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Bauen & Wohnen Na dann, gute Nacht!
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12:05 09.12.2013
Vorbildliche Schlafhygiene: In einem leeren Raum schläft es sich besser. Quelle: Mikhail Kalakutskiy
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Hannover

Wie man sich bettet, so liegt man, lautet ein deutsches Sprichwort. Diejenigen, die sich nachts unruhig hin- und herwälzen und morgens mit Rückenschmerzen und Verspannungen aufwachen, wissen, was damit gemeint ist. Wie aber soll man sich betten, damit man erholsam schlafen kann? Und wie sollte dafür ein Schlafzimmer eingerichtet sein?

„Man sollte innerlich in den Urlaub gehen“

„Die Wahl der richtigen Matratze ist dafür allein nicht ausschlaggebend“, sagt Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter eines Schlafzentrums im pfälzischen Klingenmünster: „Unsere Vorfahren haben auch auf Bäumen und in Höhlen gut geschlafen.“ Genauso wichtig wie die Wahl der Matratze sei die innere Haltung und die Fähigkeit, abschalten zu können. Im Schlafzimmer sollte man daher eine Atmosphäre schaffen, in der man sich vollkommen entpflichtet fühle. „Man sollte innerlich in den Urlaub gehen“, betont der Experte, der Menschen mit Einschlaf- und Durchschlafproblemen behandelt.

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Unter dem Fachbegriff „Schlafhygiene“ versteht Weeß unter anderem, dass ins Schlafzimmer keine Dinge des Alltags gehören, also zum Beispiel kein Schreibtisch und keine Fachliteratur. Auch technische Geräte wie Computer, Fernseher oder Telefon sollten aus dem Raum verbannt werden: „Viele können beim Fernsehen zwar gut einschlafen, der anschließende Schlaf ist aber nicht erholsam“, sagt Weeß. Vielmehr sollte man sich mit Dingen umgeben, die ein wohliges Gefühl vermitteln, etwa gemütliches Bettzeug und hübsche Gardinen.

Bei der Wahl der Farben bestünden große individuelle Unterschiede, erläutert der Schlafexperte. Im Allgemeinen wirkten jedoch Blautöne beruhigend. Kräftige Farbtöne wie Rot oder knalliges Orange hingegen haben – genauso wie großflächige Mustertapeten – eher eine anregende Wirkung, heißt es auf der Website besserenachtruhe.de. Dort wird empfohlen, die Einrichtung des Schlafzimmers auf das Wichtigste und Nötigste zu beschränken. Der Raum sollte zudem möglichst abgeschieden gelegen sein und nicht als Aufbewahrungsort für Gegenstände dienen, für die sich in der Wohnung ansonsten kein Platz findet.

Einfluss des Feng-Shui

Auch die chinesische Harmonielehre Feng-Shui rät, das Schlafzimmer klar und übersichtlich zu halten. Schränke sollten geschlossen sein und das Bett möglichst mit dem Kopfende an der Wand stehen. In der Formschule des Feng-Shui wird das Kopfende des Bettes als Schildkröte bezeichnet, und die steht für Schutz, Stärkung und Sicherheit. Außerdem wird empfohlen, das Bett nicht zwischen Tür und Fenster zu stellen. Unter Dachschrägen sollte der Blick immer in den offenen Raum gehen, damit kein bedrückendes Gefühl entsteht. Um nicht durch hereinfallendes Licht gestört zu werden, sollte der Raum durch Vorhänge oder Rollos abgedunkelt werden.

Ganz wichtig für einen erholsamen Schlaf ist ein gutes Raumklima: 16 bis 20 Grad Zimmertemperatur hält Weeß für angemessen. Ratsam ist es, vor dem Schlafengehen zu lüften. Da zu trockene Luft schädlich für die Schleimhäute ist, sollte für Feuchtigkeit gesorgt werden: Das geht mit einem Luftbefeuchter, aber auch mit einem feuchten Handtuch über dem Heizkörper oder Grünpflanzen.

Vielfalt der Matratzen

Beim Kauf von Matratzen haben Kunden inzwischen die Qual der Wahl: Neben Federkernmatratzen gibt es Matra-tzen aus Latex oder Kaltschaum. Auch Naturmaterialien oder Gel in Kombination mit Kunststoffen seien auf dem Markt, erläutert Claudia Wieland, Pressereferentin des Fachverbandes Matra-tzen-Industrie in Essen. „Relativ neu im Angebot ist viskoelastischer Schaum aus der Raumfahrtforschung, der auf Wärme reagiert und sich mit der Zeit der Körperhaltung anpasst. Darauf liegt man wie im feuchten Sand.“

Welche Matratze geeignet sei, müsse jeder individuell herausfinden, sagt Wieland. Dafür sei es ratsam, in einem Geschäft Probe zu liegen, viele Läden würden die Matratzen auch zum Probeschlafen nach Hause liefern. Für eine gute Matratze sei in der Regel eine vergleichsweise große Materialmenge nötig. „Bei sehr niedrigen Preisen wäre ich deshalb skeptisch“, meint die Sprecherin. Sie empfiehlt, dass die Unterlage eine doppelte S-Form nachbildet: Wenn der Schläfer auf der Seite liegt, können Hüfte und Schultern tiefer einsinken, sodass die Wirbelsäule gerade bleibt.

Kundenorientierte Beratung beim Matratzenverkauf

Wieland weist darauf hin, dass qualifizierte Fachhändler bei der Beratung unter anderem Körpergröße und -gewicht, Schlafgewohnheiten und körperliche Beschwerden berücksichtigen und den Kunden unterschiedliche Matratzen vorführen. Außerdem sollte eine Rolle spielen, ob Menschen im Schlaf eher frieren oder schwitzen. Eventuell seien dann feuchtigkeitsregulierende Matratzen oder Bezüge zu empfehlen. Letztere sollten generell abnehmbar und waschbar sein, rät Wieland: „Ein gutes Reißverschlusssystem ist ebenfalls ein Qualitätskriterium.“

Inzwischen seien zwar auch sogenannte Boxspring-Systeme populär, bei denen Matratze und Bett eine Einheit bilden. In der Regel müsse zur Matratze aber noch ein passender Lattenrost oder Tellerrahmen ausgewählt werden, erläutert Wieland. Wichtig zu beachten sei, dass die Matratze gut unterlüftet werde, damit sich kein Schimmel bilden könne. Bei Kaltschaummatratzen sollte der Abstand zwischen den Latten nicht zu groß sein. Latexmatratzen sollten regelmäßig gewendet werden. Doch auch bei guter Pflege sei ein Austausch der Matratze nach spätestens zehn Jahren zu empfehlen.

Sebastian Hoff