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Bauen & Wohnen Mülltrennung lohnt sich finanziell
Mehr Bauen & Wohnen Mülltrennung lohnt sich finanziell
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00:00 08.12.2012
Müll ist nicht gleich Müll: Aus ökologischen und finanziellen Gründen lohnt es sich, Bauschutt getrennt zu entsorgen.
Müll ist nicht gleich Müll: Aus ökologischen und finanziellen Gründen lohnt es sich, Bauschutt getrennt zu entsorgen. Quelle: dpa/tmn
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Einen Container bestellen und den ganzen Schutt reinwerfen - so leicht machen es sich viele Bauherren, wenn sie renovieren. Das sei aber nicht nur ökologisch problematisch, sondern könne auch kostspielig werden, sagt Dirk Lorig von der Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz: „Wenn der Container insgesamt zu viele organische Giftstoffe wie polychlorierte Biphenyle (PCB) enthält, muss man den gesamten Inhalt verbrennen lassen. Und weil Beton sehr schlecht brennt, kann das richtig teuer werden.“ Pro Tonne, die in einer Verbrennungsanlage für Sonder-abfall verheizt wird, könnten bis zu 400 Euro fällig werden. Für den gesamten Container muss dann unter Umständen ein vierstelliger Betrag bezahlt werden.

Das Trennen lohnt sich finanziell, ist aber aufwendig: „Wenn zum Beispiel Dichtungsfugen vorher aus dem Beton gekratzt werden, kann dieser verwertet werden, und es fallen nur einige Kilo Sondermüll an“, sagt Lorig. Diesen kann der Bauherr selbst wegbringen und somit Geld sparen. Der Abfallexperte weist darauf hin, dass die öffentlichen Entsorger den Sondermüll mancherorts sogar kostenlos entgegennehmen, viele allerdings nur in haushaltsüblichen Mengen. Auf Wertstoffhöfen stehen mitunter auch Container bereit.

Grundsätzlich sollten in Bauschutt-Containern nur Steine, Erde, Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik landen, erläutert der Entsorgungsverband des Norddeutschen Handwerks in Hamburg auf seiner Homepage. Dachpappe, Metall, Gips, Gas- und Porenbeton sowie Sonderabfälle müssen Bauherren extra entsorgen. Es gibt auch sogenannten Baustellenabfall. Zu diesem zählen - neben dem Bauschutt - Holz, Schrott, Verpackungen und Dämmstoffe. Auch Teppichreste, Kunststoffe, Kabelreste, Papier und Folien dürfen oft in den Container. Die Bestimmungen sind jedoch regional und bei einzelnen Unternehmen unterschiedlich.

Problematisch ist die Entsorgung von asbesthaltigem Schutt. Werden die Platten unsachgemäß zerlegt, sodass Asbest als Staub durch die Luft wirbelt, sind nicht nur der Bauherr und die Handwerker gefährdet, sondern auch die Nachbarn. Das könne eine Straftat sein, sagt Lorig. Daher sollte Asbest am besten von einem Experten ausgebaut und entsorgt werden.

Zu einem Problem kann auch Bauholz werden, zu dem ebenfalls alte Möbel gehören. Es wird in vier Kategorien eingeteilt: unbelastet, lackiert, beschichtet und behandelt mit schädlichen Stoffen. Je nach Verarbeitung muss das Material in verschiedene Container kommen. Doch ob und wie das Holz konserviert wurde, erkennen Verbraucher oft nur schwer. Und kann der Bauherr nicht nachweisen, dass er nur unbehandeltes Holz abgeben möchte, wird der Entsorger vom schlimmsten Fall ausgehen und das Material als Sondermüll annehmen.

Bauschutt muss aber nicht immer auf dem Müll landen - manchmal kann er sogar wieder als Baumaterial zum Einsatz kommen: „Alte, handgemachte Biberschwanzziegel sind so gefragt, dass wir auch mal kommen und selbst das Dach abdecken“, sagt Christoph Freudenberger, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Historische Baustoffe in St. Georgen (Baden-Württemberg).

Die dem Verband angeschlossenen Firmen verwerten alte, gut erhaltene Baustoffe und verkaufen sie weiter - etwa an Bauherren, die ein altes Haus zeitgemäß renovieren wollen. Alte Türen und Fenster werden auch in Neubauten gerne eingebaut, „weil die Leute Spaß an Patina und Gebrauchsspuren haben“, sagt Freudenberger. Für besonders gefragte Bauteile zahlen die Händler manchmal sogar Geld. Zumindest aber können Entsorgungskosten eingespart werden, wenn die Baustoffe abgeholt und anschließend weiterverwertet werden.

Ähnlich arbeiten regionale Bauteilbörsen. „Die Bauleute können dort anrufen und sagen, was sie loswerden wollen. Die Bauteilbörsen schicken dann jemanden, der sich vor Ort alles ansieht“, erläutert Ute Dechantsreiter vom „bauteilnetz Deutschland“ die Idee. Die Mitarbeiter der Börse übernehmen auch den Ausbau. Neben dem finanziellen Aspekt geht es der Architektin um ein neues Bewusstsein bei den Bauleuten. So müssten beispielsweise Fenster aus den sechziger Jahren nicht zwangsläufig entsorgt werden. „Man sollte immer prüfen, ob man die vielleicht wärmetechnisch aufwerten kann“, betont Dechantsreiter.