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Bauen & Wohnen Dünne Wände lassen Nachbarn mithören
Mehr Bauen & Wohnen Dünne Wände lassen Nachbarn mithören
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09:31 09.12.2010
Wichtig: Schallschutz sollte beim Neubau gleich vertraglich festgelegt werden. Quelle: Wienerberger
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Zimmerlautstärke – eine gesetzliche Vorgabe mit präzisen Dezibelwerten gibt es dafür nicht. Das Hamburger Landgericht hat den Begriff so definiert: Musik, die deutlich hörbar über das eigene Zimmer hinaus in die Nachbarwohnung schallt, sei vom Begriff Zimmerlautstärke nicht mehr gedeckt. Es sei aber auch nicht nötig, „dass sich die Vernehmbarkeit der Musik auf den Raum des Wiedergabegerätes beschränkt und keine Geräusche zum Nachbarn dringen. Denn eine Lautstärke, die ein befriedigendes Hörergebnis gestattet, muss dem Mieter einer Wohnung möglich sein. Erst wenn die Lautstärke über das hinausgeht, was unter Einbeziehung der baulichen Verhältnisse nicht mehr als normales Wohngeräusch in die Nachbarwohnung dringt, wird das Maß der Zimmerlautstärke überschritten.“ Dabei könne weder der eine Musikgenuss wie im Konzertsaal erwarten, noch der andere perfekte Ruhe. (Landgericht Hamburg, Az.: 317 T 48/95).

Viele Empfehlungen

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Auch bei der Frage, wie Wände beschaffen sein müssen, damit die Anforderungen an den Schallschutz erfüllt werden, haben erst Richter die seit Jahren bestehenden Lücken im Gesetz geschlossen. Dabei wurde nicht die Bauweise, aber das notwendige Ergebnis definiert. Die viel zitierte DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ regelt nur die Anforderungen aus öffentlich-rechtlicher Sicht, das heißt, die Bewohner sollen keine Gesundheitsschäden erleiden. Komfortfragen spielen erst im Beiblatt 2, „Empfehlungen für einen erhöhten Schallschutz“ eine Rolle.

Der Bundesgerichtshof hat klar gestellt, dass die DIN 4109 nicht mehr das Maß der Dinge ist. „Bei gleichwertigen, nach den anerkannten Regeln der Technik möglichen Bauweisen darf der Besteller angesichts der hohen Bedeutung des Schallschutzes im modernen Haus- und Wohnungsbau erwarten, dass der Unternehmer jedenfalls dann diejenige Bauweise wählt, die den besseren Schallschutz erbringt, wenn dies ohne nennenswerten Mehraufwand möglich ist“, heißt es in einem Urteil zum Schallschutz zwischen Doppelhäusern. (Az.: VII ZR 45/06). Anhaltspunkte können die Schallschutzstufen II und III der VDI-Richtlinie 4100 von 1994 oder das Beiblatt 2 der DIN 4109 liefern. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat ein ähnliches Urteil zum Thema Trittschall gefällt. Hier ging es um einen Wohnhaus-Neubau, der in vier Wohnungen aufgeteilt war. Auch ohne gesonderte Vereinbarung, so die Richter, müssen die Architekten bei einem Haus in gehobener Lage und Ausstattung für eine gehobene Trittschalldämmung zwischen den Wohnungen sorgen. (Az.: VII ZR 104/06).

Nur 13 Prozent aller Bauherren würden am Schallschutz sparen, hat die Informationszentrale Massiv mein Haus e. V. bei einer Umfrage erfahren. Dennoch gab es in der Vergangenheit häufig Streit um dieses Thema. Der Grund: Nur wenige Bauherren und Hauskäufer wissen, dass der Gesetzgeber innerhalb eines Einfamilienhauses keine Schalldämmung fordert. Wie gut die Innenwände und -decken gegen Lärm schützen sollen, müssen Bauherren, Planer und ausführende Firmen daher vertraglich vereinbaren, betont Dr. Reiner Pohl, Geschäftsführer von Massiv mein Haus. Zwischen zwei benachbarten Wohnungen ist Sprache in angehobener Sprechweise zu verstehen, wenn die Dämmung der Wand nur 53 Dezibel beträgt. Bei 56 Dezibel ist die Sprache im Allgemeinen nicht mehr zu verstehen, und bei 59 Dezibel Dämmung ist dieses Ziel zuverlässig erreicht, wenn ein abendlicher Grundgeräuschpegel von 20 Dezibel (das entspricht normaler Ruhe im Zimmer) und normal große Räume angenommen werden. 62 Dezibel Dämmung zwischen zwei Wohnungen sind die Empfehlung von Massiv mein Haus.

Viele Informationen

Der Verband der Kalksandsteinindustrie hat auf seiner Homepage eine Reihe von Broschüren zum kostenlosen Herunterladen bereitgestellt, die sich sehr detailliert mit den Auswirkungen verschiedener Bauweisen auseinandersetzen. Dazu gehören auch Schemazeichnungen der möglichen Wandkonstruktionen und Tabellen mit den sich daraus ergebenen Schalldämmwerten.

Bei einwandfreier Ausführung ohne Schallbrücken ergeben zweischalige Wände aus Kalksandstein (einem besonders schweren Stein) nach Angaben des Verbandes etwa diese Lärmdämmwerte:

  • zweimal 11,5 Zentimeter: 54 Dezibel
  • zweimal 15 Zentimeter: 57 Dezibel
  • zweimal 20 Zentimeter: 60 Dezibel
  • zweimal 24 Zentimeter:62 Dezibel

Bei leichteren Baumaterialien müsste für die gleiche Schallschutzwirkung entsprechend dicker gebaut werden.

Ralf C. Kohlrausch

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