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Auto & Verkehr Mit neuester Technik steuern sich Autos bald selbst
Mehr Auto & Verkehr Mit neuester Technik steuern sich Autos bald selbst
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00:57 26.01.2013
Von Stefan Koch
Der Audi TTS als Selbstfahrer: Der Ingolstädter ist das Lieblingsobjekt der Autofans unter den Hightech-Modellen. Quelle: Hersteller
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Detroit

Neue Modelle, starke Motoren und viel Luxus rund ums Fahren - die große Show in Detroit bietet in diesen Tagen alles auf, was die Herzen von Autoliebhabern höherschlagen lässt. Wer sich allerdings jenseits der grellen Scheinwerfer mit den Messegästen unterhält, erfährt schnell, was die potenziellen Käufer noch weit mehr bewegt: selbstfahrende Autos.

„In Zukunft dreht sich nicht mehr alles um die PS-Zahl oder den Spritverbrauch, sondern um die Frage, wie viele Aufgaben der Wagen selbst übernimmt“, sagt Phil Myers. Der 45-Jährige aus der Nachbargemeinde Windsor ist für einen Tag zu Gast auf der Autoshow in „Motor City“. Als Manager in der Gesundheitsbranche sucht er das Gespräch mit Ingenieuren von General Motors, Toyota, Audi und Volkswagen. Er möchte sich ein Bild davon machen, wie sich für Menschen mit körperlichen Einschränkungen in Zukunft die Mobilität erhöhen lässt. Seine Hoffnung: Serienreife und vollautomatische Autos sollen möglichst schon innerhalb der nächsten zehn Jahre auf den Markt kommen. Eine Illusion?

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Elmar Degenhart, Continental-Vorstandsvorsitzender, kündigte in Detroit an, dass sein Unternehmen allein in diesem Jahr etwa 100 Millionen Euro in die Entwicklung des automatisierten Fahrens investiert. Sein Zeitplan: Teilautomatisierte Systeme soll es ab 2016 geben. Und vollautomatisches Fahren hält der Konzernchef ab 2020 für machbar. Das erste Ziel sei es, dem Fahrer monotone Tätigkeiten abzunehmen - also zum Beispiel das Mitschwimmen im morgendlichen Berufsverkehr. „Das automatisierte Fahren wird für die Mobilität in der Zukunft von entscheidender Bedeutung sein“, sagte Degenhart.

Was wie Zukunftsmusik klingt, lässt sich auf den Straßen von Kalifornien und Nevada bereits beobachten: Zuerst machte der Internetriese Google mit selbstfahrenden Wagen Schlagzeilen, doch mittlerweile besitzen auch Audi, Continental und Toyota Lizenzen für den Testbetrieb auf öffentlichen Straßen in diesen US-Bundesstaaten. Wer den Zukunftsautos in Las Vegas begegnet, fühlt sich zunächst an rollende Wetterstationen erinnert: Auf den Dächern sind kleine Kästen montiert, die satellitengestützt sämtliche Daten aus der Umgebung verarbeiten. Das langsame Fahren im Stau und das Einparken standen am Anfang der Entwicklung. Mittlerweile hat sich der Testbetrieb aber auf sämtliche Fahrsituationen ausgeweitet. Als Lieblingsobjekt gilt den Autofans das Hightech-Modell von Audi: Trotz der vielen Technik kommt der TTS-Roadster noch immer schnittig um die Kurve.

Grundsätzlich gilt: Auch am Lenkrad dieser futuristischen Autos muss stets ein Fahrer sitzen, der einen gültigen Führerschein besitzt. Ebenso wie der Pilot im Flugzeug kann er sich aber längst darauf verlassen, nur noch selten eingreifen zu müssen. Was noch so fern klingt, arbeitet sich Schritt für Schritt in das Alltagsleben vor: Audi, Toyota und Volkswagen bieten - zumindest in der gehobenen Klasse - bereits Teilelemente dieser Technik an. So gibt es Warnsignale, die ertönen, wenn das Auto von der Fahrspur abweicht, und Tempomaten, die automatisch den Abstand zu anderen Autos regulieren. Und in den USA sorgt vor allem der neue Cadillac von GM für Aufsehen, der auf Knopfdruck in Stausituationen oder auf langen Highway-Fahrten immer den gleichen Abstand zum Vordermann hält.

Gesundheitsmanager Phil Myers aus Windsor ist von diesen Möglichkeiten begeistert: „Ich setze auf eine Technik, die den Menschen hilft.“ Tatsächlich gehen Fachleute davon aus, dass selbstfahrende oder zum Teil selbstfahrende Autos die Sicherheit auf den Straßen erhöhten. Das gilt nicht zuletzt für Nordamerika, wo trotz strenger Geschwindigkeitsbegrenzungen jährlich etwa 30000 Menschen mit dem Auto verunglücken. Viele Unfälle lassen nicht auf zu schnelles Fahren, sondern auf mangelnde Konzentration zurückführen.

Sicherheitsfragen stehen daher auch für die Autobauer von Toyota im Vordergrund: „Die neuen Technologien sollten mit einem guten Beifahrer verglichen werden, der frühzeitig auf gefährliche Situationen aufmerksam macht“, sagt Mark Templin. Der Toyota-Manager setzt insbesondere auf den Einsatz von Radarsensoren und Kameras, die die nähere Umgebung rund um das Auto beobachten: „Je besser der Fahrer informiert ist, umso sicherer fährt er.“

Die Zahlen sprechen für sich: Die Google-Testautos auf den öffentlichen Highways von Nevada und Kalifornien legten bereits mehr als eine halbe Million Kilometer zurück - unfallfrei.