahrzeugs in nur 300 Millisekunden ab, wodurch sich Verbrauchseinsparungen von bis zu sieben Prozent ergeben. Je nach Motorisierung steht der Jaguar XJ auf 18 (Luxury und Premium Luxury), 19 (Portfolio) oder 20 Zoll (Supersport & Ultimate) großen Leichtmetallfelgen.

Schon in den Grundvarianten findet der Interessent eine Komfort- und Sicherheitsausstattung, wofür er bei der Konkurrenz manchen Schein extra hinlegen müsste. Allerdings steigt Jaguar mit seinen AWD-Boliden mit hohen Preisen ein: So gibt es den XF ab 57000 Euro, der XJ liegt mit seinen über 95000 Euro für die Langversion dicht an einem sechsstelligen Preis.

So dürfte das Ordern eines Jaguar XJ oder XF nicht unbedingt Ergebnis rein vernunftorientierter Abwägungen sein. Aber meist ist ganz und gar nicht vernünftig, was einfach Spaß macht.

Michael Willig