Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Bauen & Wohnen Warm verpackt zahlt sich aus
Mehr Bauen & Wohnen Warm verpackt zahlt sich aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 20.04.2014
Schön warm eingepackt werden müssen Häuser nach der neuen Energieeinsparverordnung. iStockphoto.com/nestik
Schön warm eingepackt werden müssen Häuser nach der neuen Energieeinsparverordnung. iStockphoto.com/nestik Quelle: NESTOR BANDRIVSKYY
Anzeige
Hannover

Die Regierung macht Ernst: Wenn jetzt am 1. Mai die neue Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) in Kraft tritt, greift auch ein umfangreicher Bußgeldkatalog. Bis zu 50.000 Euro müssen Hausbesitzer beispielsweise zahlen, wenn sie die obersten Geschossdecken nicht nach dem geforderten energetischen Standard gedämmt haben. Der gleiche Betrag kann verhängt werden, wenn Heizungen nicht wie vorgegeben nachgerüstet werden. Bis zu 15.000 Euro Strafe sind möglich, wenn bei der Vermietung oder dem Verkauf kein oder ein fehlerhafter Energieausweis vorgelegt wird.

Heißt das aber nun, dass Hausbesitzer und Vermieter künftig bei Verstößen sofort kräftig zur Kasse gebeten werden?

Einen Anlass zur Panik sieht Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin nicht. Denn wer, wann und wie kontrolliere, werde zum Stichtag am 1. Mai voraussichtlich nicht feststehen. „Wie die Bundesländer dies ausgestalten und welche Behörden im Einzelnen verantwortlich sind, wird unterschiedlich geregelt“, ergänzt Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin: „In der Regel sind die unteren Bauaufsichtsbehörden in den Kommunen zuständig. Die jeweiligen Behörden sind verpflichtet, angezeigten Ordnungswidrigkeiten nachzugehen.“

Da in den wenigsten Kommunen eine Bauabnahme von den Behörden erfolge, könnten die Kontrollen etwa von Schornsteinfegern durchgeführt werden, sagt Reinhold-Postina. Die Höhe der Bußgelder setze die zuständige Behörde fest. Bevor Hauseigentümer zahlen müssten, werde es aber vermutlich ein mehrstufiges Mahnverfahren geben, erläutert die Sprecherin weiter. Stolte weist darauf hin, dass schon die alte EnEV seit 2002 Strafen von bis zu 50.000 Euro vorsieht: „Da es aber keine zentralen Dateien gibt, sind Informationen über Höhe und Häufigkeiten verhängter Bußgelder nicht bekannt.“

Fest steht, dass ab diesem Mai die Gefahr steigt, mit Strafzahlungen belegt zu werden: „Mit der EnEV 2014 werden neue Tatbestände für Ordnungswidrigkeiten eingeführt“, betont Stolte. Für Besitzer von selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern sehe die Verordnung allerdings eine Reihe von Ausnahmen vor. Im Zweifelsfall solle daher ein Fachmann zurate gezogen werden, der zum Beispiel auf der Website www.energie-effizienz-experten.de gesucht werden könne.

Grundsätzlich müsse künftig beim Verkauf oder der Vermietung von Immobilien unaufgefordert ein Energieausweis vorgelegt werden, betont Stolte. Auch wer kommerziell inseriert, muss entsprechende Pflichtangaben machen. Ähnlich wie bei Haushaltsgeräten werden die Gebäude ab dem 1. Mai Energieeffizienzklassen zwischen A+ und H zugeordnet. Das erleichtere Mietern und Käufern den Vergleich, meint Achim Fischer, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Reinhold-Postina findet es hingegen problematisch, dass den älteren, aber teilweise noch gültigen Energieausweisen andere Werte zugrunde liegen. Denn bislang wurde lediglich der Energieverbrauch der zurückliegenden Jahre eingetragen. Und der ist stark abhängig von der Zahl der Bewohner und deren Nutzungsverhalten.

Die neuen Bestimmungen zu den Energieausweisen sind die wichtigsten Veränderungen, die die EnEV 2014 für Besitzer oder Käufer von Bestandsimmobilien bringt. Von anderen Regelungen sind nur wenige betroffen: So müssen ab 2015 sogenannte Konstanttemperaturheizkessel ausgetauscht werden, wenn sie älter als 30 Jahre sind. Ausnahmen gelten hier für Hauseigentümer, die vor Februar 2002 eingezogen sind, sowie für alle Brennwertkessel und Niedertemperaturheizkessel mit einem besonders hohen Wirkungsgrad.

Wer allerdings nach dem 1. Februar 2002 einen Altbau mit weniger als zwei Wohnungen erworben hat, dem drohen nun Bußgelder, wenn er seinen Nachrüstpflichten nicht nachgekommen ist. Denn innerhalb von zwei Jahren mussten unter anderem alte Heizungen ausgetauscht sowie die oberste Geschossdecke und Warmwasserleitungen gedämmt werden. Versäumnisse können nun mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld belegt werden. Das Geld sollten Hausbesitzer besser in die Nachrüstung investieren, rät der VPB.

Regeln für den Neubau

Wer neu baut, für den sieht die EnEV 2014 einige Verschärfungen vor, die ?allerdings erst ab dem 1. Januar 2016 greifen: So muss der Jahresprimärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung um 25 Prozent sinken. Die Wärmedämmung der Hülle des Gebäudes muss im Schnitt 20 Prozent effektiver sein. Die Werte beziehen sich auf ein Referenzgebäude, das etwa einem KfW-Effizienzhaus 75 entspricht. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Hinzu können Strafzahlungen in Höhe von mehreren Zehntausend Euro kommen, etwa wenn die Heizungsanlage nicht die Anforderungen erfüllt.

Von Sebastian Hoff

Bauen & Wohnen Kommunaler Bebauungsplan - Bauen nach Vorschrift
01.03.2014
01.03.2014
17.02.2014