Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Bauen & Wohnen Kleine Häuser auf Wachstumskurs
Mehr Bauen & Wohnen Kleine Häuser auf Wachstumskurs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:45 18.02.2012
Ist das Eigenheim zu klein, sollte man einen Blick auf die Pläne werfen: Wo kann angebaut, was kann ausgebaut werden?Foto: Diagentur
Anzeige

Es gibt dabei viele Möglichkeiten, ein paar Quadratmeter neuen Wohnraum zu gewinnen – etwa durch den Anbau von Zimmern oder den Ausbau ungenutzter Fläche.

„Hierzulande erwerben die meisten nur einmal im Leben Wohneigentum“, sagt Ilse Helbrecht, Professorin für Kultur- und Sozialgeografie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wie und was bei einem Ausbau möglich ist, hängt natürlich von dem Gebäude ab – ein Flachbungalow kann etwa aufgestockt werden. Wer ein großes Grundstück hat, kann anbauen. Aber nicht alles ist erlaubt. Denn das Baurecht schränkt das grundsätzlich Machbare oft ein. Ein Bebauungsplan schreibt etwa vor, wie viele Geschosse ein Gebäude an diesem Ort haben darf. Gilt die eingeschossige Bauweise, darf die Wohnfläche im Obergeschoss nur maximal zwei Drittel der Erdgeschossfläche betragen.

Anzeige

Ebenso können Baugrenzen die Anbaumöglichkeiten limitieren. So scheitert der geplante Ausbau einer Garage oft am mangelnden Grenzabstand. Während Garagen und Gartenhäuschen direkt auf der Grenze im sogenannten Bauwich errichtet werden dürfen, müssen sonstige Gebäude eine Distanz von meist drei Metern haben. Auch beim Ausbau von Kellern und Dachböden gibt es Einschränkungen: Sie müssen ausreichend belichtet sein und eine Mindesthöhe haben, um darin wohnen zu können.

„Diese und viele andere Anforderungen sind in den Bauordnungen der Länder festgehalten“, sagt die auf Altbauerneuerung spezialisierte Architektin Helga Zander aus Hannover. Die Bauverordnungen sind zudem von Land zu Land unterschiedlich. Für Aufenthaltsräume unterm Dach, die häufig Schrägen haben, liegt beispielsweise in Hessen, Bayern und Niedersachsen die Mindestdeckenhöhe bei 2,20 Metern und zwar für mindestens die Hälfte der Grundfläche. In Berlin, Brandenburg und Sachsen beträgt das Maß 2,30 Meter.

Auch der Platzbedarf der Treppe, ihre Laufbreite und die Durchgangshöhe sind in den Bauordnungen teils unterschiedlich geregelt. „Dies ist nicht nur zur Benutzung, sondern auch zum Transport von Möbeln wichtig“, sagt Helga Zander.

Deshalb gelte grundsätzlich: Wer ein Haus ausbauen will oder Anbauten plant, muss in die Bauvorschriften schauen, sagt Peter Hansen, Teamleiter Bauaufsicht bei der Region Hannover. „Zunächst ist zu klären, ob eine Baugenehmigung erforderlich ist, ob eine einfache Mitteilung auf der Basis eines Architektenentwurfes ausreicht oder ob man einfach loslegen kann.“ Gerade wenn der Umbau Aufenthaltsräume betrifft, sei Letzteres selten möglich.

„Auch wenn keine Genehmigung erforderlich ist, lauern im Baurecht viele Fallstricke, die für den Laien nur schwer erkennbar sind“, gibt Hansen zu bedenken. „Für jedes Geschoss etwa, in dem sich auch nur ein Aufenthaltsraum befindet, müssen zwei unabhängige Rettungswege vorhanden sein.“ Die steile Leitertreppe, die für den simplen Lagerraum unterm Dach noch ausreichte oder ein Dachflächenfenster sind dafür nur unter Umständen geeignet.

Experte Hansen rät in jedem Fall, solche größeren Umbauten mit einem Architekten zu besprechen oder beim zuständigen Bauaufsichtsamt detailliert baurechtliche Fragen zu klären. „Sonst können sogenannte baurechtswidrige Zustände noch nach vielen Jahren böse Schwierigkeiten bereiten und viel Geld kosten.“

Von manchem, was sinnvoll klingt – etwa dem Ausbau eines Kellers zum Wohnraum –, raten die Experten aber auch ganz ab. „Kompliziert wird es immer beim Versuch, Räume für den ständigen Aufenthalt zu schaffen“, sagt Bauingenieur Reiner Pohl von der Initiative Pro Keller in Schwerin. Er empfiehlt, beim Kellerausbau nur Nutz- oder Hobbyräume zu schaffen. Dann komme man mit folgenden Grundvoraussetzungen oft gut mit den Behörden zurecht: Der Fluchtweg dürfe nicht durch ein vergittertes Fenster versperrt sein, die Räume brauchen eine intakte Abdichtung von außen und Möglichkeiten zum Lüften und Beheizen.

dpa/tmn

18.02.2012
28.01.2012
Bauen & Wohnen Neuerungen für Hausbesitzer - Das Immobilienjahr 2012
21.01.2012