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Bauen & Wohnen Baukontrolle lohnt sich
Mehr Bauen & Wohnen Baukontrolle lohnt sich
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00:22 21.07.2012
Alle Bauabschnitte sollten regelmäßig überprüft werden. Quelle: Sculpies/Fotolia.com
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Hannover

Häuser sind eine Sache für Generationen. Bei Bau- und Unterhaltskostenvergleichen wird mit Zeitspannen von 80 bis 100 Jahren gerechnet - was für die gute Arbeit der Handwerker spricht. Allerdings finden Experten, wenn sie zur Baukontrolle herangezogen werden, 18 Fehler bei einem durchschnittlichen Neubau. Rechtzeitig entdeckt, kostet die Beseitigung wenige Tausend Euro, die dann zulasten der Betriebe gehen. Treten die Mängel dagegen erst in Erscheinung, wenn alles fertig ist, kann die Nachbesserung auch Zehntausende Euro kosten. Nach Ablauf der Gewährleistungsfristen zahlen diese Kosten dann die Bauherren, die angesichts der Baufinanzierung nicht immer die nötigen Reserven haben. Vergleichsweise preiswert ist dagegen eine unabhängige Bauüberwachung. Etwa 2000 Euro für fünf Baustellenbesuche nach allen wichtigen Bauabschnitten geben den Bauherren Sicherheit, dass alles so geschieht, wie es geplant wurde.

„Früher suchte sich der Bauherr zuerst einen Architekten. Der vergab die Aufträge, kontrollierte den Bau und agierte vor Ort im Interesse des Bauherrn“, erläutert Kai Warnecke, stellvertretender Generalsekretär des Eigentümerverbandes Haus & Grund in Berlin. Das kann dieser immer noch erledigen - nur: „Heute laufen weniger als fünf Prozent aller Bauvorhaben nach diesem alten Muster ab.“

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Stattdessen übergibt der Bauherr den gesamten Bau in den meisten Fällen einem Bauträger oder einem Generalunternehmer. Dieser beauftragt den Architekten - und der ist damit kein unabhängiger Kontrolleur mehr. Zusätzlich kann der Bauherr aber einen externen Experten hinzuziehen. „Im Prinzip kommt dafür jeder Architekt infrage, der im Einfamilienhausbau viel Erfahrung hat“, sagt Warnecke.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe größerer Anbieter von Baukontrollleistungen. Das Spektrum reicht von Vereinen wie dem Verband Privater Bauherren (VPB) und dem Bauherren-Schutzbund (BSB) über gewerbliche Organisationen wie TÜV und Dekra bis zu den Bauberatungen der Verbraucherzentralen. Grundlage der Zusammenarbeit von Bauherren und Baubegleiter ist ein Beratungsvertrag. „Es gibt sehr unterschiedliche Vertragsformen“, sagt Kai Warnecke von Haus und Grund. Häufig werde ein Pauschalvertrag geschlossen. Dieser muss alle gewünschten Leistungen genau beschreiben - auch die Anzahl und Termine von Besuchen der Baustelle, alle durchzuführenden Maßnahmen und die eingesetzte Technik. In der Vergütungsregelung werden Nebenkosten und Zahlungsmodalitäten berücksichtigt. Denkbar ist auch ein Vertrag auf der Basis von Stundensätzen.

Der Bauherren-Schutzbund hat zusammen mit dem Institut für Bauforschung 800 Baukontrollen bei 100 Neubauten ausgewertet: 1829 Mängel wurden dabei dokumentiert. Die Spannweite der gefundenen Mängel reicht von Dachkonstruktionen, die von der berechneten Statik abweichen, bis zur Schimmelbildung durch fehlerhafte Wärmedämmungen. Ganz vorn in der Statistik liegen Mängel am Rohbau und bei den Anschlüssen verschiedener Bauteile. Der Forschungsbericht steht auch im Internet: www.bsb-ev.de

Von Ralf C. Kohlrausch