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Bauen & Wohnen Jeder siebte Bauherr setzt auf Holz
Mehr Bauen & Wohnen Jeder siebte Bauherr setzt auf Holz
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00:00 10.11.2012
Ökologisch, praktisch, gut: Für den Hausbau wird Holz nicht chemisch behandelt.
Ökologisch, praktisch, gut: Für den Hausbau wird Holz nicht chemisch behandelt. Quelle: dpa/tmn
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Stuttgart

Holzhäuser sind seit einiger Zeit „in“: Ihr Marktanteil liegt nach Branchenangaben bei den Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser bei knapp 15 Prozent. Das heißt, fast jeder siebte Eigenheimneubau in Deutschland ist ein Holzhaus. Dessen Beliebtheit hat nicht nur ökologische und ästhetische Gründe: „Mit Holz lässt sich ein sehr hoher Vorfertigungsgrad erreichen, der Bauzeit und auch Kosten spart“, erläutert Carmen Mundorff von der Architektenkammer Baden-Württemberg in Stuttgart.

Aber vor allem aus Umweltgesichtspunkten ist Holz ein guter Baustoff. Holz speichere viel Kohlendioxid, erklärt der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef bei Bonn. Ein Einfamilienhaus in Holzbauweise enthalte gut 27000 Tonnen CO2, so viel wie ein Mittelklasseauto in zehn Jahren verursache. „Die Energiebilanz der Holzfertigbauweise ist vorbildlich, denn Holz ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Niedrigenergie-Baustoff“, ergänzt BDF-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas. Die Herstellung verbrauche weniger Energie als die eines Hauses in konventioneller Bauweise. Außerdem verbessern die bauphysikalischen Eigenschaften von Holz laut Klaas die Wärmedämmung von Häusern - das spart Heizenergie.

Und das Material lässt sich effizient nutzen: Bei der Herstellung von Holzprodukten entstehen keine Abfälle. Rinde, Späne und Restholz werden vollständig weiterverwertet. Alte Holzbauten lassen sich in der Regel auch gut demontieren und recyceln, erläutert Mundorff. Als Brennholz leistet der ausgemusterte Baustoff noch einen letzten Dienst.

Als Nachteil eines Hauses mit nach außen sichtbaren Holzbalken wird oft der Pflegeaufwand genannt, sagt Mundorff. Denn das Holz muss regelmäßig geölt oder gestrichen werden - öfter als ein Putz geweißt wird. Allerdings kann das Holz unbehandelt bleiben, aber dann verändert es sein Aussehen mit der Zeit. „Das ist eine Geschmacksfrage“, meint die Expertin.

Sie empfiehlt allerdings, auf chemischen Holzschutz zu verzichten und stattdessen auf „baulich-konstruktiven Holzschutz“ zu setzen. Das Holz sollte so verbaut werden, dass es vor Verwitterung bestmöglich geschützt sei und somit nicht behandelt werden müsse, erklärt Mun-dorff. Sie rät, nur dort chemische Holzschutzmittel anzuwenden, wo etwa ein Regenschutz nicht möglich sei. Alternativen seien umweltfreundliche Imprägnierungen und Farbe. Im Fertigbau werden keine Bauteile verwendet, die chemisch behandelt wurden, sagt Alexander Gumpp, Vorstandsmitglied beim Deutschen Holzfertigbau-Verband (DHV) in Ostfildern bei Stuttgart. Es kommen ausschließlich Hölzer zum Einsatz, die technisch bearbeitet, also zum Beispiel bei hohen Temperaturen getrocknet und konserviert wurden.

Die Wände von Holzhäusern bestehen zumeist aus dicken Holzbohlen oder haben ein hübsches Fachwerk. Dennoch sieht man ihnen oftmals ihre Bauweise nicht an, denn vor allem in Fertighäusern sind die Holzrahmen unter Platten verborgen. Ganz anders ist dies beim sogenannten Schwedenhaus, das die meisten Menschen mit Holzhäusern assoziieren: Es hat von außen sichtbare Holzwände und ein meist schwach geneigtes Dach. Auch das Fachwerkhaus steht klassischerweise für ein Holzhaus: Die sogenannten Ausfachungen sind hier in Sichtmauerwerk, in Putzflächen, aber auch in Glas möglich.

„Historische Fachwerkhäuser mit Flair und großer Geschichte sind heute bei vielen Bauherren sehr beliebt“, sagt Karsten Gehrold aus Isernhagen bei Hannover. Er restauriert alte Holzhäuser. Die Beliebtheit geht sogar so weit, dass historische Holzhäuser abgetragen und an einem neuen Standort wieder aufgebaut werden. Es gibt in einigen Orten bereits Siedlungen für solche sogenannten translozierten Fachwerkhäuser.

Und es ist gerade das alte Holz, das die Häuser so wertvoll macht: „Altes Eichenfachwerk ist abgelagert und arbeitet nicht mehr“, erläutert Gehrold. Es lasse sich auch gut bearbeiten. Aber ein Fachwerkhaus muss nicht alt sein: Gehrold berichtet auch von einem Trend zum Neubau mit sichtbarem Fachwerk. Dafür werde meist Eichenholz verwendet.

Wolfgang Becker