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Auto & Verkehr Kein Kahlschlag im Schilderwald
Mehr Auto & Verkehr Kein Kahlschlag im Schilderwald
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00:56 29.08.2009
Wird abgeschafft: Der sogenannte "Gartenzaun" am unbeschrankten Bahnübergang. In Zukunft warnt dort nur noch das bekannte Schild mit dem Zug.
Wird abgeschafft: Der sogenannte "Gartenzaun" am unbeschrankten Bahnübergang. In Zukunft warnt dort nur noch das bekannte Schild mit dem Zug.
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Der Schilderwald wird abgeholzt – und zum Teil gleich wieder aufgeforstet: Wenn am Dienstag, 1. September, eine Neufassung der Straßenverkehrsordnung in Kraft tritt, fliegen sechs Verkehrszeichen aus dem Programm. Darauf haben sich die Verkehrsministerien von Bund und Ländern geeinigt. Trotzdem muss niemand auf lieb gewonnene Verbots-, Gebots- und Warnschilder verzichten. Denn die Verkehrszeichen werden nicht über Nacht aus dem Straßenbild verschwinden, sondern im Laufe der nächsten zehn Jahre. Und weil man sich schon einmal mit dem Thema beschäftigte hat, wurden den Verkehrsteilnehmern vier neue Zeichen spendiert, an die man sich wohl oder übel wird gewöhnen müssen.

Hintergrund dieses Eingriffs in die Straßenverkehrsordnung ist die Erkenntnis, dass die rund 20 Millionen Verkehrsschilder auf bundesdeutschen Straßen vielleicht doch etwas viel sind: Im Durchschnitt ist das alle 28 Meter ein Verkehrszeichen. Dazu kommen noch einmal etwa vier Millionen Wegweiser. Für viele Autofahrer ist diese Schilderflut schlicht eine massive Überforderung. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass der normale Autofahrer nur jedes vierte Schild am Straßenrand bewusst wahrnimmt – da kommt es viel zu häufig vor, dass die wichtigen Warnungen durchrutschen und übersehen werden.

„Weniger Ablenkung bedeutet mehr Sicherheit“, hat dann auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erkannt und ist aktiv geworden: Experten der Landesverkehrsministerkonferenz taten sich zu Arbeitsgruppen zusammen und durchforsteten den Schilderwald, der rund 650 verschiedene Verkehrszeichen umfasst. Das Ergebnis: 22 Verkehrszeichen sollten verschwinden.

Doch da hatte man die Rechnung ohne die Automobilklubs gemacht, eben jener Vereine, die in der Vergangenheit bei jeder sich bietenden Gelegenheit stets lautstark eine Reduzierung des Schilderwaldes gefordert hatten. Und weil sich Lobbyarbeit bezahlt macht, wird es beispielsweise auch künftig ein Schild für eine Unterführung geben, das den Passanten auffordert, die Treppe zu benutzen obwohl der sowieso keine andere Wahl hätte.

Kurioses gibt es auch zu melden: Diverse Gefahrenzeichen wie „Steinschlag“, „Fußgängerüberweg“, „Viehtrieb“ oder „Schnee- uund Eisglätte“ wurden in der Straßenverkehrsordnung zwar gestrichen, tauchten aber gleichzeitig in einem „Ausnahmekatalog“ wieder auf. Hier lässt sich vermuten, dass sich überhaupt nichts ändern wird.

Von Gerd Piper

22.08.2009