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Bauen & Wohnen Das Geld zum Fenster rausgeworfen?
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00:45 27.08.2011
Wenn möglich, sollten bei energetischen Sanierungen die neuen Fenster vor der Fassadendämmung eingebaut werden, damit sie wärmebrückenfrei in die Dämmung eingebunden werden können.Foto: Stephan Pietzko/Fotolia.com
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Mit jeder Generation neuer Fenster wurde der Wärmeverlust etwa halbiert. Einfachverglasungen haben einen Verlust von etwa 43 Litern Heizöl pro Quadratmeter Fensterfläche, unbeschichtete Isolierfenster kommen auf etwa 22 Liter, beschichtete Wärmedämmfenster verbesserten den Wert auf etwa neun Liter, und dreifachverglaste Wärmedämmfenster kommen unter sechs Liter. Diese Zahlen nennt das Hessische Umweltministerium in der neuesten Ausgabe der „Energiesparinformationen“. Da liegt die Frage nahe: Kann man mit neuen Fenstern so viel Energie sparen, dass die Modernisierungskosten ausgeglichen werden? Ja, neue Fenster amortisieren sich binnen weniger Jahre, sagt das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg. Wer mit einem typischen Einfamilienhaus mit 30 Quadratmetern Fensterfläche von Einscheiben- auf Dreischeibenglas umsteigt, hat die Kosten binnen sechs Jahren wieder drin und spart danach jährlich 1500 Euro. Wer von unbeschichteten Zweischeiben-Isoliergläsern auf moderne Dreischeibengläser umrüstet, ist immerhin nach 15 Jahren finanziell auf der Gewinnerseite und spart fortan jährlich knapp 600 Euro.

Der Bundesverband Flachglas rechnet mit einer Amortisationszeit von etwa acht Jahren für neue Kunststofffenster und geht dabei von aktuellen Energiepreisen aus. Berücksichtigt werden auch Inflation und die Verzinsung des Anschaffungskredites, nicht jedoch Ausbau und Entsorgung der alten Fenster. Ganz anderer Ansicht ist die Stiftung Warentest, die in der Zeitschrift „Finanztest“ vor vier Jahren darstellte, dass eine Investition von 10 500 Euro eine jährliche Ersparnis von 81 Euro zur Folge habe. Warentest nannte den Fenstertausch deshalb „die mit Abstand unrentabelste Maßnahme“.

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Bauingenieurin Birte Krieg von der Transferstelle für Rationelle und Regenerative Energienutzung der Fachhochschule Bingen (TSB) sieht das ähnlich. Finanziell amortisieren könne sich allenfalls der Umstieg von Glasbausteinen oder Einfachverglasung auf moderne Wärmedämmfenster. In diesen Fällen sei mit Zeiträumen von etwa 15 Jahren zu rechnen. Wer aber schon Doppel-, Kasten- oder ältere Isolierfenster habe, bekomme die Kosten ihrer Ansicht nach nicht wieder herein. „Bei Häusern gehen wir davon aus, dass man ein Bauteil nach 30 Jahren instand setzen oder erneuern muss. Bis dahin müssten die Kosten also wieder eingespielt sein. Alles, was länger als 30 Jahre dauert, amortisiert sich nicht“, sagt Krieg. Bei Fenstern, an dieser Einschätzung hat sich in den vergangenen Jahren trotz gestiegener Energiekosten nichts geändert, klappt das nicht. Das TSB stellt für Auftraggeber Rentabilitätsberechnungen an und plant energetische Sanierungen.

Dass viele von Verbänden und Instituten veröffentlichte Beispielrechnungen zu anderen Ergebnissen kommen, erklärt Krieg so: „Die Energieeinsparung ist politisch gewollt, da muss man etwas tun, damit es für die Bürger interessant aussieht.“ Es gebe aber noch andere Aspekte als die finanziellen, betont Krieg. In einer kompletten energetischen Sanierung sei auch der Austausch der Fenster sinnvoll. Nicht, um noch mehr Geld zu sparen, sondern um Wärmebrücken zu vermeiden und Schimmelbildung zu verhindern. Aus diesem Grund sei es auch sinnvoll, erst die Fenster zu erneuern und danach erst die Fassade zu dämmen, weil dann die Rahmen wärmebrückenfrei überdämmt werden könnten.

Auch Uwe Raub aus Süderbrarup, stellvertretender Obermeister der Glaser- innung Schleswig-Holstein, ist skeptisch, was allzu optimistische Rentabilitätsberechnungen angeht. „Vielleicht passt das bei Einfachverglasung, aber wo gibt es die heute noch“, sagt der Fachmann und bestätigt, dass auch Verputz-, Maler- und Tapetenarbeiten in die Gesamtkalkulation gehören. Raub hat aber auch einen Tipp, die Bilanz freundlicher zu gestalten: „Wo schon Isolierfenster vorhanden waren, lassen sich meistens die Rahmen erhalten, und es genügt, die Gläser zu tauschen.“ Mit etwas größerem Glasabstand können ebenfalls U-Werte von 1,0 erreicht werden. Die größere Dicke werde ausgeglichen, indem die Halteleisten gekürzt würden. „Das kostet weniger als die Hälfte von neuen Fenstern.“

Von Ralf C. Kohlrausch

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