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Bauen & Wohnen Historische Baustoffe sind beliebt
Mehr Bauen & Wohnen Historische Baustoffe sind beliebt
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00:33 01.09.2012
Individuelle Gebrauchsspuren machen auch Fliesen zu Einzelstücken.
Individuelle Gebrauchsspuren machen auch Fliesen zu Einzelstücken. Quelle: dpa/tmn
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Wetzlar

„Für viele ist der Unikatcharakter der meist handgefertigten Teile entscheidend“, sagt die Architektin Irmtraud Swoboda vom Verband Privater Bauherren aus Wetzlar. Und die Zeit hat die Materialien noch ungewöhnlicher gemacht: Sie tragen Gebrauchsspuren und haben eine Geschichte. Außerdem mögen viele die Idee, nachhaltig zu arbeiten, indem sie alte Stoffe wiederverwerten.

Bauexperten schätzen dagegen vor allem den praktischen Aspekt: „Alte Materialien haben über Jahrzehnte, zum Teil über Jahrhunderte am Ort ihres Einbaus den Beweis erbracht, dass sie den Anforderungen gewachsen sind, welche an sie gestellt werden“, sagt Rainer Leonhardt von der Bundesvereinigung der Restauratoren im Handwerk. Er findet sogar, der überwiegende Teil historischer Baustoffe sei modernen weit überlegen.

Sie haben ihre lange Lebensdauer bereits bewiesen, was auch an der Beschaffenheit des Materials liegen kann. Eine märkische Kiefer sei früher nach 70 bis 80 Jahren mit einem Stammumfang von rund 40 Zentimetern geschlagen worden. Heute werde eine märkische Kiefer mit demselben Stammumfang aber bereits nach 40 Jahren geschlagen, berichtet Leonhardt. „Ihr Wachstum wurde manipuliert. Das wirkt sich natürlich auf die Festigkeit und auf andere Eigenschaften des Holzes aus.“ Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die Bauteile meist so gefertigt sind, dass sie mit einfachem Werkzeug repariert werden können. Und: „Früher gab es keine Verbundstoffe. Damit sind historische Materialien ganz unproblematisch zu recyceln“, sagt Leonhardt.

Aber die Suche nach solchen Baustoffen ist aufwendig. „Unserer Erfahrung nach sollte man etwa ein Drittel mehr Zeit einkalkulieren“, rät Olaf Elias, Vorstand im Unternehmerverband Historische Baustoffe in St. Georgen. Auf den ersten Blick scheint es eine Reihe von Suchmöglichkeiten zu geben - von Verkaufsbörsen im Internet über Kleinanzeigen und Flohmärkte bis zum Antiquitätenladen. Dort lassen sich tatsächlich manche Stücke finden.

Doch wer ein Fenster austauschen will, kommt mit Stöbern nicht weit. Denn die Elemente müssen zum Stil und zu den Maßen des Gebäudes passen. Deshalb wird man hier eher im historischen Baustoffhandel fündig. Aber die Suche muss zum Teil deutschlandweit stattfinden - mithilfe von digitalen Katalogen und dem Internet. „Praktisch sind Voranfragen per Mail, eventuell mit angehängten Bildern“, sagt Elias. Swoboda empfiehlt zudem, Materialproben abzugeben. Werden Baustoffe für die Restauration gesucht, sollten Daten wie das Baujahr und Informationen zum Wohnumfeld genannt werden.

Meist passen die Stücke nicht perfekt: Bauteile, die vor den Zeiten der industriellen Massenfertigung und Normierung hergestellt wurden, können sich um wenige, aber entscheidende Millimeter unterscheiden. „Die Anpassung eines Bauteils an das vorhandene Objekt ist die eigentliche Herausforderung. Das kostet Zeit und erfordert fast immer die Hilfe eines versierten Handwerkers“, erklärt Elias. Solche Spezialisten lassen sich über die Baustoffhändler finden, die teils selbst einen Einbauservice anbieten. Helfen können aber auch Architekten, die auf Altbauten oder Denkmalschutz spezialisiert sind. „Sie arbeiten oft mit einem Handwerkerpool zusammen“, sagt Swoboda. Auch im Verzeichnis der Bundesvereinigung der Restauratoren im Handwerk auf der Internetseite http://dpaq.de/IWsGM finden sich Spezialisten.

Hilfreich ist es, den Handwerker bereits in die Materialauswahl einzubeziehen. Er kann sagen, ob das historische Fundstück seinen Preis wert ist - denn die Nutzschicht alter Dielenbretter zum Beispiel kann einfach zu dünn sein, oder Nut und Feder sind bereits zu stark abgenutzt.

Eva Neumann