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Auto & Verkehr Spaßmacher mit kleinen Schwächen
Mehr Auto & Verkehr Spaßmacher mit kleinen Schwächen
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00:49 13.06.2009
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Keine Frage, dieser Wagen trifft den Nerv der Zeit. Ein umweltfreundlicher Cityflitzer mit kleinem Preis und geringem Spritverbrauch. Wenn er einen so anschaut mit seinen großen Augen, kann man schnell schwach werden. Aber die inneren Werte... da muss man, besser: frau dann doch Abstriche machen. Denn eines ist schnell klar – der Suzuki Alto ist speziell für Frauen gemacht. Nur: Was er verspricht, kann er nicht immer halten. Er ist zwar knuddelig, passt in die kleinste (Park-)Lücke, hat (unglaublich!) vier Türen und reagiert auch ganz flott beim Tritt aufs Gaspedal. Aber drinnen sieht es düster aus: Ein Plastikbomber ohne Charme. Nicht mal ein kleines bisschen Luxus. Kann so ein Auto Spaß machen? Seit Ende April ist der Alto auf dem Markt – wir haben den Wagen jetzt näher unter die Lupe genommen.

Der erste Eindruck: Ein bisschen komisch ist es schon: Drückt man einmal auf den Schlüssel, öffnet sich die Fahrertür, beim zweiten Mal geht der Rest auf. Also, einmal gedrückt und eingestiegen. Wohin mit der Jacke? Einen Aufhänger gibt’s nicht. Die Freundin auf dem Beifahrersitz greift bei der Suche nach dem oberen Haltegriff ins Leere. Noch schnell die Sonnenbrille im Handschuhfach verstaut – Fehlanzeige. Dort gibt es nur ein offenes Ablagefach. Da ist wohl an den falschen Stellen gespart worden. Die wenigen Armaturen sind übersichtlich. Und alles ist eingebettet in graues Plastik. Schön ist was anderes. Im runden Zusatzinstrument, das über dem Armaturenbrett klemmt, sitzt ein einsamer Drehzahlmesser. Nur: Wozu braucht ein Dreizylinder mit gerade mal 68 PS sowas? Spaßfaktor: 6

Die erste Fahrt: Das Lenkrad ist nur in der Höhe verstellbar. Der Motor schnurrt leise. Beim Tritt aufs Gaspedal geht's dann doch nach vorne. 14 Sekunden von 0 auf 100 sind zwar nicht berauschend, aber mir reichen sie. Flott bleibt der Alto allerdings nur, wenn es ebenso flott durch die Gänge geht. Hier ist Schalten angesagt. Dafür ist also der Drehzahlmesser! Wer gern schnell fährt, muss sich dann doch noch mit lauten Fahrgeräuschen anfreunden, die das Radio locker übertönen. Drei Zylinder eben, ein Maschinchen, das da kräftig unter der Motorhaube keucht. Die Lenkung ist leichtgängig, aber leider etwas schwammig. Beim schnellen Spurwechsel ist Vorsicht angesagt. Immerhin macht der Kleine Tempo 155. Ruppig reagiert der Alto wenn’s über Straßenbahnschienen geht – da holpert’s dann kräftig. Spaßfaktor: 8

Die Shoppingtour: So macht der Kleine richtig Spaß. Hier ist der Alto in seinem Metier. In der Stadt ist er spurtstark, flott beim Überholen und passt in die kleinste Lücke. Parkplatzsorgen ade! Die Einkaufstüten werden (Zweimal Schlüssel drücken!) auf die Rückbank geworfen. Wendekreis? Unschlagbare neun Meter. Auf dem Nachhauseweg geht’s dann zum ersten Mal an die Tankstelle. Und auch das zaubert ein Lächeln ins Gesicht: Der Alto hat zwar nicht die vom Hersteller versprochenen 4,4 Liter verbraucht, aber unser Testwagen hat im Stadtverkehr gerade mal 5,3 Liter auf 100 Kilometer geschluckt! Spaßfaktor: 10

Einkauf mit Familie: Hier wird es ernst: Der Alto hat seine Grenzen erreicht. Für eine Familie ist der Wagen schlicht zu klein. Wer hinten sitzt, darf nicht zu groß sein. Besser auch nicht zu schwer, sonst muss der Wagen mächtig pumpen, um auf Fahrt zu kommen. Wenn dann der Gatte am Steuer sitzt, muss die Ehefrau auf den Beifahrersitz. Fürs Überprüfen des Make-ups sucht sie dort den Schminkspiegel allerdings vergeblich – er sitzt hinter der Sonnenblende des Fahrers. Ist der Supermarkt erreicht, muss streng nach Zettel eingekauft werden. Darf es noch ein bisschen mehr sein? Besser nicht. Denn der Kofferraum ist winzig. Er fasst gerade mal 129 Liter. Dazu fällt beim Einpacken immer wieder die Kofferraumabdeckung ab. Das nervt! Wer mit dem Alto richtig einkaufen gehen will, kann durch Umklappen der Rücksitzbank dann doch noch Platz schaffen (774 Liter). Aber: Eine Familie darf man besser nicht haben. Spaßfaktor: 4

Die Bilanz: Der Alto ist ein Stadtauto. Klein, wendig, preiswert. Ein Zweitwagen, Zielgruppe Frauen. Von außen ist der Knubbel mit seinen großen Schlafaugen voll gelungen. Aber die Designer haben offenbar vergessen, dass Frauen es auch drinnen gerne hübsch haben. Luxus ist ein großes Wort – aber ein wenig mehr Klasse wäre schon wünschenswert.
Großer Pluspunkt ist der Preis des Alto: Ab 8900 Euro („Basic“) ist der Kleine zu haben – ABS, vier Airbags und ABS inklusive. Für 1000 Euro mehr sind Klimaanlage und ESP mit an Bord („Club“). Wer noch mehr drauflegt, kann sich noch mit Alufelgen, Drehzahlmesser und einem MP3-fähigen Radio schmücken („Comfort“).

Fazit: Spaßfaktor 7 – mehr kann frau für 9000 Euro nicht erwarten.

Von Ingrid Lundberg-Piper

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