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Auto & Verkehr Porsche statt Picasso
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11:22 25.03.2013
Der Porsche Targa S.
Der Porsche Targa S. Quelle: Porsche
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In Zeiten niedriger Zinserträge und steigender Inflationssorgen richtet sich das Augenmerk in vielen Haushalten verstärkt auf eine sichere Geldanlage. G wie Geldanlage - oder G wie Gold, Gemälde, Grundstücke. Seit einigen Jahren werden jedoch vermehrt auch G wie Gebrauchtwagen als Kapitalanlage entdeckt. Und das nicht nur in jenen Sphären, in denen Millionenbeträge für seltene Klassiker von Bugatti oder Ferrari geboten werden. Auch so manch Otto Normalbürger erfüllt sich seinen einstigen Jugendtraum vom Golf GTi I oder Einsteiger-Porsche - Siebziger-Jahre-Sportwagen, die mitunter echte Sammlerpreise erreichen.

Dennoch warnt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), gegenüber dieser Zeitung vor überzogenen Erwartungen: „Einige Kleinwagen, die bereits im Oldtimer-alter sind, haben in den vergangenen Jahren teilweise eine dynamische Wertentwicklung erfahren. Dennoch sind solche historischen Fahrzeuge nicht ohne Weiteres als Wertanlage geeignet. Die Instandhaltungs- und Wartungskosten können mögliche Wertsteigerungen schnell aufzehren.“ Wissmann: „Wer einen Oldtimer kauft, sollte nicht zuerst auf die Wertentwicklung schauen. Ein Oldtimer ist kein Wertpapier. Es geht vielmehr darum, ein besonderes, außergewöhnliches Auto zu besitzen.“

Der Deutsche Oldtimer-Index (DOX) vom VDA ermittelt seit 1999 die Wertentwicklung historischer Fahrzeuge.

Autos ohne Schnickschnack, aber mit Erinnerungen

Zugrunde liegen dabei Marktanalysen zu 88 Fahrzeugtypen aus sieben Herstellernationen. Überraschend wurde die Rangliste der Fahrzeuge mit der höchsten Entwicklung in den vergangenen Jahren vom Citroën CV2 - besser bekannt als „Ente“ -, dem Fiat 500F sowie dem Renault R4 angeführt. 2012 erfuhr mit dem VW 1300 „Käfer“ ein weiteres in Großserie hergestelltes Auto die größte Wertsteigerung. Also nicht gerade jene automobilen Klassiker, die man allgemein erwartet hätte, wie beispielsweise einen Aston Martin vom britischen Geheimagenten James Bond oder einen schnittigen Sportwagen aus Zuffenhausen oder Stuttgart. „Bei diesen Fahrzeugtypen spielen vermutlich eher Emotionen eine Rolle. Es sind Autos aus der Jugendzeit vieler Menschen. Autos mit Tugenden: Sie sind spartanisch, einfach und zweckmäßig. Ohne Schnickschnack, aber mit sympathischer Form und Charakter. Und sie transportieren Erinnerungen“, begründet Martin Halder, Geschäftsführer von Meilenwerk, einem der führenden deutschen Oldtimerzentren, warum insbesondere Kleinwagen gefragt sind. Reich werden lässt sich mit jenen Autos indes nicht: „Prozentual gesehen verzeichnen diese Fahrzeuge tatsächlich große Anstiege. Absolut aber hält sich die Preissteigerung noch in Grenzen - wir reden über einige Hundert Euro pro Jahr“, erklärt Halder. Für potenzielle Interessenten letztlich eine gute Nachricht: Lässt sich vielleicht doch der eine oder andere gepflegte Oldtimer günstig erwerben.

Darüber hinaus stellten die Experten des VDA 2010 fest, dass „die Wertentwicklung bei historischen Fahrzeugen wesentlich gemäßigter verläuft als bei Wertpapieren. So legte der Deutsche Aktienindex DAX im Jahr 2010 mehr als sechsmal so stark zu wie der Oldtimer-Index, nämlich um 16 Prozent.“ Der DOX nämlich stieg 2010 lediglich um 2,5 Prozent. Also doch lieber Wertpapiere statt Oldtimer - DAX statt DOX? 2011 dagegen sah die Welt der Oldtimer-Besitzer schon wieder deutlich besser aus. Um satte 9,3 Prozent stieg der Wert gepflegter Oldtimer durchschnittlich an. 2012 betrug der Anstieg etwas abgeschwächt lediglich 4,2 Prozent, wie der VDA jüngst mitteilte. Jenes rollende Kapital bringt freilich keine jährlich garantierten Zinssätze oder Dividenden, doch verspricht diese Geldanlage im Vergleich zu einem schnöden Bankdepot häufig einen erhöhten Spaßfaktor. Emotionen statt dröger Wertpapiere, Porsche statt Perser oder Picasso.

Wer dann doch etwas mehr Kleingeld zur Verfügung hat, sollte bei der Suche nach einem wertsteigernden Auto mit Augenmaß vorgehen: „Gefragt ist zukünftig das, was schon früher begehrt war und auch heute gesucht ist: Sportwagen und Cabriolets“, glaubt Halder von Meilenwerk. „Porsche-Klassiker in gutem Zustand sind eine sichere Bank - egal ob nun Oldtimer wie die Typen 356 oder alte 911er oder Youngtimer wie die Typen 964 oder 993. Der Mercedes-Benz SL, gleich welcher Baureihe, ist ebenfalls eine Empfehlung. Auch BMW-Roadster sollten perspektivisch interessant bleiben.“ Der Durchschnittswert deutscher Oldtimer beträgt derzeit übrigens 15.000 Euro.

Markus Beims

Die teuersten Autos 2012

1. Mercedes 540K Spezial Roadster (1936 - 8,8 Mio. Euro)

2. Ferrari 250 GT California Spider GT LWB (8,4 Mio. Euro)

3. Ford GT40 (1968 - 8,2 Mio. Euro)

4. Ferrari 250 GT California Spider (6,4 Mio. Euro)

5. Ferrari 410S (6,1 Mio. Euro)

6. Bentley „Birkin Blower“ (1929 - 5,9 Mio. Euro)

7. Rolls-Royce Silver Ghost „The Corgi“ (1912 - 5,5 Mio. Euro)

8. Ferrari 250 GT Tour de France (1956 - 5 Mio. Euro)

9. Ferrari 250 GT California Spider (4,9 Mio. Euro)

10. Ferrari 625 TRC (197 - 4,8 Mio. Euro)