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Auto & Verkehr Jaguar setzt ganz auf Diesel
Mehr Auto & Verkehr Jaguar setzt ganz auf Diesel
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00:24 24.11.2012
Sportlicher Diesel: Der Jaguar XF Sportbrake bricht mit den Traditionen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Es ist noch gar nicht lange her, da stand der Satz, dass es „für einen Jaguar niemals einen Diesel geben wird“, wie in Stein gemeißelt über der Marke Jaguar. Nun, die damals Verantwortlichen waren schlechte Propheten. Der Dieselanteil beträgt über die gesamte Modellpalette heute 85 Prozent. Oder andersherum: Ohne den Selbstzünder würde es die englische Traditionsmarke in Deutschland vermutlich nicht mehr geben. So aber erfreut sich die sportliche Raubkatze bester Gesundheit.

Und weil sich die Zeiten nun einmal grundlegend verändert haben, präsentieren die Engländer jetzt ein Novum, für das sie vor ein paar Jahren noch Prügel bezogen hätten: Den neuen Kombi auf Basis des Einsteigermodells XF wird es nur mit Dieselmotoren geben. Das Kätzchen hört auf den Namen XF Sportbrake und soll die etablierten Platzhirschen vom Schlage eines 5er BMW Touring oder eines Audi A6 Avant das Fürchten lehren.

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Nun sind die Engländer bei allem Optimismus auch Realisten, vor allem, wenn es um den deutschen Markt geht. Da reicht es natürlich nicht, ein schönes Auto hinzustellen - bei gerade einmal 63 Jaguar-Händlern in der Bundesrepublik. Am liebsten würde Jaguar mit dem Sportbrake ins Flottengeschäft einsteigen, doch da haben die deutschen Autobauer einen riesigen Vorteil: Sie verfügen über das entsprechende Servicenetz. Ein entscheidendes Kriterium beim Autokauf. Denn auch Neuwagen wollen gewartet und notfalls repariert werden - und das am besten in der Vertragswerkstatt gleich um die Ecke.

Jaguar arbeitet momentan daran, ein professionelles Servicenetz aufzuziehen. Ein Unterfangen mit Tücken, wie auch schon andere Hersteller erfahren mussten. Denn man muss erst einmal Händler finden, die sich auf das Abenteuer einer Marke einlassen, die jahrzehntelang im Ruf stand, ein hochempfindlicher Exot zu sein. Doch an den Produkten sollte es nicht liegen. Was die Engländer in den vergangenen Jahren auf den Markt gebracht haben, ist grundsolider Autobau. Bei Kundenbefragungen lagen sie in puncto Zufriedenheit in letzter Zeit immer ganz vorn. Dazu kommen ein Schuss britischer Luxus und die nach wie vor äußerst sportlichen Gene. Die gehören einfach zur Kernaussage von Jaguar und werden nicht angetastet.

Doch die Engländer haben noch etwas anderes getan: Neben den rassigen Sportwagenmodellen aus der XK-Reihe haben sie die Marke für jedermann geöffnet. Der XF, den es bislang nur als Limousine gab, fährt in der oberen Mittelklasse und ist für einen Einstiegspreis ab 48550 Euro zwar beileibe nicht für jeden, aber doch für viele erreichbar.

Und nun kommt der Sportbrake. Der ergibt schon deshalb Sinn, weil hierzulande 60 Prozent aller Fahrzeuge in dieser Klasse Kombis sind. Der Sportbrake ist auf der Plattform der Limousine aufgebaut, bis zur B-Säule mit ihr identisch, deshalb auch nur einen halben Zentimeter länger, verfügt aber neben dem dynamisch-sportlichen Äußeren noch über ein paar interessante Neuerungen: Die durchgezogene Dachlinie bringt den Insassen auf den hinteren Sitzen fast fünf Zentimeter mehr Kopffreiheit, der bis zu 1675 Liter große Laderaum ist mit einem intelligenten System zum Verzurren von Gütern ausgerüstet, die Rücksitzhälften lassen sich über Zughebel blitzschnell umlegen, und anstelle der Schraubenfedern der Limousine verfügt der Sportbrake über eine Luftfederung an der Hinterachse mit einer automatischen Niveauregulierung. Die sorgt beispielsweise dafür, dass der Wagen auch bei voller Beladung waagerecht bleibt. Die optionale Anhängerkupplung ist mit einem Spurstabilisierungssystem ausgestattet, das eventuelle Schlingerbewegungen früh erkennt und durch gezielte Bremseingriffe verhindert.

Die drei zur Wahl stehenden Dieselaggregate leisten 147 kW/200 PS bis 202 kW/275 PS und sind äußerst munter unterwegs: Schon der alte 2,2-Liter-Turbodiesel, dessen Leistung um zehn PS erhöht wurde, bringt den Sportbrake aus dem Stand in 8,8 Sekunden auf Tempo 100. Der 3,0-Liter-Sechszylinder, der in zwei Leistungsstufen angeboten wird, macht den Kombi dann sportwagentauglich. Alle drei Maschinen sind an die flotte Acht-Gang-Automatik gekoppelt, deren Schaltpunkte der Fahrer über Lenkradwippen manuell beeinflussen kann. Mit einem durchschnittlichen (Norm-)Verbrauch von 5,1 Litern auf 100 Kilometern ist der kleine Diesel zudem die sparsamste Maschine in der Geschichte von Jaguar.

Wie man es von der Marke nicht anders erwartet, ist der Fahrspaß groß - und das bereits mit dem 2,2-Liter-Motor. Der treibt den 1,8 Tonnen schweren Wagen energisch voran, reagiert zügig aufs Gas und leistet sich abgesehen von einem klitzekleinen Verschnaufpäuschen beim Gasgeben eigentlich keine Schwächen. Im Zusammenspiel mit der federleichten und präzisen Lenkung liegt der Wagen prächtig auf der Straße und geht so flott um die Kurven, dass man sehr schnell Freude daran hat. Der große 3,0-Liter- Kompressor steigert diese dann noch einmal erheblich.

Bekritteln kann man eigentlich nur Kleinigkeiten, wie beispielsweise die Einstellung der Sitzheizung, die umständlich über das Zentralmenü erfolgt. Ansonsten wird Jaguar mit dem Sportbrake die einmal eingeschlagene Linie fortsetzen. Deren Ziel ist es, sich fest als Hersteller von Autos mit dem gewissen Etwas zu etablieren - als Alternative zu Mercedes, BMW oder Audi.

Gerd Piper