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Bauen & Wohnen Per Pinselstrich zum Designermöbel
Mehr Bauen & Wohnen Per Pinselstrich zum Designermöbel
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00:35 20.06.2009
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Der Geschmack hat sich gründlich geändert, und die Möbel sollen sich anpassen? Nach dem Umzug müssten ein paar Stücke ergänzt werden, aber die Serie ist eingestellt worden? Der Dreikäsehoch ist inzwischen sechs Käse hoch, wird demnächst eingeschult, und die Wickelkommode sucht neue Aufgaben? Kein Problem:„Wer ein bisschen Zeit, Geduld, Phantasie und Geschick mitbringt, kann aus Omas altem Wandschrank einen echten Hingucker fürs Wohnzimmer zaubern“, sagt Mareike Hermann aus Köln, Schreinerin, Designerin und Trainerin bei der Do-it-yourself-Academy. Mit einer frischen, frechen Farbe oder gar einer modernen Tapezierung wird aus dem über Jahrzehnte geschundenen Stück am Ende ein Designunikat. Kunststoff nbeschichtete Möbel können auch mit farblich passender Klebefolie wiederbelebt werden.

Zunächst aber muss das alte Möbel auf seine Funktionen geprüft werden. Sitzen alle Beine fest, oder wackeln sie? Sind alle Schubladen leichtgängig, oder müssen sie geschliffen oder geleimt werden? Sind noch alle Griffe vorhanden? „Wenn Griffe nachgekauft werden müssen, empfiehlt es sich schon, das gesamte neue Erscheinungsbild des Möbelstücks vor Augen zu haben“, sagt Mareike Hermann: „Denn ein kompletter Satz moderner neuer Chromgriffe, die gut dazu passen, macht schon sehr viel aus.“

Kleine Risse und Löcher im Holz können mit farblich passendem Holzkitt gefüllt werden, für größere Löcher auch an Beinen und Muffen rät die Schreinerin zu Reparaturklebespachtel auf Zwei-Komponenten-Basis: „Diese Masse verhält sich im getrockneten Zustand wie Holz, kann also problemlos geschliffen werden.“ Nachteil: Das Material ist weiß, muss an sichtbaren Stellen also in jedem Fall lackiert werden.

Trägt das Werkstück alten Lack, so muss dieser mit Sandpapier angeschliffen oder abgebeizt werden, bevor die neue Farbe aufgetragen wird. Bei der Wahl der Oberflächengestaltung ist nach Hermanns Worten dann Mut gefragt: „Ein knalliges Rot gibt so einem alten Schrank einen völlig neuen Charakter. Aber auch einige Tapetenmuster können pfiffig sein: Tiger- oder Zebrafell, Gräser, Eiswürfel oder auch Totenköpfe – das ist dann natürlich Geschmackssache.“ Tapeten werden nach dem groben Zuschnitt mit einfachem Tapetenkleister oder Sprühkleber auf die Holzflächen geklebt und dann an den Kanten mit einem Teppichmesser oder einer Rasierklinge exakt beschnitten.

Wer lieber Farbe aufträgt, steht vor der Wahl, Lack oder Lasur zu verwenden. „Im Unterschied zu Lacken decken Lasuren den Untergrund nicht ab“, erklärt Hans-Jochen Bretschneider aus Cottbus, Experte für Anstriche und Trainer bei der Do-it-yourself-Academy: „Lasuren sind daher beim Streichen von Holz beliebt, weil die Maserung sichtbar bleibt.“

Wichtig ist nach Bretschneiders Worten, für den ersten und alle weiteren Anstriche denselben Lacktyp zu verwenden. Auf keinen Fall sollten lösemittelfreie Lacke mit lösemittelhaltigen gemischt werden. Das gilt auch für den alten und neuen Anstrich.

Als Lackierwerkzeug haben sich für Möbel die Schaumrolle oder handliche Sprühpistolen bewährt, so Mareike Hermann. Sie gibt als letzte Empfehlung: „Wer es mit einem echten Möbelschätzchen von der Urgroßmutter zu tun hat, sollte lieber einen Fachmann beauftragen. Antike Möbel sind oft mit Schellack beschichtet und haben auch nur damit ihre Wirkung. Diese Oberflächenbehandlung mit einem getränkten Ballen ist eine alte Handwerkstechnik und daher nur etwas für geübte Handwerker.“

Von Thomas Voigt

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