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Auto & Verkehr Mal sportlich, mal sparsam - der neue Polo Blue GT
Mehr Auto & Verkehr Mal sportlich, mal sparsam - der neue Polo Blue GT
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00:27 21.07.2012
Optisch flott unterwegs: Der neue Polo Blue GT. Quelle: Hersteller
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Wolfsburg

Dass Volkswagen zurzeit so erfolgreich ist, hat einen einfachen Grund: Die Wolfsburger bauen gute Autos. Vielleicht sind es nicht die spektakulärsten, doch die Modelle erreichen einen Käuferkreis, von dem mancher Hersteller nur träumen kann. Im vierten Quartal dieses Jahres bringt der Konzern mit dem Polo Blue GT ein Fahrzeug auf den Markt, das die Lücke zwischen dem ganz auf Fahrspaß ausgelegten GTI und den eher vernunftbegabten Blue-Motion-Modellen schließen soll. Der Wagen, den es nur in einer Ausstattungslinie geben wird, wirbt mit einem besonderen technischen Schmankerl um die Käufergunst: Als erster VW verfügt er über einen Vierzylindermotor mit Zylinderabschaltung.

Mit fast 13 Millionen Einheiten ist der Polo der Kleinwagen für jede Tonart in seinem Segment. Und er ist längst ein ausgewachsenes Auto, auch wenn es im Fond noch immer wie in einer Legebatterie zugeht ­- vom Platz her gesehen, versteht sich. Ganz den Zeichen der Zeit folgend, die verstärkt nach gut ausgestatteten, hochwertigen kleinen Fahrzeugen verlangen, steht der Polo Blue GT für eine besonders breite Spreizung ­- er lässt sich sehr sparsam, aber auch sportlich bewegen. Dass dieser Anspruch immer mit einem Kompromiss verbunden ist, liegt in der Natur der Sache.

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Von außen ist der Neue ein Mix aus Blue Motion und GTI: 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein neues Doppelendrohr sowie diverse Applikationen aus beiden Fahrzeugreihen positionieren ihn optisch genau in der Mitte. Wobei Menschen, die mit den Modellen nicht so vertraut sind, den Wagen wohl am ehesten an den GT-Schriftzügen an Front und Heck erkennen dürften. Im Innenraum braucht der Kunde nicht nachzudenken. ­ Farben, Sitze sowie die Verkleidungen sind vorgegeben und machen zusammen mit dem Ledersportlenkrad den hochwertigen Eindruck, den man inzwischen von den Wolfsburgern gewohnt ist. Man braucht sich also keine allzu großen Gedanken zu machen, wie der Wagen aufgerüstet werden kann. Zwar gibt es Möglichkeiten, wie beispielsweise Xenonlicht, doch sind diese sehr übersichtlich. Dass dieses Konzept auch heute noch erfolgreich sein kann, hat ja schon der GTI gezeigt, für den das Gleiche gilt.

Das eigentliche Herzstück des Polo Blue GT ist sein Motor, über den das ganze Fahrzeug definiert wird. Der 1,4-Liter-TSI leistet 103 kW/140 PS und kann entweder über das serienmäßige manuelle Sechsgang-Getriebe oder über das optionale Siebengang-DSG-Getriebe geschaltet werden. Auch wenn 140 Pferdestärken auf den ersten Blick nicht besonders großartige Fahrleistungen vermuten lassen, so legt der Kleinwagen den Standardspurt von 0 auf 100 km/h doch in 7,9 Sekunden hin und bringt es auf eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h. Das maximale Drehmoment liegt schon ab 1500Umdrehungen an und bleibt bis 3500erhalten. Der Motor garantiert also eine hohe Elastizität. Und die Zylinderabschaltung, die technisch erst durch Benzindirekteinspritzung und Turboaufladung möglich wird, soll laut VW in fast 70 Prozent aller Fahrzustände zum Tragen kommen. Kleine Einschränkung: Die Werte wurden im EU-Fahrzyklus ermittelt, und dass damit Anspruch und Wirklichkeit bisweilen weit auseinanderliegen, ist inzwischen ja hinlänglich bekannt.

Wie also schlägt sich die Maschine in der Praxis? Nun: Die Zylinderabschaltung, die im zentralen Display angezeigt wird, funktioniert perfekt. Für die mechanischen Umschaltvorgänge braucht es gerade mal eine halbe Nockenwellenumdrehung, was je nach Drehzahl 13 bis 36 Millisekunden dauert. Das heißt im Klartext, dass sie praktisch nicht zu spüren sind. Selbst im Teillastbereich, wenn der Wagen auf nur zwei Töpfen läuft, lässt er sich auch noch moderat beschleunigen. Wer dann allerdings genau darauf achtet, wird ein tieffrequentes leises Brummen vernehmen, das die Arbeit der zwei Zylinder begleitet. Von Vibrationen aber keine Spur. Dieser Unterton verschwindet sofort, wenn man Gas gibt. Womit wir bei dem bereits oben erwähnten Kompromiss angelangt sind. Es ist ein leidiges Problem aller Downsizing-Modelle, dass der Verbrauch sofort ansteigt, wenn man den Wagen im höher- und hochtourigen Bereich bewegt, die schönen Verbrauchsvorteile sind dann schnell Makulatur. Der Polo Blue GT macht hier keine Ausnahme.

Doch eigentlich ist das kein Widerspruch: Fahrer haben je nach Lust und Laune die Möglichkeit, sich zu entscheiden. ­ Es geht dank Hochtechnologie entweder wirklich sparsam zu oder bei Bedarf mit dem entsprechenden Mehr an Sprit auch sportlich. Wobei wir auch dann den Wagen niemals über 6,7 Liter auf 100 Kilometer gefahren sind. Das Fahrwerk, das sei hier noch erwähnt, ist sportlich komfortabel. Für einen Kleinwagen deckt der Polo Blue GT eine unglaubliche Bandbreite ab, eben ein bisschen vom Besten aus zwei Welten.

Von Gerd Piper