Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Nicht mehr normal, noch nicht super
Mehr Auto & Verkehr Nicht mehr normal, noch nicht super
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:07 29.08.2009
Besonders Familientauglich: der erdgasbetriebene Opel Combo.
Besonders Familientauglich: der erdgasbetriebene Opel Combo.
Anzeige

Dann also Zwischenstopp in Bühl. Das Städtchen südlich von Karlsruhe bietet keinerlei touristische Highlights, wir haben dort auch keine Freunde oder Verwandte. Aber Bühl liegt auf unserer Strecke von Freiburg nach Hannover und – das ist entscheidend – hat eine Tankstelle mit Erdgaszapfsäule. Wer ein Erdgasauto fährt, muss sich von alten Gewohnheiten verabschieden: Route und Pausenzeiten richten sich fortan nach dem Spritangebot. Das Netz der fast 1000 Erdgastankstellen in Deutschland ist inzwischen flächendeckend, aber in vielen Gegenden noch sehr grobmaschig. In Hannover beispielsweise bieten zwar fünf Tankstellen Erdgas an, von einigen Stadtteilen ist der Weg dennoch sehr weit. Autobahntankstellen führen generell kein Erdgas, immerhin liegen viele Erdgastankstellen strategisch günstig an großen Ausfall- oder Umgehungsstraßen.

Ins Handschuhfach eines Erdgasfahrzeugs gehört daher unbedingt der „Wegweiser Erdgastankstellen“, der alle Orte in Deutschland in alphabetischer Reihenfolge auflistet, in denen es entsprechende Tankmöglichkeiten gibt. Eine zusätzliche Übersichtskarte erleichtert die Suche und Planung. Unser Auto, ein Opel Combo CNG, kommt bei sparsamer Fahrweise bis zu 350 Kilometer weit, abhängig von der Qualität des getankten Gases. Im Stadtverkehr schafft der Wagen selten mehr als 250 Kilometer. Da heißt es gut planen: Jede Möglichkeit zu tanken sollte genutzt werden; unter Umständen müssen wir dafür einen Umweg in Kauf nehmen. Wenn uns doch einmal das Gas ausgehen sollte, haben wir eine Notreserve: 14 Liter Super fasst der zweite Tank, genug, um auch in ländlichen Regionen die nächstgelegene Tankstelle anzusteuern.

Die Umstellung von Erdgas auf Benzin oder umgekehrt erfolgt automatisch, sobald einer der Kraftstoffe verbraucht ist. Aufwendig ist der Tankvorgang: Oftmals muss man sich zunächst die Bedienungsanleitung durchlesen, manchmal sogar eine Tankkarte besorgen. Auch das Anbringen des Füllstutzens erfordert Übung. Wenn andere Fahrer längst den 80-Liter-Benzintank an ihrem Wagen gefüllt haben, stehen wir immer noch an der Zapfsäule, die beim Betanken mitunter klingt, als könnte sie jederzeit in die Luft fliegen. Der Blick auf die Preisanzeige entschädigt allerdings: Volltanken kostet 15 Euro. Ein Kilo Erdgas hat einen höheren Energiegehalt als ein Liter Benzin. Da Erdgas außerdem bis Ende 2018 geringer besteuert wird als herkömmliche Kraftstoffe, kommt man für dasselbe Geld doppelt so weit wie mit einem herkömmlichen Benziner.

Neben dem finanziellen Aspekt sprechen die vergleichsweise guten Umweltwerte für das Fahren mit Erdgas: Der CO2-Ausstoß ist durchschnittlich um bis zu 25 Prozent geringer als bei vergleichbaren Benzinfahrzeugen, der Kohlenmonoxidausstoß sogar um bis zu 75 Prozent. Außerdem belasten Erdgasautos die Umwelt mit deutlich weniger Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen. Rußpartikel- und Feinstaubemissionen sind sogar fast gar nicht nachweisbar.

Zugegeben: Besonders spritzig ist unser Combo nicht gerade, und hohe Geschwindigkeiten können wir damit auch nicht fahren. Aber das Geld, das wir auf der Fahrt von Freiburg nach Hannover gespart haben, haben wir in Bühl in eine ordentliche Pizza investiert.

Von Sebastian Hoff

22.08.2009
15.08.2009