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Bauen & Wohnen Erreger müssen draußen bleiben
Mehr Bauen & Wohnen Erreger müssen draußen bleiben
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10:06 25.11.2013
Clevere Anordnung: Die Speisekammer ist mit der Garage und der Küche verbunden.
Clevere Anordnung: Die Speisekammer ist mit der Garage und der Küche verbunden. Quelle: Baufritz
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Hannover

Manchmal entfaltet schon eine kleine Maßnahme große Wirkung: Wer auf Blütenpollen allergisch reagiert, sollte an die Fenster Schutzgitter anbringen. Studien zufolge werden dadurch 90 Prozent aller Pollen am Eindringen in den Wohnbereich gehindert und somit die allergischen Beschwerden deutlich gemindert. Die Pollenschutzgitter lassen sich auf eine beliebige Größe zuschneiden und am Fensterrahmen befestigen, erläutert der Verein Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) in einer Broschüre.

Doch vor allem für Allergiker mit chronischen Unverträglichkeiten, die besonders stark und auf verschiedene Allergene reagieren, muss ein weitaus größerer Aufwand betrieben werden, um ihnen das Leben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Das fängt bei der Wahl der Baustoffe an und reicht über die Entscheidung für die Haustechnik bis hin zum allergiefreundlichen Zuschnitt der Räume.

„Grundsätzlich sollte der Einsatz von chemisch behandelten Baumaterialien vermieden werden“, sagt DHA-Geschäftsführer Ehrhard Hackler. Für Innenräume empfiehlt er deshalb Naturfarben oder schadstoffarme Anstriche sowie Wachse und Öle für die Böden. Papier- und Raufasertapeten enthielten vergleichsweise wenige Kunststoffe, Konservierungsmittel und Kunstharzkleber. Wolfgang Plehn, Experte für stoffbezogene Produktfragen beim Umweltbundesamt (UBA) in Dessau, rät zu Farben auf alkalischer Basis, weil sich im Wasser von Dispersionsfarben Mikroorganismen vermehren können. Und die Zeitschrift „Ökotest“ empfiehlt Silikat- und Kalkfarben, die aber weniger wischfest sind und eine geringere Deckkraft besitzen.

Allergiker sollten möglichst nicht selber renovieren, warnt Plehn. Denn während der Verarbeitung der Baustoffe seien sie einer besonders hohen Belastung ausgesetzt. Und Hackler rät, alle neu gekauften Baumaterialien zunächst zwei bis vier Wochen auslüften zu lassen. Dies gelte auch für Möbel. Zwar seien vor allem im Baumharz von Kiefern viele allergieauslösende Terpene enthalten, Massivholz sei aber grundsätzlich für Allergiker gut geeignet, erklärt Josef Spritzendorfer, Geschäftsführer der Sentinel-Haus Stiftung.

„Mit Holzbau kann man eine ganze Menge machen“, ergänzt Julia Albrecht von der Firma Baufritz im süddeutschen Erkheim, die sich auf ökologisches Bauen insbesondere für Allergiker spezialisiert hat. Jedes Haus werde individuell mit Architekten geplant, zum Einsatz kämen nur Baustoffe, die in einer hauseigenen Prüfkammer getestet wurden und strengen baubiologischen Kriterien entsprächen, erklärt Albrecht. So verbaut die Firma als einzige in Deutschland eine Dämmung, die aus Hobelspänen und Molke besteht. Auch ein Elektrosmog-schutz für die Wände ist im Angebot.

Das Unternehmen empfiehlt zudem architektonische Lösungen: Türen, die schnell und automatisch schließen, unterbinden den Eintritt von Staub und Pollen ins Gebäude. Durch die Druckluft einer „Pollendusche“ werden Kleidung und Haar gereinigt. Sinnvoll ist im Eingangsbereich außerdem ein Windfang, an den zusätzlich ein kleiner Waschraum angeschlossen werden kann. Ist die Speisekammer von innen und von außen - etwa durch die Garage - zugänglich, können Einkäufe eingelagert werden, ohne dass das Haus zuvor betreten werden muss.

Im Gebäudeinneren können die verschiedenen Wohnbereiche beispielsweise durch staub- und pollendichte Treppen voneinander abgeschottet werden. Wird das Schlafzimmer durch eine separate Ankleide betreten, gelangt die Tageskleidung nicht in den Schlafbereich. Wer sich eine Sauna einbauen lässt, kann darin gelegentlich Matratzen, Kopfkissen, Bettdecken und Kuscheltiere auf über 60 Grad erhitzen und auf diese Weise Organismen wie Milben abtöten.

Wäscheabwurfschächte, die zum Beispiel in den Waschkeller führen, verhindern, dass Kleidung, an denen Allergene haften, durchs Haus getragen wird. Weil Allergiker ihr Zuhause besonders gründlich und häufig reinigen müssen, sind Möbel mit Luftkissen nützlich, weil diese sich vergleichsweise leicht verschieben lassen. Sinnvoll sei es unter Umständen auch, zwischen einzelnen Bodendielen größere Fugen zu lassen, weil sich dort Raubmilben, die natürlichen Feinde der Hausstaubmilben, ansiedeln, erläutert Albrecht.

In modernen Effizienzhäusern seien Lüftungsanlagen inzwischen Standard, heißt es auf der Website bautipps.de. Werden spezielle Mikro- oder Aktivkohlefilter eingebaut, gelange die Zuluft keim- und pollenfrei ins Haus. Alle Luftkanäle sollten jedoch regelmäßig gewartet und gereinigt werden. Für Allergiker werden Flächenheizungen etwa im Fußboden empfohlen, weil diese die Luft vergleichsweise wenig in Bewegung bringen und somit kaum Staub aufwirbeln.

Serie: Mit der Allergie unter einem Dach

Serie: Mit der Allergie unter einem Dach

Teil 1: Auslöser und Auswege

Teil 2: Kein Zutritt für Allergene!

Teil 3: Tipps für den Alltag

Sebastian Hoff