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Bauen & Wohnen Die Junggesellenbude wird schick
Mehr Bauen & Wohnen Die Junggesellenbude wird schick
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00:21 06.06.2009
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Der Mann von heute achtet nicht nur auf sein äußeres Erscheinungsbild. Auch in den eigenen vier Wänden legt er immer mehr Wert auf Design und Stil. Die Tage typisch chaotischer Junggesellenbuden scheinen damit gezählt zu sein. Immer mehr Männer interessieren sich heutzutage zunehmend für Mode, Design und generell schöne Gegenstände, warum also nicht auch für Möbel?

Dem neuen Bewusstsein für die eigene Wohnung ist das Interesse für eine schicke Inneneinrichtung gefolgt – die beeindruckt nicht nur die Freundinnen, sondern auch die Fußballkumpels. So finden sich immer öfter überdimensionale Flachbildfernsehgeräte, die Funktionalität und Design perfekt miteinander vereinen. Denn neben der Optik zählen in erster Linie die funktionellen und praktischen Aspekte beim Thema Wohnen.
Die Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, Ursula Geismann, freut sich, dass mittlerweile immer mehr Männer selbst Möbel einkaufen. Zum einen liegt dies nach Beobachtungen des Verbandes an der steigenden Anzahl von Singlehaushalten, zum anderen aber auch an dem Wandel im Rollenverständnis: Der Mann von heute hat Interesse an einem schönen Zuhause. Dabei sind ihm abgesehen von Funktionalität hochwertige Verarbeitung und kleine technische Finessen bei Möbeln besonders wichtig.

Eine Frage der Herkunft

Darüber hinaus spielt der Designer und Hersteller eines Möbelstücks eine wichtige Rolle. „So wie bei Werkzeug, Autos oder Motorrädern, Kleidung und Uhren bevorzugen Männer auch bei Möbeln die bestimmte Marke“, weiß Geismann. Denn sie gelten längst als Status- und Repräsentationssymbol, daher dürfen typische Männermöbel wie die Schreibtischlampe, der Bürostuhl und natürlich der Sessel teuer und exklusiv sein: Man(n) will zeigen, was er hat. Beliebte Sammelobjekte sind beispielsweise der „Barcelona Sessel“ von Ludwig Mies van der Rohe oder der „Lounge Chair“ der Designer Charles und Ray Eames.

Doch nicht jeder Mann ist auch zum Einrichtungsexperten geboren. Zwei Extreme findet man in der Männerwelt häufig: Die eine Sünde ist, wenn Männer ihre Wohnung immer noch so eingerichtet haben wie in ihren Studenten- oder Junggesellenzeiten. Während sich der Beruf, die Kleidung und das Auto verändert haben, fand in der Wohnung keine Entwicklung statt. Man(n) vermittelt dadurch eine gewisse Unreife. Ebenso wenig überzeugend sind andererseits komplett durchgestylte Designerwohnungen. Weil hier alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und die Wohnung wie aus einem Guss wirkt, fehlt oftdas Individuelle. Die Wohnung hat keinen Charakter, der die Persönlichkeit des Besitzers widerspiegelt.

Allgemein erkennt man beim Wohnen laut Geismann einen Trend nach Sicherheit und Geborgenheit. „Homing“ nennt sich dieses aktuelle Phänomen, das nach Meinung der VDM-Sprecherin seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat und immer mehr Männer betrifft. Gemütlichkeit fängt für den Mann meist bei der entsprechenden Medialisierung des Wohnzimmers an. Ein großes Mediaregal mit vielen CDs, DVDs und Schallplatten, das Freunden und Bekannten stolz präsentiert wird, sowie die neueste Heimkinoanlage mit DVD-Player, Flachbildschirm und imposantem Lautsprechersystem dürfen in einem typischen Männerwohnzimmer nicht fehlen.

Accessoires sind Nebensache

Doch nicht nur im Wohnzimmer hat sich einiges getan: Was früher für den Mann der Hobbykeller war, in dem gewerkelt und renoviert wurde, ist heute die Küche. Männer interessieren sich zunehmend für die Küchenausstattung. Zum einen liegt das an dem neuen Gesellschaftstrend, für Gäste oder für sich selbst kreativ zu kochen. Zum anderen verbinden Küchenmöbel die Faszination der Männer für Technik mit beeindruckendem Design. Der Mann kann in der Küche viel ausprobieren, jeder Gegenstand hat einen praktischen Nutzen, und eine tolle Küche beeindruckt die Gäste: Küchen sind sehr männlich.

Weniger männlich sind dagegen Accessoires wie Kerzen, Pflanzen oder Bilder. Dies ist nach wie vor eher Sache der Frauen. Deshalb sind Männerwohnungen tendenziell eher nüchtern eingerichtet. An moderner Kunst, Halogenleuchten, Unterhaltungselektronik oder Tischen und Stühlen wird deshalb selten gespart. An professioneller Beratung beim Einrichten dagegen noch immer. Eine echte Marktlücke, denn immerhin interessieren sich heute laut VDM bereits sieben von zehn Männern für Wohnen und Einrichten. So groß war das Interesse der Männer an diesem Bereich noch nie.

tdx