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Auto & Verkehr Wahnwitzige Rennstrecke am Bilster Berg
Mehr Auto & Verkehr Wahnwitzige Rennstrecke am Bilster Berg
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10:13 17.06.2013
Foto: Ein ganz besonderer T1: Sieht aus wie ein Bulli, ist aber tatsächlich mehr ein Porsche.
Ein ganz besonderer T1: Sieht aus wie ein Bulli, ist aber tatsächlich mehr ein Porsche. Quelle: Markus Heimbach
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Bad Driburg

Bei Menschen, die den Motorsport lieben, ist die Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn manchmal nur schwer auszumachen. Der Schweizer Fred Bernhard ist so ein Typ. Er hat einen uralten Bulli T1 aufgefräst, mit feinster Porsche-GT3-Technik ausgerüstet und jagt jetzt mit 500 PS über den Bilster Berg. Manchmal tritt Bernhard hart in die Bremsen, manchmal zuckt das Heck verräterisch, und als Beifahrer ertappt man sich dann unwillkürlich bei dem Gedanken, ob das jetzt nicht doch ein wenig verrückt ist. Denn der Bulli stand nie im Verdacht, besonders rennsporttauglich zu sein.

Bernhard macht Taxifahrten. Rast mit Leuten, die den Kick suchen, über Rennstrecken. Dieses Mal ist er für VW Nutzfahrzeuge (VWN) zur Eröffnung des Bilster Berg Drive Resorts gekommen - dem brandheißen, neuen Rennkurs auf einem ehemaligen Militärgelände im Teutoburger Wald bei Bad Driburg. Der Kurs ist aus gleich mehreren Gründen bemerkenswert: Es ist die erste neue Rennstrecke im Westen Deutschlands seit mehr als 80 Jahren, wurde von 172 Gesellschaftern ausschließlich mit privaten Mitteln gebaut (34 Millionen Euro) und bietet auf einer Streckenlänge von 4,2 Kilometern ein äußerst anspruchsvolles Fahrvergnügen: 19 Kurven, 44 Kuppen und Wannen und 70 Höhenmeter machen den naturnahen Rundkurs zu einem Erlebnis mit einem hohen Adrenalinfaktor. Manchmal scheint man ins Nichts zu fahren, dann schließen sich plötzlich die Kurven mit einem Gefälle mit bis zu 26 Prozent. Man muss kein Hellseher sein, um schon jetzt voraussagen zu können, dass so manche Ausfahrt hier im Kiesbett enden wird.

Am Bilster Berg wird es nie offizielle Rennen geben

Entwickelt wurde der Rundkurs von dem Architekten Hermann Tilke, der sieben aktuelle Formel-1-Rennstrecken entworfen hat. Und auch Walter Röhrl hatte als Berater seine Hände im Spiel. Allerdings wird es am Bilster Berg niemals offizielle Rennen geben, für Zuschauer fehlen beispielsweise die üblichen Tribünen. Vielmehr sollen hier Fahrertrainings oder Abstimmungsfahrten stattfinden, auch kann die Strecke für Fahrzeugpräsentationen oder private Events gebucht werden. Die Nachfrage ist offenbar da, das Drive Resort soll bereits zu einem großen Teil ausgebucht sein. Aber auch offenes Fahren, also die Gelegenheit für jedermann, ist geplant. Allerdings wird das nicht so einfach sein wie beispielsweise auf der Nordschleife des Nürburgrings, mit der diese Strecke eine gewisse Ähnlichkeit besitzt. Sicherheit spielt hier eine wichtige Rolle. Wer also über den Rundkurs hetzen möchte, muss vorher eine Sicherheitseinweisung mitmachen,­ das gilt auch für Fahrer mit einer Rennlizenz.

Sicherheit spielt denn auch für Bernhard eine wichtige Rolle. Als es am Eröffnungstag zu regnen beginnt, muss er die aufgezogenen Slicks gegen Regenreifen tauschen. Und weil der Bulli eben doch kein Rennwagen ist, geschieht das nicht in wenigen Sekunden, sondern dauert seine Zeit ­- alles Handarbeit, ohne Schraubenschlüssel geht gar nichts.

Gerd Piper