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Auto & Verkehr Kia tritt aufs Gas
Mehr Auto & Verkehr Kia tritt aufs Gas
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00:50 21.05.2011
Die Koreaner mögen es bunt: Der Kia Picanto ist ein farbenfroher Kleinwagen mit einem ungewöhnlichen Motorenangebot. Foto: Werk Quelle: Photographer: Markus Heimbach
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Wir sind da mal ganz ehrlich: So richtig anfreunden konnten wir uns bislang nicht mit Gasautos. Definitiv nicht mit nachgerüsteten Gebrauchtwagen, aber eigentlich auch nicht mit solchen Neuwagen-Werksofferten, bei denen es sich faktisch um nachträgliche Umbauten nach Bandende handelt. Der neue Kia Picanto lässt uns unsere eher ablehnende Haltung überdenken.

Für den Kleinwagen haben seine koreanischen Mütter und Väter von vornherein eine Variante für den Betrieb mit Flüssiggas (LPG) mitentwickelt, die so in Korea vom Band läuft. Das dreizylindrige 1,0-Liter-Motörchen des Picanto 1.0 LPG treibt den umweltfreundlichsten Ableger der neuen Kleinwagenreihe an. Zwar liegt der Verbrauch in Litern je 100 Kilometer mit 5,6 um einiges über dem sparsamsten Benziner (4,1 l/100 km), doch gleicht der geringere Kohlenstoffanteil im Flüssiggas das mehr als aus. 90 Gramm CO2 je Kilometer sagen die Prüfstandswerte für den Picanto 1.0 LPG, 95 g/km sind es beim 1,0 Benziner.

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Von den Kraftstoffkosten her fährt das LPG-Modell dem Benziner locker davon. Bei einem angenommenen LPG-Kurs von 0,80 Euro je Liter kosten 100 normiert gefahrene Kilometer im Picanto 1.0 LPG gerade mal 4,50 Euro. Beim Benziner werden 6,60 Euro/100 km fällig, wenn der Liter Super 1,60 Euro kostet. Dabei liegen die Fahrleistungen beider Versionen auf demselben Niveau. Das Fahrgefühl auch: in der Stadt sehr fein zu bewegen, auf der Autobahn ziemlich schnell nervig, weil brummig und mit dem Wunsch nach höheren Tempi zunehmend lahm.

Neben 35 Liter Flüssiggas bunkert der Kleinwagen auch noch zehn Liter Benzin. Das mag zum einen als Notnagel in LPG-unterversorgten Gebieten dienen. Vor allem aber ist die Benzinverfügbarkeit eine technische Notwendigkeit, um das Triebwerk sicher starten zu können. Im deutschen Angebot steht der Kia Picanto 1.0 LPG gegen Ende des Jahres. Der Mehrpreis von 1300 Euro liest sich ausgesprochen moderat, die Gewährleistung erreicht mit sieben Jahren höchstes Niveau.

Bei den Benzinern werkelt neben dem 1,0-Liter-Dreizylinder wahlweise ein 1,2 -Liter-Vierzylinder unter der kurzen Haube. Mit 63 kW/85 PS schiebt er den Kleinwagen doch spürbar besser an als die Einstiegsmaschine. Und ein Zylinder mehr macht beim subjektiv empfundenen Geräusch- erlebnis schon so einiges aus. Jedenfalls sind wir wirklich gespannt, wie bundesdeutsche Nobelmarken ihrer verwöhnten Klientel in den nächsten Jahren kernig rumorende Dreizylinder nachhaltig schmackhaft machen wollen.

Geschaltet wird der Picanto immer von Hand. Auf das Angebot einer Getriebe- automatik verzichten die Koreaner. Das ist zwar schade, aber selbst für uns als erklärte Automatikfans am Ende doch leicht zu ertragen. Denn schließlich funktioniert der Gangwechsel im neuen Kia Picanto ganz locker aus dem Handgelenk. Außerdem gibt es die Handschalter allesamt mit einer Start-Stopp-Automatik, die in Automatikgetrieben bislang gerade mal in der Oberklasse Einzug hält.

Dass man für den automatischen Motorstopp an der Ampel gepfefferte 760 Euro zahlen muss, ist weniger sympathisch am neuen Picanto. Na gut, netto wird’s wohl weniger sein, denn mit dem selbsttätigen Motoraus- und Wiederanschalter bekommt man auch eine Klimaautomatik, Sitzheizung vorn, einen Dämmerungssensor sowie Nebelscheinwerfer. Noch mal 450 Euro werden fällig, wenn man den heute nun wirklich unverzichtbaren Schleuderschutz ESP im Fahrzeug haben möchte. Das dazugehörige Paket wird mit einer Berganfahrhilfe und Scheibenbremsen auch an der Hinterachse geschnürt.

Eine ganz neue Option können Picanto-Kundinnen und -Kunden mit dem Zweitürer wählen. Zwar sinkt der Nutzwert eines Automobils mit dem Weglassen von Zugangsmöglichkeiten zum Innenraum ganz dramatisch, doch der ein oder andere mag diese Linie. Kia spricht bei der neuen Variante von einem betont sportlichen Modell. Weltweit, da sind sich die Koreaner sicher, wird jeder dritte Picanto ein Zweitürer mit großer Heckklappe sein. In Deutschland startet die im Marketingdeutsch als Dreitürer titulierte Version im Herbst. Der Verzicht auf zwei Türen spart 400 Euro.

Von Hans-Jürgen Wildhage

07.05.2011
30.04.2011