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Bauen & Wohnen Beim Umbau ist ganzheitliches Denken gefragt
Mehr Bauen & Wohnen Beim Umbau ist ganzheitliches Denken gefragt
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00:24 29.12.2012
Wie wird sich die neue Wohnsituation anfühlen? Zur Beratung gehören auch Materialproben. Quelle: iStockphoto.com – Izabela Habur/Miodrag Gajic
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Hannover

Gründe, sich in seinem Zuhause verändern zu wollen, gibt es viele: Mal sind die Kinder ausgezogen, und Räume können anders genutzt werden. Oder es kündigt sich Nachwuchs an, und Zimmer müssen getauscht werden. Dann wieder steht eine gründliche Renovierung an. Oder man hat einfach mal sprichwörtlich Lust auf einen Tapetenwechsel.

Vor allem bei weitreichenden Umgestaltungen oder bei kniffligen Problemen wie der sinnvollen Nutzung von Dachschrägen kann die Hilfe von Profis nötig werden. Deshalb wenden sich viele Kunden an Einrichtungsberater, die in Wohnstudios und großen Möbelhäusern oder als Selbstständige arbeiten. „Zu mir kommen vor allem Leute, die unzufrieden sind mit ihren Räumen, aber nicht wissen, was sie ändern sollen“, erzählt die freiberufliche Einrichtungsberaterin Janin Pröpper in Hannover. Ihre Beratungsleistungen reichen von Tipps für Dekorationen bis hin zur Veränderung von Grundrissen.

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Zu Beginn einer Beratung stattet sie in der Regel ihren Kunden einen Hausbesuch ab, der 75 Euro kostet. „Ich muss wissen, wie es dort aussieht, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse sind. Sonst kann es passieren, dass ich ganz andere Vorstellungen im Kopf habe als der Kunde, auch wenn wir über das Gleiche reden.“ Ihre Entwürfe und Vorschläge sollen zum Stil des Auftraggebers passen. Damit es später keine Enttäuschungen gebe, sei es wichtig, möglichst viele Ideen in Plänen und Skizzen zu visualisieren, erläutert Pröpper.

Dieses Wecken von Vorstellungen bezeichnet auch Michael Wilde von der Fachschule des Möbelhandels in Köln als einen essenziellen Teil der Beratung. Er spricht davon, dass dem Kunden ein deutlicher „Mehrwert“ geboten werden müsse im Vergleich zum normalen Verkaufsgespräch: „Man darf nicht nur ein Sofa verkaufen wollen, sondern muss die Wohnsituation als Gesamtes betrachten.“ Schließlich wollten viele Kunden ganzheitlich beraten werden. Dann sei es erforderlich, nicht nur über die neue Polstergarnitur zu sprechen, sondern auch gleich über passende Gardinen und einen geeigneten Bodenbelag, sagt Wilde. Ein guter Berater höre daher dem Kunden zunächst einmal aufmerksam zu und entlocke ihm möglichst viele Informationen.

Viele Verkäufer in Möbelhäusern sind zwar in ihrem Fachgebiet gut qualifiziert, ganzheitliche Beratung bieten aber nur speziell ausgebildete Mitarbeiter. Bei Möbel Hesse in Garbsen etwa arbeiten diese im Ambiente-Bereich. „Hierhin kommen vor allem Kunden, die bereit sind, etwas zu investieren“, sagt der Marketingverantwortliche Björn Pippig. Die meisten seien bereits gut informiert und hätten konkrete Vorstellungen. Bei anderen müsse der Einrichtungsberater „herauskitzeln“, was sie genau wollten.

Sind die Vorstellungen der Kunden mit dem vorhandenen Sortiment allein nicht zu erfüllen, werden diese an die „Werkart“ im Einrichtungszentrum weitergeleitet: Auf knapp 2000 Quadratmetern präsentieren sich dort verschiedene Handwerker und Geschäfte, die individuelle Lösungen wie eigens angefertigte Möbel bieten. Innenarchitekten beraten die Kunden ausführlich und umfassend. „Das erste Gespräch findet in der Regel in der ‚Werkart‘ statt“, sagt Beraterin Andrea Meyer. Dann folge möglichst ein Hausbesuch, um dort Aufmaße vorzunehmen und Details zu klären. Die Ideen werden anschließend mithilfe von Zeichnungen und Materialproben konkretisiert.

In einem anderen Preissegment bewegen sich die Kunden von Ikea. Das schwedische Möbelhaus bietet daher keine Einrichtungsberatung an. „Wir präsentieren Lösungen in unseren Interieurs“, sagt Sprecherin Annette Wolfstein. Auch auf der Website fänden sich Vorschläge für Einrichtungen. In der „hej community“ von Ikea Family im Internet tauschen sich Kunden aus und zeigen sich untereinander Fotos von ihrem Zuhause. Eine Online-Wohnberatung durch eine Innenarchitektin sei jedoch vor Kurzem eingestellt worden, sagt Wolfstein.

Sebastian Hoff