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00:05 25.02.2012
Ist der Lärm vom Nachbarn nur noch mit Kopfhörern zu ertragen, sollte der Vermieter infor- miert werden. Hört der Lärm nicht auf, kann man die Miete mindern.Foto: Remmers

„Zu Hause will man seine Ruhe haben“, sagt Jörn-Peter Jürgens vom Interessenverband Mieterschutz in Hannover. Bekommen Mieter diese Ruhe nicht, können sie die Miete mindern. Dabei kommt es aber immer auf den Einzelfall an. Ein Überblick:

Laute Nachbarn

Fernseher, Waschmaschinen oder Instrumente können für Nachbarn zu einem Problem werden, wenn sie zu laut sind. „Gesetzlich festgelegte Ruhezeiten gibt es zwar nicht“, erklärt Mieterschützer Jürgens. „Aber entsprechende Regeln sind in der Hausordnung festgelegt.“ Und daran muss sich jeder Mieter halten. Bei Kindern müssen Nachbarn generell mehr Lärm in Kauf nehmen. Je kleiner die Kinder, desto lauter dürfen sie sein. „Die Gerichte erwarten da eine große Toleranz beim Mieter“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Wenn der Lärm aber eine unzumutbare Beeinträchtigung darstellt, die den Wert der Wohnung senkt, darf der Mieter die Miete mindern.

Hellhörige Wohnung

Nicht immer sind die Nachbarn schuld. Manchmal ist auch die Wohnung hellhörig. Wie laut es dabei werden darf, hängt vom Baujahr des Hauses ab. Wer in einen Neubau zieht, darf eine gute Schalldämmung erwarten, in einer Gründerhausvilla wäre das nicht angemessen. „Normale Trittgeräusche sind kein Mangel“, erklärt Claus O. Deese, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes in Recklinghausen. „Nur wenn ein Laminat unfachmännisch verlegt wurde, ist es ein Mangel, ansonsten eine normale Eigenschaft des Bodens.“ Anders verhält es sich, wenn die Wohnung erst während des Mietverhältnisses hellhörig geworden ist, etwa durch einen Umbau. Dann hat sich laut Deese der Wohnwert verringert, der Mieter dürfe mindern.

Lärm von draußen

Lärm von der Straße müssen Mieter in der Regel ertragen. Allerdings nur, wenn es schon bei ihrem Einzug laut war. Wird nach dem Einzug vor dem Schlafzimmerfenster gebaut, senkt das den Wert der Wohnung, und entsprechend kann die Miete reduziert werden. „In Frankfurt klagte ein Mieter wegen Baustellenlärms“, berichtet Deese. „Gegenüber seiner Wohnung wird die neue Europäische Zentralbank gebaut. Eine riesige Baustelle. Der Mieter konnte die Miete dennoch nicht mindern, denn er war in die Wohnung eingezogen, als die Baustelle schon bestand.“ Wenn der Mieter den Mangel kennt, könne er die Miete nicht mindern, erklärt Ropertz.

Mietminderung durchsetzen

Bevor Mieter wegen einer andauernden Lärmbelastung einen Teil der Miete einbehalten, müssen sie zunächst ihren Vermieter informieren. Die Mängelanzeige sollte schriftlich erfolgen, „weil das beweisbar ist“, sagt Mieterschützer Deese. Am besten werde der Brief mit einem Boten oder als Einwurfeinschreiben verschickt. Falls keine Reaktion auf das Schreiben kommt, sollten Mieter nachhaken.

Neben der Mängelanzeige ist ein Lärmprotokoll hilfreich. „Darin sollte aufgelistet sein, was den Lärm verursacht, an welchen Tagen und um welche Zeit. Das Ganze am besten von neutralen Zeugen bestätigt“, sagt Ropertz: „Ab dem Moment, wo der Vermieter von dem Mangel weiß, kann man die Miete kürzen“, sagt Ropertz. „Und zwar in der Höhe, in der der Wohnwert beeinträchtigt ist.“ Wie hoch das sei, sollte mit einem Experten abgeklärt werden.

Lärm kann nur dann als Mangel anerkannt werden, wenn er erst nach dem Einzug auftritt. Interessenten sollten sich eine Wohnung daher vor der Unterschrift unter den Mietvertrag auf jeden Fall mehrmals und zu unterschiedlichen Zeiten ansehen, empfiehlt Claus O. Deese vom Mieterschutzbund. „Besichtigen Sie die Wohnung auch mal, wenn Leben im Haus ist.“ Dann bleiben böse Überraschungen erspart.

Von Beate Kaufmann/dpa

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