Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Bauen & Wohnen Die Richtige Lagerung für Weine
Mehr Bauen & Wohnen Die Richtige Lagerung für Weine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 19.01.2013
Wein und Sekt lagern am besten möglichst dunkel, bei stabilen Temperaturen um zehn Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Quelle: Neuschwander GmbH
Anzeige
Brackenheim

Einen guten Wein wissen Freunde, Kollegen und Familie gleichermaßen zu schätzen. Wer einen kleinen Vorrat zu Hause hat, ist immer gut vorbereitet. Doch mit ein paar Flaschenregalen in der Küche ist es nicht getan. Der Rebsaft bewahrt sein Aroma am besten, wenn das Klima im Raum dem eines Winzerkellers möglichst ähnlich ist. Wahre Liebhaber richten deshalb ihr eigenes separates Weinlager ein. Im Idealfall wird dieses beim Bau eines Hauses mitgeplant. Aber auch die nachträgliche Umrüstung im bestehenden Keller ist möglich.

Wein braucht optimales Licht und Belüftung. Diese Bedingungen lassen sich am besten erfüllen, wenn die Flaschen in einem Extrazimmer ihren Platz finden. Eine Fläche von zehn Quadratmetern ist dafür eine gute Richtgröße. „Sie reicht für mehrere Hundert Flaschen aus und man kann sich noch bequem bewegen, sogar mal mit Freunden ein Gläschen verkosten“, sagt Stefanie Neuschwander von der gleichnamigen Spezialbaufirma für Weinkeller aus Brackenheim bei Heilbronn.

Anzeige

Damit die Flaschen möglichst dunkel lagern, ist ein fensterloser Raum ideal. Die Temperatur liegt am besten zwischen zehn und zwölf, maximal bei 15 Grad, empfiehlt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) in Mainz. Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie zwischen Sommer und Winter sollten möglichst gering sein.

Daher braucht das Zimmer eine gute Isolierung zu den Nachbarräumen und an den Außenwänden. „Beim nachträglichen Umbau eines Kellerraumes zu einem Weinkeller verwenden wir Styroporplatten zur Isolierung“, erläutert Bauexpertin Neuschwander. Auch die Tür müsse gut gedämmt und dicht sein, damit Gerüche aus dem Heizungskeller oder der Waschküche draußen bleiben und die Luftfeuchtigkeit drinnen.

Letztere sollte im Weinkeller nämlich deutlich höher liegen als in Wohnräumen. Weinexperte Büscher empfiehlt als Richtwert mindestens 50 bis 60 Prozent. Ein Hygrometer zeigt dieses an. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit trockne der Korken aus und ziehe sich zusammen. Dann gelange mehr Sauerstoff in die Flasche und beschleunige die Reifung des Weines. In Altbaukellern ist die Luftfeuchtigkeit meist kein Problem. „Beim Neubau wird ein gutes Weinklima geschaffen, indem man den Boden in diesem Bereich offen lässt und mit Kies ausfüllt“, erläutert Büscher.

Denn gerade die im Neubau üblichen Betonböden und -wände sind ein Problem: Dieser Werkstoff entzieht Feuchtigkeit. Ausstatterin Neuschwander setzt deshalb vor die Wärmedämmung eine zweite Schalung aus Ziegeln oder Tuffsteinen. „Sie funktioniert wie ein natürlicher Feuchtepuffer und speichert gleichzeitig die Temperatur.“

Sind solche baulichen Veränderungen nicht erwünscht oder nicht möglich, ist ein Klimagerät im Keller eine Alternative. Es lässt sich exakt programmieren und garantiert ganzjährig ein konstantes Klima. Allerdings macht sich dieser Komfort in der Stromrechnung deutlich bemerkbar.

Die hohe Luftfeuchtigkeit setzt einfachen Holz- oder Kunststoffregalen auf Dauer erheblich zu. „In Holz genau wie in Kartons kann sich auch ganz schnell der Hausschwamm einnisten. Wenn man den einmal im Keller hat, wird man ihn nicht wieder los“, sagt Neuschwander. Um dem holzzerstörenden Pilz zu entgehen, favorisiert sie Lagersysteme aus Stein, Ton oder hochwertigem Eichenholz.

Der Bau oder Umbau beziehungsweise die Ausstattung eines Weinkellers kann durchaus 15000 Euro oder noch mehr kosten. Das ist der Genuss nicht jedem Weinliebhaber wert. Wein kann man jedoch auch in Wohnräumen aufbewahren: In Weinklimaschränken. Sie sind geeignet, Wein länger zu lagern. Im ganzen Innenraum oder in einzelnen Zonen herrscht eine konstante, digital einstellbare Temperatur. Beim Kauf sollten Weintrinker neben dem Volumen des Innenraums das Energielabel des Gerätes im Blick haben, rät Werner Scholz, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektro-Haushalt-Großgeräte in Frankfurt am Main. Die höchste Energieeffizienzklasse ist A.

Doch angesichts von gut vierstelligen Kaufpreisen lohnt sich selbst die Anschaffung eines Weinklimagerätes für Gelegenheitsgenießer kaum. Einzelne Flaschen können kurze Zeit durchaus in Wohnräumen lagern, ohne dass das Getränk an Qualität einbüße, sagt Weinexperte Büscher. Dabei sollte die Temperatur unbedingt konstant und so niedrig wie möglich sein. „Eine praktische, wenn auch unkonventionelle Lagerstätte ist zum Beispiel der Stauraum unter dem Bett.“

Eva Neumann