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Auto & Verkehr Vom Urvieh zum Imageträger
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00:40 30.04.2011
Ein Auto im Wandel der Zeit: Der Toyota Land Cruiser. Hier das aktuelle Modell J15 aus dem Jahr 2009. Foto: Werk
Ein Auto im Wandel der Zeit: Der Toyota Land Cruiser. Hier das aktuelle Modell J15 aus dem Jahr 2009. Foto: Werk
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Wer Jeep sagt, meint oft ein ganz besonders kerniges, in jedem Fall hoch geländegängiges Fahrzeug. Einen Jeep eben. Den Wrangler, der von Chrysler kommt und jetzt zu Fiat gehört. Oder doch einen LandRover? Oder ein G-Modell von Mercedes-Benz? Das mit den echten Geländewagen ist manchmal für Außenstehende nicht ganz einfach. Zumal gern ein echter Klassiker vergessen wird: der Land Cruiser von Toyota. Das Urgestein feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag.

Es gibt Leute, die behaupten, der Land Cruiser habe mehr Pisten unter die Grob- stöller genommen als jedes andere Geländefahrzeug. Angesichts der mehr als sechs Millionen Exemplare, die Toyota in den letzten 60 Jahren absetzen konnte, erscheint diese Annahme nicht unrealistisch. Kaum ein Fernsehbeitrag über weit entlegene Regionen oder ergreifende Naturereignisse, in denen nicht auch der japanische Geländewagen durchs Bild gefahren ist. Und zu einer Zeit in Nachkriegsdeutschland, in der Geländewagen auf öffentlichen Straßen wegen ihrer zumeist militärischen Herkunft nicht wirklich gern gesehen waren. Dass daraus jemals populäre Zulassungskönige namens SUV (Sports Utility Vehicle) werden würden, ahnte damals noch kein Mensch.

Angefangen hatte alles militärisch. Wie so oft: Vor dem Käfer kam der Kübelwagen, vor dem Jeep, dem echten, stand Willys Overland. Toyota beteiligte sich Anfang der fünfziger Jahre an einer Ausschreibung der US-Streitkräfte und stellte 1951 den Prototyp für ein leichtes Geländefahrzeug auf die Räder. Den „Toyota Jeep BJ“, ausgerüstet mit Reihensechszylinder, Leiterrahmen, Starrachsen, Blattfedern und einem zuschaltbaren Allradantrieb. Toyota war von der Leistungsfähigkeit des Geländegängers überzeugt und entwickelte das Konzept zur Serienreife. In den Folgejahren lief der BJ in fünf Versionen vom Band und startete 1954 unter seinem neuen Namen Land Cruiser seine internationale Karriere. Erste Stationen waren Pakistan und Saudi-Arabien. Später folgte die „Eroberung“ von amerikanischem Boden. Weitere Länder in Südamerika, Afrika, Südostasien und dem Mittleren Osten folgten bald.

Vergleichsweise hohe Stückzahlen erreichte der Land Cruiser von 1960 an. Damals startet der LC 40, kurz J4 genannt. Der Neuling präsentierte sich wesentlich moderner, war erstmals mit Reduktionsgetriebe und stärkeren Motoren ausgerüstet und entwickelte sich schnell zum Verkaufsschlager. Seinen Kultstatus hat der J4 nicht zuletzt auch der Tatsache zu verdanken, dass er sehr lange fast unverändert produziert und verkauft wurde. Seine Ablösung kam erst 1984.

Zwischendrin leitete Toyota 1967 mit dem J5 eine strategische Zweiteilung der Modellreihen ein, die bis heute Bestand hat. Der Land Cruiser 50 Station Wagon ist ein geschlossener Fünftürer mit viel Platz und komfortabler Ausstattung, der besonders den Ansprüchen freizeitorientierter Amerikaner Rechnung trägt. 1969 lief der 100 000ste Land Cruiser vom Band, 1977 feierte der Land Cruiser schließlich seine Deutschland-Premiere. Die ersten Modelle waren der dreitürige LC 40 sowie der LC 50 Station Wagon.

1984 entschied sich Toyota für eine weitere Teilung der Baureihen. Mit der Einführung des Land Cruiser 70 (J7) bekam der legendäre J4 zwar einen würdigen Nachfolger, das kernige Fahrwerk mit blattgefederten Starrachsen war jedoch nicht jedermanns Sache. Deshalb stellte Toyota dem „Heavy Duty“ eine komfor- tabler ausgelegte „Light-Duty“-Variante mit Schraubenfedern zur Seite, die besonders bei europäischen Kunden ins Schwarze traf.

1990 war das Jahr des Land Cruiser 80 Station Wagon. Er überzeugte mit einem modernisierten Fahrwerk samt Schraubenfedern und konnte nun auch mit permanentem Allradantrieb geordert werden. ABS sowie Airbags für Fahrer und Beifahrer waren ebenfalls an Bord. 1995 arbeitete der erste Diesel mit Vierventil-Technik unter der Haube. 1998 stand mit dem Station Wagon 100 bereits der Nachfolger in den Startlöchern. Mit ihm verfügte der große Land Cruiser erstmals über eine Einzelradaufhängung an der Vorderachse, über der auf Wunsch ein V8-Benziner thronte.

Die neuen Typen sind luxuriöse Allradler, die auch bei gehobenen Ansprüchen keine Wünsche offenlassen. Zumindest optisch haben sie mit den Altmeistern nicht mehr viel gemeinsam. Aus Nutzfahrzeugen sind Imageträger geworden, in denen diverse Elektrohelfer das Leben leichter machen. Für den standesgemäßen Vortrieb sorgen Motoren mit bis zu acht Zylindern, 4,5 Litern Hubraum und beinahe 300 PS. Auch beim Preis ist Großzügigkeit gefordert: Knapp 90 000 Euro kostet ein Luxus-Land-Cruiser der Gegenwart. Doch Gelände können sie noch immer.

Von Hans-Jürgen Wildhage

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