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Bauen & Wohnen Baukunst soll bewusst erlebt werden
Mehr Bauen & Wohnen Baukunst soll bewusst erlebt werden
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10:08 24.06.2013
Foto: Das diesjährige Motto des Tages der Architektur lautet „Architektur leben!“. Neben besonders ausgefallenen Häusern wie diesem, werden auch „normalere“ Einfamilienhäuser gezeigt.
Das diesjährige Motto des Tages der Architektur lautet „Architektur leben!“. Neben besonders ausgefallenen Häusern wie diesem, werden auch „normalere“ Einfamilienhäuser gezeigt. Quelle: Matthias Hiekel
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Hannover

Herr Trommer, warum gibt es den Tag der Architektur?

Trommer: Wir sind quasi 24 Stunden am Tag von Architektur umgeben, nehmen sie aber zumeist gar nicht wahr. Wir Architekten möchten deshalb mit dem Tag der Architektur Menschen helfen, sehen zu lernen, das heißt, Architektur und Stadtgestalt bewusst zu erleben. Denn wer seine Umgebung gut kennt, engagiert sich auch dafür und stellt höhere Ansprüche an Baukultur. Dafür sollte Architektur den Expertendiskurs verlassen und von einer breiten Bevölkerung diskutiert werden.

Wird dieses Jahr beim Tag der Architektur ein Schwerpunkt gesetzt?

Trommer: Das diesjährige Motto lautet „Architektur leben!“. Die Frage nach der Anpassung von Wohnraum an die verschiedenen Lebensphasen seiner Bewohner ist insbesondere unter dem Aspekt des demografischen Wandels von zentraler Bedeutung. Daher wird es unter anderem um barrierefreies Wohnen gehen. Die alternde Gesellschaft sollte sich aber nicht nur mit sich selbst beschäftigen. Wir brauchen keine Städte für die Generation 60 plus; auch für junge und nachfolgende Generationen müssen Städte altersgerecht und attraktiv sein. Kurze Wege zwischen Wohnen, Arbeiten und öffentlichen Einrichtungen sind beispielsweise für alle Generationen ein Segen.

Welche großen Architekturtrends waren im Laufe der vergangenen Jahre zu erkennen?

Trommer: Ich glaube, wir befinden uns in einer Zeit epochaler Umbrüche. Vor allem Klima- und Energiefragen spielen eine immer größere Rolle. So kann es sinnvoll sein, in bestimmten Quartieren nicht die Fassaden zu dämmen, sondern besser industrielle Abwärme zu nutzen. Ein weiterer Trend ist der Rückzug aus den ländlichen Regionen in die Städte: Einerseits muss Wohnraum in Ballungsgebieten geschaffen werden, etwa indem nicht mehr benötigtes Gelände wie Industrie- oder Bahnanlagen genutzt, extensiv bebaute Quartiere nachverdichtet oder Baulücken geschlossen werden. Andererseits müssen wir dazu beitragen, auch in Kleinstädten und Dörfern die Lebensqualität, ja sogar die Überlebensmöglichkeit zu sichern.

Stadt und Land stehen also in Konkurrenz zueinander - gilt das auch für die Städte untereinander?

Trommer: Vor allem jüngere Menschen werden zunehmend zu Weltbürgern, sie ziehen dahin, wo sie Arbeit und ein interessantes Lebensumfeld finden. Die Stadtqualität spielt eine große Rolle bei der Wahl des Wohnortes. Und diese hängt ganz wesentlich mit der Attraktivität der Architektur zusammen.

Heißt das, auf dem Tag der Architektur werden vornehmlich Leuchtturmprojekte und exklusive Architektur gezeigt?

Trommer: Nein, es geht vielmehr um das Alltägliche, das in einen Rahmen passt, den sich der Durchschnittsbürger leisten kann. Viele der ausgewählten Projekte besitzen Vorbildcharakter, tragen den Wünschen und Bedürfnissen der Besucher Rechnung. So werden unserer Erfahrung nach Einfamilienhäuser besonders häufig besucht. Aber auch kulturelle Bildungsbauten wie Museen, Schulen und Kitas bilden einen Schwerpunkt.

Wie wurden die Projekte ausgewählt? Mussten die Bewohner überredet werden, ihre Privaträume öffentlich zu machen?

Trommer: Die Auswahl treffen die Länderkammern unterschiedlich: In der Regel entscheidet eine Jury über die Einreichungen der Architekten. Die Auswahl ist dabei sicherlich auch vom Zeitgeist geprägt. Die meisten Menschen sind unserer Erfahrung nach stolz, wenn ihr Haus oder ihr Projekt ausgewählt wurde, und zeigen es gerne der Öffentlichkeit.

Werden Sie selbst den Tag der Architektur besuchen?

Trommer: Ich werde mir sicherlich einige Projekte in meiner Stadt Bonn und der Umgebung anschauen. Für mich gibt es im Jahr aber viele Tage der Architektur - besonders, wenn ich unterwegs bin. Ich kann nur jedem empfehlen, sich Städte bewusst anzuschauen und auch auf Details zu achten. Das ist wie bei einem Foto: Je mehr Pixel es hat, desto schärfer ist das Bild.

18. Tag der Architektur

Am Sonntag, dem 30. Juni, laden die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen zum 18. Tag der Architektur. 112 Objekte von Architekten, Stadtplanern, Innen- und Landschaftsarchitekten sind zu sehen. In 57 Orten haben ausgewählte Projekte - Wohnhäuser, Schulen, Gewerbebauten, Gärten und Parks - zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Das Programm gibt es unter www.aknds.de.

Sebastian Hoff