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Bauen & Wohnen Ich glaub, ich wohn im Wald
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09:13 13.01.2014
Die Naturtapeten aus Asien schaffen eine besondere Atmosphäre. Quelle: Rasch Textil
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Hannover

Bambus, Hanf, Sisal – wer das Exotische für die Wohnung sucht, wird auch bei Tapetenhändlern fündig. Naturtapeten aus nachwachsenden Rohstoffen sorgen mit ihren warmen Farben für Atmosphäre. Ihre unverfälschten Fasern und Strukturen heben jede Wand hervor. Das hat aber auch seinen Preis: Im Vergleich zur Raufaser, die pro Rolle mit 25 Metern etwa fünf Euro kostet, sind Naturwerkstoffe um ein Vielfaches teurer. Eine günstige Grastapete kostet ab 150 Euro pro Rolle, die zehn Meter fasst. Der höhere Preis im Vergleich zu herkömmlichen Papier- und Vliestapeten sei mit ein Grund, warum Naturtapeten noch immer als Nischenprodukt gelten, sagt Karsten Brandt, Geschäftsführer des Deutschen Tapeten-Instituts in Düsseldorf.

Steigende Nachfrage

„Die Nachfrage nach Naturtapeten nimmt dennoch seit den vergangenen zwei Jahren zu“, sagt die Innenarchitektin Marianne Gollub aus Berlin. Vor allem Gräser und Bambus seien in der Wohnung beliebt. Diese werden in China traditionell von Hand gefertigt. Dort werden Gräser wie Pfeilwurzel, Manilahanf und Bambus am Webstuhl zu einem Gewebe verarbeitet. Ein dünner Baumwollfaden hält die Grashalme zusammen. Anschließend kommen die Gewebe mit Leim auf ein Trägerpapier.

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In Deutschland gibt es nur wenige Händler, die sich auf Gras- und Bambustapeten spezialisiert haben. Form und Farbe der getrockneten, dünnen Gräser bleiben weitestgehend erhalten. Bambus, Hanf und Schilf reihen sich Halm an Halm auf dem Papier – mal gefärbt in warmen Rot-, Gelb- und Grüntönen, mal naturbelassen.

Etwas unauffälliger im Design sind Tapeten aus Leinen und Sisal. Die Naturfasern können zu einer Vliestapete verarbeitet werden. Die Fasern lassen sich auf der Tapete nachfühlen und sind nur sichtbar, wenn man genau hinschaut. Wegen dieser Schlichtheit lassen sich mit diesen Naturtapeten ganze Räume tapezieren.

Bei Grastapeten sieht das anders aus: „Naturbelassener Bambus im ganzen Raum wirkt zu holzig“, sagt Innenarchitektin Gollub. Sie empfiehlt, nur eine Wandseite mit einer solchen Tapete zu versehen. Man könne auch nur eine Stelle hinter dem Bett oder Sofa auskleiden, um sie optisch zu trennen und gleichzeitig hervorzuheben. „Neben dem Bambus kann man eine Prägetapete mit einer unifarbenen Naturfarbe anbringen“, rät sie.

Blickfang: Tapeten mit echten Blättern

Ein Blickfang für Räume sind auch Tapeten mit echten Blättern. Hauchdünne braune, grüne, rote und weiße Blätter kleben auf handgefärbten Papieren und Korkböden. Eine Rolle mit zehn Metern ist nicht billig: Die Preise beginnen bei etwa 280 Euro. Diese Tapeten stammen meist aus Korea. Denn die Naturtapeten werden produziert, wo ihre Rohstoffe herkommen, und das ist Asien, insbesondere China und Korea. Kork stammt dagegen häufig aus Portugal oder Spanien.

In Südeuropa werden auch Tapeten aus Sandstein produziert. Eine dünne Sandsteinschicht wird für diese Tapete in einem Steinbruch gewonnen und auf ein feines Baumwollgewebe gebracht. Struktur und Maserung bleiben sogar beim Biegen des Natursteins erhalten. Das Material ist so flexibel, dass es auf Rollen angeboten wird. Pro Quadratmeter kostet eine Steintapete ab 130 Euro – inklusive des Tapezierens von einem Profi.

Für Heimwerker nicht geeignet

Für Heimwerker ist das Tapezieren hochpreisiger Naturtapeten nicht zu empfehlen. Damit sollte ein erfahrener Tapezierer beauftragt werden. Eine Ausnahme bilden Tapeten auf Vliesträgern.Diese sind besser zu verarbeiten als reine Naturmaterialien. Sie kommen wie eine normale Vliestapete an die eingekleisterte Wand.

Ein Nachteil von Naturtapeten ist, dass sie sich schlecht reinigen lassen. Die Pflanzenfasern können nur abgestaubt werden. Wer unter einer Hausstauballergie leidet, sollte eine andere Tapete wählen, empfiehlt die Zeitschrift „Ökotest“. Denn Staub findet in den offenen Strukturen gut Halt. dpa/tmn

Evelyn Steinbach