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Auto & Verkehr Mehr als ein Lückenbüßer
Mehr Auto & Verkehr Mehr als ein Lückenbüßer
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07:30 16.12.2013
Der Skoda Rapid Spaceback soll in der Kompaktklasse für Unruhe sorgen. Quelle: Hersteller
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Hannover

Die volumenstarke Kompaktklasse gilt hierzulande als das meistumworbene Segment der Autohersteller. Kein Wunder also, dass immer neue Modelle auf dem Markt platziert werden, um jede noch so kleine Nische auszufüllen.

Nuancenfein gehen die Marketingstrategen dabei vor, denn Konkurrenz im eigenen Hause will sich niemand machen. Und so soll der neue Rapid Spaceback von Skoda die Lücke zwischen dem Fabia Combi und dem Octavia Combi schließen – ohne einem der Brüder zu nahe zu kommen. Darüber hinaus darf freilich auch die Markenhierarchie im Volkswagen-Konzern nicht durcheinandergeraten. Um es vorwegzunehmen: Der Rapid Spaceback ist dennoch mehr als nur ein Lückenbüßer.

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„Raumwunder“ in drei Ausstattungslinien

Als „Raumwunder“ bezeichnet Skoda seinen neuesten Wurf, der in drei Ausstattungslinien (Active, Ambition, Elegance) zu haben und mit einem Einstiegspreis ab 14.990 Euro wahrlich ein ernst zu nehmender Herausforderer ist. Kein überteuerter Lifestylekombi also, dessen Nutzwert fragwürdig ist und bei dem die Alltagstauglichkeit auf der Strecke bleibt. Vielmehr ein familientauglicher Kompaktkombi, der insbesondere eine preisbewusste junge Zielgruppe anspricht. Mit seinen 415 Litern Kofferraumvolumen (auf bis zu 1.380 Liter erweiterbar) ist der Rapid Spaceback laut Hersteller der größte Kombi seiner Klasse. Wer viel laden kann, benötigt natürlich kräftige Motoren. Allerdings stehen lediglich drei Benziner (63-90 kW/86-122 PS) sowie zwei Diesel (66-77 kW/90-105 PS) zur Auswahl.

Während unserer Testfahrt im Umland Frankfurts haben wir den schwächeren 90-PS-Diesel mit dem Sieben-Gang-DSG-Getriebe zunächst auf den fast 900 Meter hohen Großen Feldberg scheuchen wollen. Leichter gesagt, als getan. Verlief die Hinfahrt über Landstraßen erwartet harmonisch, wurden wir beim Erklimmen des Berges unangenehm überrascht. Die im Schneckentempo vor uns fahrenden Tagesbesucher stellten uns und insbesondere das Automatikgetriebe ständig vor die Wahl, untertourig hinterherzutuckern oder per Kickdown vorbeizuziehen. Kein angenehmes Fahren. Doch blieb diese Erfahrung der einzige Wermutstropfen. Deutlich mehr Spaß bereitete uns anschließend der kleinste Benziner – als Schalter. Durchzugsstark und vor allem leise erlebten wir den 1,2-Liter-Vierzylinder, der selbst bei 160 km/h auf der Autobahn kaum nennenswerte Windgeräusche entwickelte und uns fast das Gefühl gab, in einer Limousine der gehobenen Mittelklasse auf Langstreckenhatz zu gehen. Das gegenüber der Rapid Limousine verbesserte Fahrwerk tat sein Übriges dazu.

Wohlfühlatmosphäre im Innenraum

Im keineswegs kleinen Innenraum herrscht demnach Wohlfühlatmosphäre, wenngleich der Klassenunterschied zu VW deutlich wird. So besteht die Oberseite des Armaturenbretts weiterhin aus Hartplastik, wohingegen das hochwertige Lenkrad überzeugen kann. Der jungen Zielgruppe dürften unterdessen andere praktische Details und kleine Annehmlichkeiten wichtiger sein: der variable Ladeboden im Kofferraum, eine versenkbare Kofferraumabdeckung, Taschenhaken und ein herausnehmbarer Abfallbehälter in der Fahrzeugtür. „Simply clever“ – das Motto Skodas – muss an dieser Stelle einfach mal erwähnt werden.

In seiner Linienführung gibt sich der Rapid Spaceback frisch, aber zugleich unaufgeregt. Ein optional erhältliches Panoramaglasdach sorgt zudem für reichlich Durchblick. Und optisch verleiht es dem kompakten Skoda dann doch ein bisschen Lifestylefeeling. Auf der Kostenseite bleibt dieses mit rund 900 Euro einer der wenigen Ausreißer nach oben. Der bereits erwähnte Einstiegspreis von 14.990 Euro für den 1,2-Liter-TSI-Benziner mit 63 kW/86 PS liegt etwa 3.000 Euro unter dem eines vergleichbaren fünftürigen VW Golf. Da wurde bei Skoda mit spitzer Feder gerechnet. Nicht viel rechnen muss der Fahrer beim Benzinverbrauch. Dieser liegt laut Hersteller bei 4,4 Litern (kombiniert) und 119 g/km CO2. Auch der 66-kW/90-PS-Diesel (ab 17 390 Euro) verbraucht lediglich 4,4 Liter auf 100 Kilometern; als Green Line sogar nur 3,8 Liter Diesel (99 g/km CO2). Natürlich kann der Rapid Spaceback auch anders. In der höchsten Ausstattungslinie Elegance werden für die 1,6-Liter-TDI-Green-tec-Variante mit Sieben-Gang-DSG-Automatik mal eben 23.090 Euro fällig.

Positives Fazit

Fazit: Der Rapid Spaceback dürfte in der Kompaktklasse für reichlich Unruhe sorgen. Das optisch gefällige Sparmodell bietet ein riesiges Raumangebot und ein zeitloses Design zu einem erfrischend niedrigen Einstiegspreis. Dass die Auswahl der Motoren begrenzt ist, wird der preisbewussten Käuferschicht schnuppe sein. Wer braucht schon einen Sparmeister mit Sporttriebwerk? Vielmehr will der kompakte Skoda die Lücke zwischen Fabia und Octavia schließen und die Kunden der tschechischen Marke an sich binden. Wenn dann aber doch der eine oder andere VW-Kunde auf den Geschmack kommt, tja, dann haben die Marketingstrategen bei Skoda wohl doch vieles richtig gemacht.

Skoda Rapid Spaceback

  • Motor: 2 Diesel, 3 Benziner
  • Benziner: 66-77 kW/90-105 PS
  • Diesel: 63-90 kW/86-122 PS
  • Max. Drehmoment:160-250 Nm
  • CO2-Emission: 99-124 g/km
  • Beschleunigung (0-100km/h): 9,4-11,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 180-203 km/h
  • Länge/Breite/Höhe: 4,30/1,70/1,46 m
  • Verbrauch: 3,8-4,4 l Diesel/ 4,4-5,8 l Super
  • Leergewicht: 1.150-1.260 kg
  • Laderaumvolumen:430-1.380 l
  • Preis: ab 14.990 Euro

Fazit:

+ niedriger Einstiegspreis, Topmodell mit guter Ausstattung

– kleine Auswahl an Motoren, Innenraum könnte gefälliger sein

Markus Beims

Hanne Lübbehüsen 16.12.2013
25.11.2013