Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Auto & Verkehr Schöne Grüße aus dem Vollgas-Universum
Mehr Auto & Verkehr Schöne Grüße aus dem Vollgas-Universum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:49 06.06.2009
Anzeige

Die folgenden Zeilen sind eine Hommage an ein Auto, das es korrekterweise nicht geben sollte. Wer, was politisch erwünscht und äußerst vernünftig ist, das Produkt Auto über Verbrauchswerte und Schadstoffemissionen definiert, sollte diesen Artikel deshalb nicht lesen – er braucht sich dann nicht zu ärgern. Alle anderen seien herzlich willkommen in der Welt des neuen Porsche GT 3, der wieder mal alles besser kann als sein Vorgänger und den Traum von rauschhaften Hochgeschwindigkeitsfahrten vorbehaltlos erfüllt. Eigentlich geht dieses Auto überhaupt nicht, und trotzdem bringt es wie kaum ein anderes Serienfahrzeug die Herzen klein gebliebener großer Jungs zum Glühen.

Wie ein Rennpferd

Der GT 3 ist wie ein hochgezüchtetes Rennpferd: Er reagiert auf den kleinsten Wink seines Jockeys, lässt sich perfekt durchparieren und springt spontan aus dem Stand in den gestreckten Galopp. Im Gegensatz zum Pferd sind beim GT 3 aber ganz andere Kräfte an der Macht: Sagenhafte 435 PS zerren unter der Motorhaube am Antriebsstrang, und wer sie einmal frei- lässt, wird das, was dann passiert, so schnell nicht mehr vergessen – der Wagen durchbricht nach 4,1 Sekunden die 100-km/h-Marke, nur 8,2 Sekunden später sind die 200 km/h fällig und so geht es flott weiter, bis dem 3,8-Liter großen Saugmotor bei 312 km/h doch noch die Puste ausgeht.

Dass die brachiale Kraft der Maschine in einen solchen Vortrieb umgesetzt werden kann, liegt nicht zuletzt an einem Leistungsgewicht von gerade einmal 3,20 Kilogramm pro PS. Das sind nur 100 Kilogramm mehr als die Rennversion des GT 3. Das hieß bei der Entwicklung: Gewicht sparen, wo es nur geht. So sind Kofferraumdeckel und Türen aus Aluminium, die Notsitze hinten fehlen ganz. Auch auf das von Porsche-Fahrern heiß begehrte Doppelkupplungsgetriebe muss der GT-3-Besitzer verzichten. Zu schwer. Die sechs Gänge werden mit der Hand geschaltet. Als Ausgleich gibt’s die Klimaanlage und das Soundsystem umsonst, und auch der Rest des Autos kann sich sehen lassen: Gierige Lufteinlassöffnungen an der Front signalisieren schon von Weitem, dass man jetzt besser die Überholspur räumt, und ist das Fahrzeug an einem vorbeigerauscht, sieht man spätestens am Heckspoiler, dass man hier keine Chance gehabt hätte.
Weil GT-3-Fahrer auch am normalen Straßenverkehr auf ganz normalen Straßen teilnehmen, hat Porsche ganz neu ein Liftsystem für die Vorderachse entwickelt. Über einen Taster in der Mittelkonsole kann das Fahrzeug bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h vorne um 30 Millimeter angehoben werden – was vor allem an Bordsteinkanten und auf schlechten Straßen der Karosserie zugute kommt.
Auf den gewundenen Straßen der Schwäbischen Alb, auf denen wir den GT 3 fahren konnten, ist der Wagen in seinem Element: Präzise wie auf der berühmten Schiene lässt sich das Fahrzeug durch jede Kurve zirkeln. Da wackelt nichts, da bricht nichts aus. Die Bremsen drücken einen gewaltig nach vorne, beim Tritt aufs Gaspedal werden die Insassen in die Schalensitze gepresst. Das variable Dämpfersystem PASM mit dem neu abgestimmten Sportmodus macht den GT 3 bretthart, aufschaukeln unmöglich – jede neue Kurve, jeder neue Kilometer ist wie eine Verheißung. Von der Landschaft bekommt der Fahrer garantiert nichts mehr mit. Sein Blickwinkel ist auf das Asphaltband vor ihm verengt. Dass der Sprit wie aus der Gießkanne durch die Brennkammern gluckert – egal. Auf der Autobahn zwischen Ulm und Stuttgart geht’s dann in den Hochgeschwindigkeitsrausch: Bei 305 km/h ist Schluss, weil der Verkehr vor einem zum Stillstand zu kommen scheint. Aber Obacht: Bei 300 km/h tanzt das Auto wie ein Flummi über die Fahrbahn. Dazu das Heulen des Motors ...

Jenseits jeglicher Vernunft

Ach ja: Porsche hat den Verbrauch von 12,8 auf 12,6 Liter SuperPlus gesenkt. Der CO2-Ausstoß ist von 307 auf 298 g/km gesunken. Im Grunde genommen ist das ein Witz. Aber spielt das eine Rolle bei einem Auto, das irgendwo jenseits jeglicher Vernunft fährt?

Von Gerd Piper

Auto & Verkehr Mercedes-Benz S 400 Hybrid - Grün ist die Hoffnung
30.05.2009
18.05.2009