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Auto & Verkehr Verkehrsclubs bieten mehr als Pannenhilfe
Mehr Auto & Verkehr Verkehrsclubs bieten mehr als Pannenhilfe
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00:37 02.02.2013
Warten auf Hilfe: Auf welchen der deutschen Automobilclubs man sich einlässt, ist manchmal tatsächlich eine Glaubensfrage.
Warten auf Hilfe: Auf welchen der deutschen Automobilclubs man sich einlässt, ist manchmal tatsächlich eine Glaubensfrage. Quelle: istock Photo
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Hannover

Einen unsichtbaren Schutzengel auf dem Beifahrersitz wünscht sich wohl nahezu jeder Autofahrer. Dort, wo die himmlischen Wesen indes nicht mehr weiterwissen, ist zumeist irdische Hilfe angesagt. Doch selbst dann ist es nicht unwahrscheinlich, einem Engel zu begegnen. Die Gelben Engel des ADAC nämlich gehören mit ihren über 18 Millionen Mitgliedern zum größten Automobilclub Deutschlands. Doch im Schatten des zum Multidienstleister aufgestiegenen Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs gibt es zahlreiche weitere Pannenhilfen und Abschleppdienste.

ACE (Auto Club Europa e.V.): Mit rund 550.000 Mitgliedern gilt der ACE als zweitgrößter Automobilclub in Deutschland. Die „Helfer mit Herz“ bieten eine Familienmitgliedschaft zum Jahresbeitrag von 59,70 Euro an. In den Genuss eines ACE-Startpaketes gelangen junge Autofahrer bis 30 Jahre. Diese zahlen im ersten Jahr nur den halben Beitrag (29,85 Euro). Auch Firmen (39 Euro/Jahr/Auto) zählen zur Zielgruppe des ACE. Das Clubmotto „Gute Fahrt. Wir sind dabei!“ vertreten allein in Deutschland über 500 Partnerwerkstätten. Pannen- und Unfallhilfe rund um die Uhr, ein europaweiter Schutz sowie ein Kranken- und Fahrzeug-Rücktransport aus dem Ausland stellen neben zahlreichen weiteren Dienstleistungen (Verkehrsrechtsschutz, Versicherungen, Reiseangebote) nur die wichtigsten Merkmale dar. Gute Reise!

ACV (Automobil-Club Verkehr Bundesrepublik Deutschland e.V.): Ebenfalls zu den mitgliederstärksten Automobilclubs zählt der ACV mit mehr als 300.000 Autofahrern. Diese bekommen ab 48 Euro pro Jahr (Singletarif) im Schadensfall bei mehr als 1000 Servicepartnern im In- und Ausland Unterstützung. Die „Junge-Leute-Mitgliedschaft“ für 17- bis 25-Jährige kostet 35,40 Euro im Jahr. Familien genießen für 59,76 Euro pro Jahr ein umfassendes Leistungspaket. Über die Unfall- und Pannenhilfe hinaus engagiert sich auch der ACV in der verkehrspolitischen Diskussion. „Kein Grund zur Panik“, mahnt der ACV im Pannenfall zur Ruhe – ob’s hilft?

AvD (Automobilclub von Deutschland): Auf die Dienste des ältesten deutschen Automobilclubs – 1899 in Berlin als Deutscher Automobilclub (DAC) gegründet – vertrauen immerhin 200.000 Autofahrer. Mitgliedschaften für Singles (59 Euro/Jahr), Familien (59 Euro/Jahr), junge Fahrer (44 Euro/Jahr) sowie Oldtimer- und Youngtimer-Fahrer (29 Euro/Jahr für AvD-Mitglieder – 49 Euro/Jahr für Nichtmitglieder) sprechen eine breite Zielgruppe an. Auch der AvD bietet seinen Mitgliedern eine eigene 24-Stunden-Notrufzentrale und leistet Pannen- und Abschlepphilfe mit 300 eigenen Fahrzeugen. Europaweit stehen bis zu 8000 Servicedienstleister zur Verfügung. Und diese Hilfe ist „in der Regel in rund 30 Minuten zur Stelle“, wirbt der AvD. Diese Zeitangabe nachts auf einer dunklen Landstraße mit der Stoppuhr neben der offenen Motorhaube stehend zu überprüfen dürfte freilich kaum das Bestreben eines Mitglieds sein.

ARCD – Auto- und Reiseclub Deutschland: Mit bundesweit 105.000 Mitgliedern ist der ARCD nach eigenen Angaben „kein Massenclub, sondern einer, der Wert legt auf eine persönliche, individuelle Betreuung“. Ein Blick in die lange Geschichte des heutigen ARCD zeugt von zahlreichen Neuausrichtungen: 1928 als „Kraftfahrer-Vereinigung Deutscher Lehrer“ gegründet und mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges aufgelöst, lebte der Automobilclub 1955 als „Kraftfahrer-Vereinigung Deutscher Beamter“ wieder auf. Noch heute kommen Angestellte des öffentlichen Dienstes mit 69,50-Euro-Jahresbeitrag gegenüber dem Regeltarif von 78,50 Euro besser weg. Doch auch der ARCD bietet Ermäßigungen für Schüler, Studenten und Auszubildende (29 Euro/Jahr bis 27 Jahre). Ob der ARCD gute Noten verdient, sollte daher zuerst die Lehrer gefragt werden.

Mobil in Deutschland e.V.: Als Direkt- und Online-Automobilclub mit einem Jahresbeitrag von 24 Euro in der Basis-Mitgliedschaft gehört „Mobil in Deutschland“ zu den günstigsten Automobilclubs hierzulande. Die Premium-Mitgliedschaft dagegen schlägt bereits mit 54 Euro/Jahr zu Buche. Dafür genießt der Autofahrer jedoch weltweite Pannen- und Unfallhilfe. Einer von 1700 Servicepartnern soll innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein. Doch „statt eines gelben Autos kommt in unserem Fall ein silbernes“, verspricht „Mobil in Deutschland“ mit Verweis auf die zweitgrößte Fahrzeugflotte.

BAVC-Bruderhilfe e.V.: Die BAVC-Bruderhilfe ist ein kirchennaher Automobil- und Verkehrssicherheitsclub mit 39.000 Mitgliedern, die überwiegend haupt- und ehrenamtlich in Kirche und Diakonie tätig sind. Der Mobilschutz Basis verspricht ab 31 Euro/Jahr Hilfe. Fahranfänger genießen sogar ein Jahr Beitragsfreiheit. Der erweiterte Mobilschutz schlägt beim BAVC mit 53,50 Euro/Jahr für Einzelpersonen sowie 69,50 Euro für Familien zu Buche. Das Leistungsspektrum umfasst dann allerdings auch eine „europaweite Pannenhilfe“ sowie einen „weltweiten Personenschutz“. Ob dieser von himmlischen Wesen geleistet wird, bleibt indes unklar. Menschen mit Behinderung erfahren eine besondere Behandlung, sofern sie „ein speziell umgerüstetes Fahrzeug nutzen“.

VCD (Verkehrsclub Deutschland e.V.): Der VCD behauptet von sich, „der einzige ökologische Verkehrsclub“ hierzulande zu sein. Inwieweit der versprochene „Öko-Bonus für die Umwelt“ mit dem Mitgliedsbeitrag bereits verrechnet ist, muss jeder Autofahrer individuell für sich entscheiden. Eine Einzelmitgliedschaft kostet 50 Euro/Jahr, ein ganzer Haushalt ist für 62,50 Euro/Jahr abgesichert. Der VCD bietet seine Leistungen auch juristischen Personen wie Vereinen an. Dafür sind allerdings 150 Euro/Jahr fällig. Ein reduzierter Beitrag von 25 Euro/Jahr gilt für jene Personen, „die derzeit nicht in der Lage sind, den vollen Beitrag zu zahlen“. Mit dem Autofahrer als Melkkuh der Nation müsste der VCD angesichts einer solchen Offerte großen Zuspruch finden.

Automobilclubs müssen ihren zahlenden Mitgliedern längst mehr bieten als nur die schnelle Hilfe am Straßenrand. Diese erwarten nicht nur die Geborgenheit auf Abruf, sondern eben auch eine aktive Lobbyarbeit. Dienstleistungen wie eigene Kfz-Haftpflichtversicherungen, Autovermietung, Fahrsicherheitstraining, Fachmedien sowie pauschale Reiseangebote und individuelle Routenplanungen gehören mittlerweile ebenfalls zum Programm. Und sollte der Schutzengel auf dem Beifahrersitz tatsächlich einmal entflogen sein, sollte die irdische Hilfe nicht allzu lange auf sich warten lassen.

Die Tarife:

  • ACE (Auto Club Europa e. V.): 59,70 Euro (nur Familientarif)
  • ACV (Automobil-Club Verkehr Bundesrepublik Deutschland e. V.):
    48 Euro (Single)
  • AvD (Automobilclub von?Deutschland): 59 Euro (Single)
  • ARCD – Auto- und Reiseclub Deutschland: 78,50 Euro (Regeltarif)
  • Mobil in Deutschland e.V.: 24 Euro (Basistarif)
  • BAVC-Bruderhilfe e. V.: 31 Euro (Einzeltarif)
  • VCD (Verkehrsclub Deutschland e. V.): 50 Euro (Einzeltarif)

Markus Beims