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Bauen & Wohnen Feuer und Flamme für Kaminöfen
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17:21 29.11.2010
Kamin Vulcano von der Firma accent
Schön warm: Der Kamin-Klassiker Vulcano von der Firma accent mit offener Flamme. Quelle: Handout
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Flackerndes Feuer, knisternde Scheite und der Geruch von frisch verbranntem Holz: Kaum etwas vermittelt so viel Wohlgefühl in den eigenen vier Wänden wie ein Kaminfeuer. Für das wärmende Feuer in der Stadtwohnung eignen sich Kaminöfen, die mit Holz oder Holzpellets betrieben werden. Bedenken sollte man dabei frühzeitig, wo das sperrige Kaminholz, das dazu Schmutz ins Heim bringt, gelagert werden kann. Ohne Schmutz, Rauch und Glut – dafür aber auch ohne Knistern – kommen neue Modelle aus, die mit Ethanol oder Gas funktionieren.

334 000 Hausbesitzer haben im vergangenen Jahr einen Kaminofen gekauft. Dazu kommen 65 000 Kamineinsätze und 22 000 Holzherde. Pelletheizungen sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten. Insgesamt neun Millionen Holzheizungen sind in deutschen Privathaushalten installiert, schätzt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe aus Frankfurt, das Umweltbundesamt geht sogar von insgesamt 14 Millionen kleinen Feststoffheizanlagen aus, die überwiegend mit Holz befeuert werden.

Wer die Wärme und den Effekt der sichtbaren Flammen nutzen möchte, hat die freie Auswahl: Ab rund 300 Euro gibt es Kaminöfen im Baumarkt, ab 1500 Euro Markenprodukte, und nach oben hin ist die Preisskala offen. Wer richtiges Feuer haben möchte, braucht nicht einmal einen Schornstein: Als Zwischenlösung zwischen reiner Show und echtem Kamin gibt es auch Gelkamine. Sie haben eine Brennkammer, die mit Ethanolpaste gefüllt wird, und brennen bis zu acht Stunden lang. Wo kein Rauch ist, entsteht aber auch keine große Wärme, und nach Holzfeuer sieht das Resultat auch nicht aus. Der Boom der Holzheizungen, befeuert durch die Versicherung, Holz sei ein nachwachsender Rohstoff und deshalb besonders ökologisch, hat Interessenkonflikte mit sich gebracht. Zwar wächst das Holz in 40 bis 50 Jahren nach, wie der Deutsche Energie-Pellet-Verband betont. So schnell geht das aber nur bei Monokulturen, die waldwirtschaftlich bedenklich seien, hält das Forest Stewardship Council dagegen, eine internationale Waldschutzorganisation.

Allein in der Zeit von 1996 bis 2003 hat sich die Zahl der Öfen verdoppelt, allerdings auch ihr Feinstaubausstoß, der Ende 2003 erstmals den Gesamtausstoß der Automotoren in Deutschland überholt hat. Bei gleicher Heizleistung stößt ein Holzofen 3500-mal mehr Feinstaub aus als eine Gasheizung, stellte das baden-württembergische Umweltministerium 2007 fest.

Zwei Trends laufen seitdem gegeneinander: Die Öfen werden immer umweltfreundlicher und wirksamer. Das seit März geltende Bundesimmissionsschutzgesetz (BimschV) schreibt für Kaminöfen einen Wirkungsgrad von 73 Prozent vor. Neue Öfen überbieten den Wirkungsgrad und unterbieten schon heute die für 2015 vorgesehenen Feinstaubgrenzen. Für ältere Öfen gibt es Übergangsfristen. Die erste läuft Ende 2014 ab. Besitzer von Öfen der Baujahre 1950 bis 1974 müssen dann den Nachweis erbringen, dass ihr Ofen den geforderten Wirkungsgrad liefert – per Herstellerdokument oder Schornsteinfegermessung. Andernfalls muss ein Filter installiert oder der Ofen stillgelegt werden. Noch ältere Öfen gelten als historisch, sie dürfen weiter genutzt werden, jüngere haben für den Nachweis Zeit bis 2017. Offene Kamine, die nur „gelegentlich genutzt“ werden und nicht als Heizung dienen, sind von den Bestimmungen ausgenommen.

Allerdings gibt es auch bei den Häusern Fortschritte; sie sind immer besser gedämmt und brauchen entsprechend weniger Heizleistung. Eine Kilowattstunde Heizleistung reicht für zehn Quadratmeter Wohnfläche. Für Niedrigenergiehäuser rechnen die Ofenprofis schon mit der vierfachen Reichweite.

Wer ökologisch und heiztechnisch auf dem neuesten Stand sein möchte, der sollte einen modernen Holzofen mit Doppelbeschickung wählen: automatisch gesteuert, mit Pellets gespeist und an den Warmwasserkreislauf des Hauses angeschlossen. Er dient als Zentralheizung und kann zusätzlich auch von Hand mit Scheitholz beschickt werden. Für die warme Jahreszeit kombiniert mit einer Solartherme, dann passen Wohlfühleffekt und Umweltschutz zusammen.

Ralf C. Kohlrausch

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