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Bauen & Wohnen Nur noch frische Luft im Haus
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00:28 13.06.2009
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Immer frische Luft, keine Probleme mehr mit Schimmel, Pollenallergien, Gerüchen, Lärm und Wärmeverlusten. Lüftungsanlagen für Häuser und Wohnungen scheinen wahre Alleskönner zu sein, wenn man den Herstellern glauben darf. Und das könne man tatsächlich, bestätigt Günther Volz, beratender Ingenieur bei der Ingenieurkammer Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Energie und Umwelt. Vor allzu großartigen Versprechungen, wie Wärmetauschern, die bis zu 92 Prozent des Lüftungswärmeverlustes vermeiden sollen, möchte Volz die Worte „bis zu“ aber dick unterstreichen. Da gelte es, zwischen Laborversuchen und der Alltagspraxis zu unterscheiden.

Auch Sparfüchse müssen aufpassen. Ob sich die Investition in eine Lüftungsanlage allein durch die eingesparte Energie finanzieren lässt, ist ungewiss. Genießer aber dürfen schon einmal ihre Bausparverträge sichten. „Realistisch sind Wärmerückgewinnungen zwischen 60 und 80 Prozent“, sagt Volz. Bleibt ein Verlust von 20 bis 40 Prozent. „Wer beim Fensterlüften wirklich diszipliniert auf die Temperaturen und Zeiten achtet, lässt auch nicht mehr Energie entweichen“, meint der Ingenieur. Nur sei es sehr viel entspannter, die automatischen Lüfter laufen zu lassen, als selber mit der Stoppuhr in der Hand zwischen den Fenstern zu patroullieren.

Ein neuer Trend sind Lüftungsanlagen zum Nachrüsten. Bisher üblich waren Lüftungskanäle im Fußboden- oder Deckenbereich. Wer die Lüftungsschächte schon bei der Planung eines Hauses berücksichtigte, hatte hinterher eine unauffällige Anlage. Lediglich ein paar verblendete Öffnungen, die ähnlich wie Rauchmelder an der Decke sitzen, deuten auf die komfortable Technik. Wer dagegen vorschlug, diesen Komfort nachträglich unter der Decke anzubringen oder sämtliche Zimmerdecken für eine Unterputzmontage umzubauen, riskierte nicht selten den Hausfrieden.

Die Lösung sind Lüftungsöffnungen in der Hauswand. Bohrungen von gut acht Zentimeter Durchmesser reichen aus. Auf der Innenseite sitzt vor der Öffnung ein schmales Kästchen, das die Lüftungstechnik samt Wärmetauscher beinhaltet. Auf der Außenseite verhindert eine unauffällige Blende, dass Schmutz oder Regenwasser eindringt. Normalerweise muss weder innen noch außen die Wand neu gestrichen werden. Speziell geformte Luftdüsen verhindern auf beiden Wandseiten, dass sich die Ströme der Zu- und Abluft vermischen.

„Die Kompaktanlagen sind strömungstechnisch ein Kompromiss, aber es funktioniert ausreichend gut“, erläutert Ingenieur Volz. Wer auch das kleine Kästchen nicht innen auf der Wand haben will, kann die ganze Technik in der Wand verschwinden lassen und hat innen wie außen nur die verblendeten Düsen. Dann wird das Loch entsprechend größer aufgestemmt, sodass schuhkartongroße Kompaktgeräte komplett darin verschwinden können.

Pro Kompaktgerät sind Kosten ab 1000 Euro einschließlich Montage zu erwarten, ein Lüfter kann Zimmer bis zu etwa 25 Quadratmetern versorgen. Bei größeren Zimmern sind entsprechend mehr Lüfter vorzusehen. Eine zweite Installationsvariante sieht vor, die Wohnräume mit Frischluft zu versorgen. Durch die meist schon vorhandenen Türspalte strömt die Luft als sogenannte Durchluft weiter in Flure, und von dort weiter in Küche und Bad. Dort wird sie abgesaugt und nach draußen transportiert und nimmt dabei Gerüche und Feuchtigkeit mit. Wer will, kann natürlich trotzdem weiter bei geöffneten Fenstern Straßenmusik genießen, bei offener Balkontür frühstücken oder bei gekipptem Fenster schlafen.

Wie beim Auto sind die Möglichkeiten, gegen Zuzahlung Sonderausstattungen zu bekommen, groß. Pollenfilter, Geruchsfilter, erhöhter Schallschutz, Re-gelautomaten, Fernsteuerungen – es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Der Schallschutz erreicht mit bis zu 70 Dezibel die Werte massiver Wände, die Lüfter selbst arbeiten mit etwa 20 Dezibel aber nur fast unhörbar.

Von Ralf C. Kohlrausch

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