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Immobilienmarkt trotzt der Corona-Krise

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Thorsten Illmer (v. l.), Johannes Nickisch, Steffen Schroth, Christian Palis und Gerrit Stönner von Engel & Völkers.     Quelle: Engel & Völkers (5)
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Wenn sich ein Immobilienunternehmen mehr als 20 Jahre erfolgreich am Markt behaupten kann, spricht das für Kompetenz und Leistungsfähigkeit sowie eine konsequente Ausrichtung der Unternehmenssparten auf die einzelnen Marktsegmente. Die Folgen der Corona-Krise machen vor der Immobilienbranche dennoch nicht halt. Fünf Spartenleiter von Engel & Völkers Commercial betrachten die Auswirkungen differenziert und schätzen für uns die aktuelle Lage ein.
Thorsten Illmer (Partner | Büroflächen): „Während der ersten zwei Wochen nach dem Lockdown fiel der hannoversche Büromarkt zunächst in eine Schockstarre. Die unmittelbaren Maßnahmen seitens der Regierung und der Marktteilnehmer sorgten jedoch schnell für eine Stabilisierung. Aktuell lässt die Umstellung vieler Arbeitnehmer auf Homeoffice zwar einen abnehmenden Flächenbedarf vermuten, dem stehen indessen drei Marktentwicklungen gegenüber: Zum einen gehen wir bislang von einer weiter steigenden Gesamtzahl an Büroarbeitsplätzen in der Wirtschaft aus; zum anderen wächst der Platzbedarf kurzfristig durch die Einhaltung von Hygienemaßnahmen und mittel- bis langfristig erhöhen moderne Bürokonzepte den Platzbedarf pro Mitarbeiter. Schlussendlich ist die künftige Entwicklung am Büromarkt natürlich abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie und damit bleibt eine gewisse Unsicherheit bestehen. Bis zum heutigen Zeitpunkt zeigen sich keine nachhaltigen Einbrüche.“
Johannes Nickisch (Wohn- und Geschäftshäuser): „In Bezug auf Wohnimmobilien zeigt sich der Markt bislang recht robust gegenüber der Krise. Insbesondere bei Innenstadtlagen sind die Preise mindestens auf ,Vorkrisenniveau‘ –teilweise konnten sogar vergleichsweise höhere Verkaufspreise erzielt werden. Die Fremdkapitalfinanzierung von Anlageobjekten wird durch die anhaltende Unsicherheit der Banken und dadurch stärkeren Auflagen für Kredite erschwert. Indes sind für erfahrene Marktteilnehmer weiterhin Kredite zu guten Konditionen möglich, sodass dem Markt für Wohnimmobilien auch künftig genügend Kapital zur Verfügung steht. Des Weiteren macht der momentane Abwärtstrend auf den Aktienmärkten Kapitalverlagerungen aus der Wohnwirtschaft vorerst unwahrscheinlich. Aus diesen Gründen erwarten wir auch für die nahe Zukunft eine stabile Marktlage.“
Steffen Schroth (Partner | Industrie- und Logistikflächen): „Zu Beginn der Corona-Krise stieg die Zahl der Onlinekäufe sowie die Vorratshaltung und damit der Bedarf an Lebensmitteln zunächst sprunghaft an, was kurzfristig zu einer steigenden Logistikflächenanfrage seitens Lebensmittel- und Onlinehändlern führte. Dieser Effekt ist jedoch im Verlauf der Krise verflogen und viele dieser Gesuche wurden nicht realisiert. Aktuell normalisiert sich die Nachfragesituation weitestgehend. Insbesondere mittelständische Unternehmen suchen wieder vermehrt nach Lager- und Produktionsflächen in der Region Hannover.“
Christian Palis (Partner | Investment): „Der Investmentmarkt in Hannover zeigt sich zusammengefasst sehr robust gegenüber der Krise. Es kommt dem heimischen Markt zugute, dass kaum spekulative Objekte gebaut werden. Die bedarfsgesteuerten Baumaßnahmen wirken Leerständen und drohendem Preisverfall in allen Assetklassen entgegen. Generell bleibt der Anlagedruck großer Kapitalsammelstellen, wie Immobilienfonds, weiterhin aufgrund fehlender Alternativen sehr hoch und sichert den Kapitalzufluss in unseren Markt. Immobilien in Hannover sind auch in Krisenzeiten eine sichere und lukrative Kapitalanlage.“
Gerrit Stönner (Einzelhandelsflächen): „Schon vor Beginn der Pandemie stand der klassische Einzelhandel vor großen Herausforderungen, die aus dem erstarkenden Onlinehandel resultierten. Der durch Corona hervorgerufene Lockdown wirkte als Katalysator, mit existenzieller Bedrohung für einige Marktteilnehmer. Durch ein zügiges Gegensteuern seitens der Politik wurde zunächst Schlimmeres verhindert. Jetzt ist es an der Zeit, sich gemeinsam mit allen Marktteilnehmern aus Handel, Politik und Wirtschaft Gedanken über die nahe und mittelfristige Zukunft zu machen. Ziel muss es sein, unsere Innenstädte positiv und attraktiv für die potenzielle Kundschaft des Einzelhandels zu entwickeln.“

Interview: Tanja Piepho