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Auto & Verkehr Porsche dieselt wieder
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17:00 19.08.2011
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Harte Zeiten für echte Porsche-Fans: Schon wieder ein Diesel. Nach dem Hochsitzer Cayenne Diesel kommt nun auch der Flachmann Panamera als Selbstzünder daher. Für den ehemaligen Sportwagenhersteller ist die Ausweitung seiner Angebotspalette in Richtung Sparsamkeit überlebenswichtig. Weit mehr als die Hälfte aller Cayenne werden hierzulande mit der Dieselmaschine geordert. Als 2009 die Krise im Allgemeinen und für Geländewagenanbieter im Besonderen zuschlug, kam Porsche mit seinem seinerzeit noch recht frischen Audi-TDI-Motor im Cayenne Diesel mit einem blauen Auge davon.

Der Panamera, die Rundheck-Limousine mit dem sportlichen Anspruch, wird von Porsche nun ebenfalls nicht deshalb mit einem Audi-Dieselmotor (3.0 TDI) ausgestattet, um die „echten“ Fans der Marke weiter zu brüskieren. Vielmehr will man in Zuffenhausen eigentlich nur eins: Autos verkaufen. Je mehr, desto besser. Nicht ganz die Hälfte, „aber sicher um die 40 Prozent“, hat Porsches Baureihenchef Michael Steiner als Dieselquote für Deutschland im Visier.

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Mit 184 kW/250 PS und 550 Newtonmetern ist der viertürige Zweitonner mehr als ausreichend gerüstet. Jedenfalls konnten wir beim ersten Kennenlernen keinen akuten Leistungsmangel feststellen. Von dem Gedanken an urige Achtzylinder-Klangkompositionen muss man sich als Fahrer aber frei machen – am besten noch bevor man den Selbstzünder zum Leben erweckt. Aber mit ähnlichem Verzicht hat ja auch jener Teil der Panamera-Klientel zu kämpfen, der sich für das andere Basismodell, den simplen V6-Benziner-Saugmotor, entschieden hat. Dafür wird der Normverbrauch beim Diesel mit 6,5 l/ 100 km angegeben. Wer spezielle Spritsparreifen kauft, bekommt 6,3 l/100 km und 167 Gramm CO2 je Kilometer in die Fahrzeugpapiere eingetragen.

Ins Grübeln kommt man beim entspannten Dahingleiten mit dem neuen Panamera Diesel dann aber doch. Gerade deshalb, weil die Limousine so vollkommen unangestrengt und sehr dezent vor sich hin dieselnd über Land rauscht: Da müsste doch noch mehr drin sein, oder? Gibt’s bei Porsche nicht immer so etwas wie ein Plus-Paket für Leistung und Drehmoment?

„Stimmt“, holt uns Porsche-Mann Michael Steiner auf die Straße zurück. „Aber für viel mehr Leistung und noch mehr Drehmoment möchten wir lieber einen Allradantrieb einsetzen.“ Den aber gibt es im Panamera Diesel nicht. Weil das Paket aus Panamera-Basis-Layout plus Motor (von Audi) und Getriebe (von Aisin/Japan) das derzeit nicht zulässt.

Also bleibt es auf lange Sicht erst einmal bei der jetzt vorgestellten Kombination aus 250-PS-TDI, Achtgangautomatik und Antrieb auf die Hinterräder. Im wettbewerbsrelevanten Umfeld à la Audi A7/A8 oder Mercedes-Benz CLS ist man damit ordentlich unterwegs. Solange die Kundschaft nicht nach Allrad fragt. Oder über Geld reden will. Mit seinen 80 000 Euro ohne Extras ist der Porsche Panamera Diesel selbstbewusst eingepreist. Einen Audi A8 3.0 TDI – mit Porsche-identischen Daten für Nennleistung und Drehmoment, aber mit Allradantrieb – bekommt man für 7000 Euro weniger.

Von Hans-Jürgen Wildhage

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