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Bauen & Wohnen Hoher Lichtschutzfaktor fürs Haus
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09:00 15.07.2013
Foto: Jalousien sind ein effektiver Sonnenschutz. Je nachdem, wie die Lamellen stehen, fällt mehr oder weniger Licht ins Haus.
Jalousien sind ein effektiver Sonnenschutz. Je nachdem, wie die Lamellen stehen, fällt mehr oder weniger Licht ins Haus. Quelle: VFF/WAREMA Renkoff SE
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Endlich Sonne! Endlich Wärme! Nach dem kühlen Frühjahr und dem zögerlichen Sommerstart sind die meisten Menschen froh, dass die Temperaturen gestiegen sind. Doch schnell kann die Stimmung umschlagen - nämlich dann, wenn es zu heiß wird. An manchen Tagen werden die eigenen vier Wände regelrecht zum Backofen. Dagegen kann man sich jedoch schützen: „Am wichtigsten sind zunächst die richtigen Verhaltensweisen, damit das Gebäude sich nicht so schnell aufheizt“, sagt Dirk Mobers von der Energieagentur Nordrhein-Westfalen in Wuppertal. Deshalb sollte man die Fenster im Normalfall nicht tagsüber offen stehen lassen, weil dann noch mehr Wärme ins Haus gelange. Besser sei es, am Abend, in der Nacht und frühmorgens zu lüften. Elektrische Geräte, die nicht gebraucht werden, sollten zudem ausgeschaltet werden - selbst ein Stand-by-Betrieb verursache Wärme, erläutert Mobers.

Ein effektiver Sonnenschutz seien etwa Jalousien oder Rollos, die möglichst außen vor den Fenstern angebracht werden, damit sie die Sonnenstrahlen reflektieren und die Wärme gar nicht erst ins Haus lassen, sagt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster und Fassade (VFF) in Frankfurt. Damit könnten bis zu 75 Prozent des solaren Wärmeeintrags vermieden werden. Und Mobers ergänzt: „Wenn der Sonnenschutz nur innen angebracht werden kann, sollte er möglichst eng am Fensterrahmen anliegen. Wichtig ist auch eine reflektierende Beschichtung, man sollte daher nicht die billigste Lösung wählen.“

Sonnenschutzverglasungen halten bis zu 80% Sonnenenergie ab

Deutlich teurer, aber auch wesentlich effektiver sind spezielle Sonnenschutzverglasungen, die bis zu 80 Prozent der Sonnenenergie abhalten. In Wohnhäusern werden vor allem auf den Südseiten solche Fenster eingebaut, deren Verglasung mit einer dünnen, metallenen Beschichtung versehen ist. Sonnenschutzfenster könnten problemlos nachgerüstet werden, erläutert Tschorn: „Sie können sogar nur das Glas austauschen.“ Nachteil dieser Verglasungen: Sie lassen auch im Winter weniger Sonnenwärme hinein. Deshalb sollte bereits beim Bau eines Hauses auf einen passiven Sonnenschutz geachtet werden, empfiehlt Mobers: „Das können zum Beispiel Auskragungen oder Dachüberstände sein. Damit wird bei hohen Sonnenständen im Sommer das Licht abgehalten, die winterliche Sonne fällt jedoch ins Haus hinein, weil sie niedriger steht.“

Ein höherer Fensterstandard mit Doppel- und Dreifachverglasung habe in den vergangenen Jahren zu einer Verbesserung der klimatischen Verhältnisse im Haus geführt, sagt Tschorn: „Im Winter geht weniger Wärme verloren, im Sommer gelangt weniger Wärme ins Haus.“ Einen vergleichbaren Effekt hat die Dämmung von Häusern. In energieeffizienten Gebäuden, etwa in Passivhausbauweise, schütze die Dämmung besonders gut vor Aufheizung, erklärt Mobers. Für angenehme Temperaturen sorgten zudem Lüftungsanlagen, deren Wärmetauscher möglichst um ein Bypass-System ergänzt wurde: „Damit kann die nächtliche Kühle ins Haus geholt werden“, so der Energieexperte: „Sie haben dann gar kein Bedürfnis, tagsüber das Fenster zu öffnen.“ Auch Wärmepumpen könnten als eine Art Klimaanlage eingesetzt werden: Dann laufe die vergleichsweise kalte Sole aus dem Erdreich durch die Heizungsrohre und bewirke eine Abkühlung.

Günstige Alternative: Feuchte Laken und Wasserschüsseln

Von Raumklimageräten, die gegen die Hitze im Haus aufgestellt werden, rät Mobers hingegen ab: „Die benötigen einen erheblichen Energieaufwand.“ Klimageräte verbrauchten mehr als 1.000 Kilowattstunden Strom im Sommer, die Kosten dafür beliefen sich auf weit über 250 Euro, rechnet die Verbraucherzentrale Niedersachsen vor. Insbesondere Monoblockmodelle seien nicht nur laut, sondern arbeiteten außerdem ineffektiv, erläutert Verbraucherschützerin Karin Merkel: „Diese Geräte müssen die Abwärme durch einen Schlauch nach außen abführen. Wird dieser durch einen Tür- oder Fensterspalt gesteckt, dringt gleichzeitig neue, warme Luft von außen ein. Die erhoffte Kühlung bleibt aus.“

Eine viel effektivere Alternative zu Klimageräten ist ein altes Hausrezept, das laut Mobers nach dem physikalischen Prinzip der „adiabaten Kühlung“ wirkt: Werden feuchte Laken aufgehängt oder Wasserschüsseln aufgestellt, verdunstet das Wasser und entzieht der Luft Wärme. Der entstehende Wasserdampf wird dann am besten mit einem Luftzug abtransportiert, etwa mithilfe eines Ventilators.

Sebastian Hoff

11.07.2013
Karin Fischer 11.07.2013