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Auto & Verkehr Mini Coopers Countryman
Mehr Auto & Verkehr Mini Coopers Countryman
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16:32 29.11.2010
Bühnenreifer Auftritt: Wer im Countryman promeniert, kann sich der Aufmerksamkeit seiner Umgebung gewiss sein. Für das Fahrzeug gibt es drei Benziner und zwei Diesel mit einer Leistung von 66 kW/90 PS bis 135 kW/184 PS. Quelle: Handout
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Mini – das war einmal. Mit dem Countryman präsentiert die BMW-Tochter erstmals ein Fahrzeug aus der Mini-Familie, das die Viermeter-Grenze überschreitet und damit ganz klar in die Liga der ausgewachsenen Kompaktwagen einbricht. Ob der Countryman ein schönes Auto ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Ein auffälliges Auto ist er allemal. Hochbeinig kommt er daher, ausgestattet mit den Attributen eines Sport Utility Vehicles. Und der Name Countryman sagt es ja bereits:­ Dieses Auto will kein Stadtwiesel mehr sein, sondern ein Grenzgänger, der seinen Fahrern neue Welten erschließt. Offroad ist zu hoch gegriffen, doch zumindest mit dem optionalen Allradantrieb kann sich dieses Fahrzeug ein Terrain erschließen, auf das sich noch niemals ein Mini vorgewagt hat.

Ausdruck eines Lebensgefühls

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So weit die Theorie. Die Praxis wird in 99 Prozent aller Fälle anders aussehen: Kein Countryman-Besitzer wird seinen Wagen durch den Matsch prügeln, ihn durchs wie auch immer beschaffene Gelände quälen oder ihn zum Transporter umfunktionieren. Der Nutzwert dieses Autos umfasst mehr Streicheleinheiten für das Seelenheil seines Besitzers. Denn der Countryman ist wie seine Geschwister in erster Linie ein hippes Lifestyle-Fahrzeug. Ein Auto zum Gesehenwerden, das seinen Fahrer als „Urban Player“ ausweist, also als jemanden, der mit allen Wassern der Großstadt gewaschen ist und das auch durch sein Auto dokumentiert. Zumindest wenn es sich um den Mini Cooper S Countryman handelt, also um die potente 184-PS-Version, mit der man an jeder Ampel, auf jeder Stadtautobahn den restlichen Verkehr mit Leichtigkeit in die Schranken weisen könnte – sollte einem einmal danach sein.

Doch hier tut man dem Auto schon unrecht. Denn der Countryman ist viel mehr. Er ist ein kleines Kunstwerk, eine De- signikone, nach der sich so ziemlich alle anderen Autohersteller die Hände reiben dürften. Nicht umsonst ist Mercedes-Chef Dieter Zetsche ein ausgewiesener Mini-Fan, der so ein Auto liebend gerne in seiner Produktpalette hätte. Design ist heute ein entscheidender Kaufgrund. Und wenn ein Design so zeitlos gelungen ist wie das des Mini, dann ist das nicht nur wertbeständig, sondern auch cool. Wobei sich das beim Countryman in erster Linie auf das Innere bezieht, denn von außen ­ ist das Fahrzeug nicht mehr minimal, sondern eher maximal.

Unendlich viele Möglichkeiten

Doch im Innern lässt sich der Countryman, das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt, so weit aufbretzeln, dass jeder Fahrer eines renommierten Premiumfahrzeugs vor Neid erblasst. Wobei das Sahnestück ganz klar das Car-Infotainment-System Mini Connected ist. Hier lässt sich das Apple iPhone als weiteres Statussymbol des modernen Menschen genauso einbauen wie Radio Kamerun oder die lokalen Nachrichten aus Wladiwostok. Dank der erhöhten Sitzposition hat der Countryman-Fahrer auf diese Weise stets den Überblick ­ über seine direkte Umgebung und den Rest der Welt. Nahezu jedes Einzelteil des Interieurs lässt sich verändern, individualisieren, sodass am Ende ein absolutes Unikat auf der Straße steht, also ein Auto, das es in dieser Form kein zweites Mal gibt. Die dezente Ambientebeleuchtung changiert, von Violett bis Blau, je nach Gemütszustand. Und wer weiß, dass sich niemals mehr als vier Personen in dem Fahrzeug aufhalten, der wählt die Einzelsitze mit einer Längsschiene in der Mitte, auf der sich so nützliche Dinge wie Getränkehalter, Aschenbecher oder MP3-Player fixieren lassen. Allein unser Testwagen hatte 46 Zusatzausstattungen an Bord, was bereits einen Hinweis auf die Möglichkeiten der Aufpreisliste gibt.

Fahrspaß garantiert

Ja, und fahren kann dieses Auto auch. Und wie. Zwar geht das Mini-typische Gokart-Feeling durch die hochbordige Karosserie etwas verloren, doch dank des tollen Fahrwerks lässt sich dieser Mini auch so mit Schmackes über Stadt- und Landstraßen jagen. Willig lässt sich der Wagen über die elektromechanische Servolenkung ziemlich punktgenau durch jede Kurve zirkeln, und auf der langen Geraden kann man es mit ein bisschen Glück bis Tempo 230 bringen, auch wenn die Höchstgeschwindigkeit in den technischen Daten mit 215 km/h angegeben ist.

Der Countryman, das ist unser Fazit, rundet die Mini-Familie nach oben hin ab. Er ist wie seine Geschwister ein kleines Gesamtkunstwerk. Ob er allerdings je so kultig wird, ist fraglich. Dazu ist er einfach zu sehr ein Nischenfahrzeug.

Gerd Piper