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Auto & Verkehr Nur grüner Strom ist guter Strom
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17:07 09.01.2010
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Die Pionierrolle zum elektrischen Fahren will in Deutschland der Daimler-Konzern übernehmen. Wo andere Autohersteller Studien über Studien präsentieren, werden die Stuttgarter konkret: In Berlin und anderen europäischen Metropolen sowie in den USA gehen 1000 unter Serienbedingungen produzierte E-Smart auf Testfahrt bei ausgewählten Kunden. Für 700 Euro monatlich können sie den Zweisitzer mieten. Im Preis enthalten ist ein Rundum-Sorglos-Paket für Wartung und Reparatur.

Das Innovativste an diesem neuen Daimler-Projekt ist die enge Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern RWE. Bei dieser Zusammenarbeit wird der Fokus von vorn herein darauf gelegt, dass Elektromobile mit grünem Naturstrom betrieben werden müssen. Denn jeder Elektrowagen ist nur so umweltfreundlich wie der Strom, den er „tankt“. RWE installiert in Zusammenarbeit mit dem Automobilhersteller in Berlin an zentralen Punkten Säulen zum Beladen des Smart, die diesen grünen Strom aus regenerativen Energien anbieten sollen.

Unsaubere Produktion

Wie gesagt: Elektrischer Strom ist nicht von Haus aus zwingend sauber. Besonders in Deutschland haftet ihm ein merklicher CO2-Ausstoß von derzeit 600 Gramm Kohlendioxid je erzeugter Kilowattstunde an. Umgerechnet auf das, was der E-Smart mit seiner 30-kW-Maschine aus der Speicherbatterie zieht, kommt da ein CO2-Ausstoß von rund 73 Gramm je Kilometer zusammen. Zum Vergleich: Der etwas stärkere Smart-Diesel stößt im Abgas- und Verbrauchsmesszyklus 88 g/km aus – ohne drastische Reichweitenbegrenzung. Und ohne Batterieaustausch im Fahrzeuglebenszyklus, der seinerseits Verbräuche an endlichen Rohstoffen bedeutet. Schließlich ist auch das Lithium der neuesten Batteriengeneration nicht unendlich vorhanden. Mit grünem Strom sieht die Bilanz besser aus. Zwar bleibt das Batterie- und damit das Rohstoffproblem, aber wenigstens sinkt der dirket dem Fahrzeugbetrieb anzulastende CO2-Ausstoß tatsächlich unter jene Werte, die bei einem Verbrennungsmotor schon heute technisch möglich sind.

Zudem dachte man lange, serienfähige Elektromobile würden wie Pilze aus dem Boden schießen, um den Flottenausstoß der Autohersteller an CO2 zu senken. Dabei geht jedes Elektromobil mit Null-Emissionen in die Gesamtbilanz ein. Korrekt ist eine solche Berechnungsart aber nur dann, wenn man auf grünen Strom zugreifen kann. Diesen Weg will der Daimler-Konzern gehen.

Mit seinen 30 kW reißt der kleine Elektro-Smart natürlich keine Bäume aus, aber das E-Mobil liefert seine 120 Newtonmeter Maximalzugkraft wenigstens aus dem Stand. Damit ist man beim Ampelstart und beim Beschleunigen flott unterwegs. Mit einer Beschleunigung von null auf 60 km/h in 6,5 Sekunden ist er schneller als vergleichbare Verbrennungsmotoren. Im Stadtverkehr schwimmt der kleine Stromer folglich nicht nur locker mit, er hängt auch so manchen Verbrenner glatt ab. Beim Starten am Hang rollt der Elektro-Smart zunächst einmal rückwärts, da auf einen Kriechgang, zugunsten eines niedrigen Verbrauchs, verzichtet wurde. Ein kleiner Bremsimpuls unterstützt jedoch den Anfahrvorgang.

Zur Arbeit und zurück

Dank 135 Kilometer Reichweite (im EU-Normzyklus) kann man mit dem Elektro-Smart bequem zur Arbeit und zurück fahren. Gelegentlicher Einsatz auf Schnellstraßen sollte ebenfalls kein Problem sein: Bei höheren Geschwindigkeiten stellt die Elektronik für zwei Minuten eine Extraportion Motorleistung bereit, damit man sicher überholen kann. Wenn der E-Smart von 2012 an auch käuflich zu erwerben sein wird, entscheidet auch sein Preis über den Markterfolg. Japan ist mit einer Steuererleichterung von 11.000 Euro für Elektromobile Spitzenreiter im Fördern alternativer Antriebe. Frankreich hält mit 5000 Euro für Automobile, die weniger als 60 g CO2 je km ausstoßen, ganz vorn gut mit. In Deutschland gibt es derart großzügige Födermittel nicht.

Von Christiane Wildhage