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Auto & Verkehr Kleiner Gernegroß im Stadtverkehr
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10:28 22.05.2009
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Der Name Toyota steht für grundsolide Autos. Die Japaner bauen nicht gerade das Aufregendste, was es auf dem Markt gibt, dafür funktionieren ihre Fahrzeuge in der Regel über viele Jahre problemlos. Seit einigen Tagen ist nun ihr neustes Gefährt im Handel – den Urban Cruiser. Ein SUV für die Stadt. Wer hier einen Widerspruch entdeckt, liegt richtig. Offroad-Eigenschaften im Großstadtdschungel sind nicht das, was die Welt wirklich braucht. Und im Grunde hält das Fahrzeug auch nicht, was der Name verspricht. Denn unter der optisch durchaus robusten Karosserie steckt eigentlich nur ein weiterer Kompaktwagen.

Ein Diesel, ein Benziner

Ein Diesel mit dem adaptierten Allradantrieb vom RAV4, ein Benziner mit Frontantrieb und ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Das sind im Wesentlichen die Bausteine, um die der Urban Cruiser entstanden ist. Ein zweites Schaltgetriebe, eine Automatik – Fehlanzeige. Dafür wurden laut Toyota die Qualitäten eines SUV in den städtischen Raum übertragen.

Weil die meisten SUV kaum noch nennenswerte Geländeeigenschaften besitzen, stellt sich die Frage, welche Qualitäten denn gemeint sein könnten. Und da ist die Antwort einfach – das Raumkonzept, sprich: die erhöhte Sitzposition für die Insassen, ein großes variables Gepäckabteil und das mit möglichst kompakten Abmessungen. All das besitzt der Urban Cruiser. Er misst schlanke 3930 Millimeter in der Länge, bietet aber fünf Personen ausreichend Platz. Damit ist er für den Betrieb auf städtischen Straßen mit der allabendlichen Parkplatzsuche geradezu prädestiniert.

Ein weiterer Trumpf, den der kleine Gernegroß unter der Motorhaube hervorzieht, sind die Leistungsdaten der beiden Maschinen. Der 1,33-Liter Benziner bringt es auf 101 PS und begnügt sich im Drittelmix mit bescheidenen 5,5 Liter auf 100 Kilometern. Das entspricht einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 129 Gramm. Beim Diesel, der hierzulande vom Verkauf her nur rund 25 Prozent ausmachen wird, sieht es ähnlich aus: Die Maschine leistet 90 PS und verbraucht im Schnitt nur 4,9 Liter. Der CO2-Ausstoß beträgt 130 Gramm pro gefahrenem Kilometer.

Nach Angaben des Herstellers gibt es derzeit kein weiteres Auto aus der Großserie mit Allradantrieb, das so umweltfreundlich unterwegs ist. Möglich machen diese Werte ein ganzes Paket an Sparmaßnahmen, die bei Toyota „Optimal Drive“ heißen und auch die Selbstverpflichtung beinhalten, noch in diesem Jahr den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der gesamten Pkw-Flotte auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Ein löbliches Ziel, wobei das Wort „durchschnittlich“ erfahrungsgemäß eine Menge Spielraum lässt.
Die eigentlichen Fahrleistungen nennen die Japaner „dynamisch“. Beim Fronttriebler dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h 12,7 Sekunden, der Diesel mit Allrandantrieb schafft es in 11,7 Sekunden. Beide Maschinen machen den Urban Cruiser 175 km/h schnell.

Sicherheit wird großgeschrieben

Im Land des Lächelns sind dies möglicherweise dynamische Leistungen, doch wer die Papierform auf die Straße überträgt, erfährt buchstäblich schnell anderes: Das Auto kommt zwar „gefühlt“ ordentlich in die Gänge, aber die etwas weiche Lenkung und das sehr komfortbetont abgestimmte Fahrwerk bremsen die Dynamik wieder ein. Macht aber eigentlich nichts, weil der Käufer des Urban Cruiser vermutlich ein sicheres, komfortables und sparsames Auto sucht und keinen Rennwagen. Und all das ist der Urban Cruiser.

Mit sieben Airbags, einer stabilen Fahrgastzelle und diversen aktiven Fahrsicherheitssystemen ist das Auto voll auf der Höhe der Zeit. Bleibt noch nachzutragen, dass es den Urban Cruiser in drei Aussattungsstufen und der üblich umfangreichen Serienausstattung gibt. Warum man sich bei den Instrumenten für etwas Avantgarde entschieden hat und auf die guten, alten Rundinstrumente mit ihrer hohen Übersichtlichkeit verzichtet wurde, bleibt ein japanisches Geheimnis.
Von Gerd Piper