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Bauen & Wohnen Der unsichtbare Feind im Haus
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14:05 11.11.2013
Wer unter einer Allergie leidet, hat es oft schwer, den Grund für Niesattacken herauszufinden. Quelle: iStockphoto.com/petrunjela
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Hannover

Tränende Augen, juckende Haut, häufiges Niesen: Diese Symptome kennen Allergiker leider auch in ihren eigenen vier Wänden. Oft werden die Reaktionen durch Allergene – für die meisten Menschen harmlose Umweltstoffe – ausgelöst, die in den Wohnbereich gelangen. Das können zum Beispiel Pollen von Blüten und Gräsern sein, die an Schuhen und Kleidung haften oder durch geöffnete Fenster hereinwehen. Vielfach ist der Grund allen Übels aber auch im Haus zu finden: So können Baustoffe wie Farben oder Hölzer ebenso allergische Reaktionen auslösen wie Hausstaubmilben oder Schimmelpilze, die laut deutscher Haut- und Allergiehilfe (DHA) in den vergangenen Jahren vermehrt Einzug in Wohngebäude gehalten haben. Milben finden sich vor allem in Betten, von Schimmel sind vorwiegend feuchte Wände befallen.

Praktische Gegenmaßnahmen

Schätzungen zufolge leiden bis zu 30 Millionen Deutsche unter mehr oder weniger stark ausgeprägten Allergien. Doch muss das für sie nicht heißen, dass sie sich in ihr Schicksal ergeben und mit den Symptomen unter einem Dach leben müssen. Durch praktische Maßnahmen wie Pollenschutzgitter an den Fenstern und entsprechende Verhaltensregeln – etwa das Umziehen außerhalb des Schlafzimmers – könnten die Allergenmengen in der häuslichen Umgebung deutlich gesenkt werden, erläutert DHA-Geschäftsführer Ehrhard Hackler. Auf dem Markt seien inzwischen einige Geräte und Hilfsmittel für Betroffene. „Viele Produkte versprechen aber mehr, als sie halten, und sind zudem kostspielig.“ Wichtig sei daher eine gute Aufklärung.

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Kostenlose Erstberatung durch Sentinel-Haus

Diesem Ziel hat sich auch der Verein Sentinel-Haus Stiftung verschrieben. Dort werden Produkte aus allen Bereichen des Bauens umfangreich geprüft und neutral bewertet. Die Ergebnisse dürften allerdings nicht veröffentlicht werden, sagt Geschäftsführer Josef Spritzendorfer. Deshalb werden diese im persönlichen Beratungsgespräch individuell vorgestellt und erläutert. „Als gemeinnützige Institution bieten wir eine kostenlose Erstberatung an“, sagt Spritzendorfer.

Allergie in den eigenen vier Wänden

„Neben der genetischen Veranlagung, eine Allergie zu entwickeln, spielen Umweltfaktoren und Lebensgewohnheiten eine Rolle“, erklärt Hackler. Insbesondere für Kinder sei eine allergenarme häusliche Umgebung zu empfehlen, schließlich sei das Risiko, an Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen zu erkranken, umso größer, je früher Menschen mit Allergenen in Kontakt kämen. Allerdings: „Ein Haus ganz ohne Allergene gibt es nicht“, betont Wolfgang Plehn, Experte für stoffbezogene Produktfragen beim Umweltbundesamt (UBA) in Dessau. Ebenso wenig seien vollkommen allergenfreie Produkte erhältlich. Das gelte auch für ökologische Produkte.

Was das Problem zusätzlich erschwert: Nicht alle Allergiker reagieren auf bestimmte Stoffgruppen gleich; bei dem einen werden schwere, bei dem anderen nur leichte Symptome ausgelöst. Eine eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung existiere oftmals nicht, erläutert Spritzendörfer. Er rät daher dazu, dass „jeder allergische Bauherr sehr individuell beraten werden sollte“. Dafür sollte der behandelnde Arzt ebenso konsultiert werden wie ein spezialisierter Architekt oder Bauträger. Empfehlungen kann unter anderem das Sentinel Haus Institut geben.

Einflussfaktor Umgebung

Die Beratung sollte schon vor dem Grundstückskauf oder der Wahl der Wohnung erfolgen, da auch die Umgebung entscheidend ist. Wer beispielsweise auf Birkenpollen reagiere, sollte nicht in der Nähe dieser Bäume wohnen. Auch Strahlungen etwa durch Mobilfunkmasten oder Schadstoffe im Boden sollten gegebenenfalls untersucht werden. Wer ein Haus baut oder saniert oder eine Wohnung renoviert, sollte bei der Wahl der Materialien genau hinschauen: Grundsätzlich könne man davon ausgehen, dass stark riechende Produkte von Allergikern gemieden werden sollten, sagt Spritzendorfer. Das betreffe sowohl Lösungsmittel als auch natürliche Gerüche.

Umweltzeichen „Blauer Engel“

Empfehlenswert seien in der Regel Produkte, die mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ versehen sind, ergänzt Plehn. Diese seien zwar nicht allergenfrei, aber im Rahmen des technisch Möglichen vergleichsweise emissionsarm. Weitere Gütesiegel sind zum Beispiel „natureplus“ und „toxproof“, die für auf ökologische und gesundheitliche Verträglichkeit geprüfte Produkte vergeben werden. Bevor man sie einsetzt, sollten jedoch alle Produkte auf jeden Fall persönlich getestet werden, rät Spritzendorfer.

Inzwischen tummeln sich auf dem Markt einige Anbieter, die mit speziellen Leistungen für Allergiker werben – bis hin zum schlüsselfertigen Haus. Von Angeboten mit verallgemeinernden Marketingbegriffen wie Allergikerhaus hält Spritzendorfer jedoch wenig: „Aus unserer Sicht ist es kaum möglich, ein Haus zu planen und umzusetzen, das wirklich allen Allergikern gerecht wird.“

Serie: Mit der Allergie unter einem Dach

Teil 1: Auslöser und Auswege

Teil 2: Kein Zutritt für Allergene!

Teil 3: Tipps für den Alltag

Sebastian Hoff