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15:03 12.08.2013
Eine Tonne, ein Abzweig im Fallrohr – schon kann das Regenwasser genutzt werden. Quelle: Yinyan
Hannover

Auch wenn in den vergangenen Wochen häufig die Sonne schien - gefühlt fällt hierzulande an den meisten Tagen im Jahr Niederschlag. Der Regen fließt von Dächern und anderen versiegelten Flächen in die Kanalisation. Doch viele Kanäle und Kläranlagen können große Wassermassen nicht auffangen. „Die Brühe läuft dann schon mal über“, spitzt Bernd Kirschbaum vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau das Problem zu. Außerdem verschärfe die mit der Flächenversiegelung verbundene Ableitung des Regenwassers in die Kanalisation mitunter die Probleme bei kleineren und mittleren Hochwassern. Daher habe in der Wasserwirtschaft in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden, erläutert der Wasserexperte: „Früher sollte das Regenwasser schnell weggeleitet, heute soll es aus der Kanalisation herausgehalten werden.“

Die UBA-Broschüre „Versickerung und Nutzung von Regenwasser“ empfiehlt daher, möglichst viel Niederschlag im Boden versickern zu lassen, indem beispielsweise Flächen entsiegelt und Mulden angelegt werden. Wasser, das etwa von großen Zink- oder Kupferdächern abfließe, sei allerdings häufig zu sehr mit Schwermetallen belastet, heißt es in der Broschüre. Sinnvoll sei es auch, das Regenwasser in Tonnen oder Zisternen aufzufangen. Weil es besonders weich ist, sei es zum Gießen von Pflanzen gut geeignet.

500.000 Regenwassernutungsanlagen

Auch eine Nutzung von Regenwasser im Haus ist möglich. Nach Schätzungen der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V. (Fbr) existieren in Deutschland bisher etwa 500.000 Regenwassernutzungsanlagen, jährlich kommen bis zu 60.000 hinzu. Das Wasser wird überwiegend für Toilettenspülungen und Waschmaschinen verwendet. Da jeder Deutsche im Schnitt nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserversorger (BDEW) täglich zwar rund 120 Liter Wasser verbraucht, davon aber nur etwa fünf Liter für Essen und Trinken, ist es naheliegend, Frischwasser durch Regenwasser zu ersetzen.

Bernd Hader, Geschäftsführer der Firma „Die Regensammler“ bei Hanau, ist davon überzeugt, dass die Verwendung von Regenwasser im Haushalt ökonomisch sinnvoll ist: „Die Frischwasserersparnis liegt bei bis zu 55 Prozent. Bei einer vierköpfigen Familie rechnet sich die Investition bereits nach acht bis zwölf Jahren.“ Die Installation eines notwendigen Leitungssystems lohne sich seiner Ansicht nach allerdings nur in Neubauten oder Häusern, die von Grund auf saniert werden. fbr-Fachreferent Dietmer Sperfeld hält hingegen auch einen nachträglichen Einbau einer Regenwassernutzungsanlage für wirtschaftlich vertretbar, wenn die Leitungen durch bestehende Versorgungsschächte verlegt werden können.

Wichtigster Bestandteil einer solchen Anlage ist ein unverrottbarer Wasserspeicher etwa aus Kunststoff oder Beton. Als Faustformel gibt Sperfeld an, dass pro Quadratmeter Dachfläche 40 Liter Speicher benötigt werden. Standardtanks fassten zwischen sechs- und achttausend Liter, erläutert Hader. „Dafür muss ein etwa drei Meter breites und drei Meter tiefes Loch gegraben werden.“ Die Tanks sollten für regenreiche Tage einen Überlauf und für regenarme Tage einen Anschluss ans Trinkwassernetz besitzen. Um die Gefahr einer bakteriellen Belastung zu minimieren, müsse die Wassertemperatur unter 18 Grad bleiben, betont das Umweltbundesamt. Auch dürfe kein Sonnenlicht darauf fallen, weil sich sonst Algen bilden könnten.

Feinfilter reinigen das Regenwasser

Bevor sich das Regenwasser aus den Fallrohren im Speicher sammelt, wird es mithilfe von Feinfiltern gereinigt. Über eine Pumpe gelangt es in ein separates Rohrleitungssystem im Haus, das strikt vom Frischwassersystem getrennt sein muss. Regenwasser besitze zwar „Badewannenqualität“, betont Hader, dürfe dafür aber nicht verwendet werden. Zum Wäschewaschen sei es hingegen gut geeignet, zumal kein Enthärter benötigt werde.

Eine Regenwassernutzungsanlage fürs Haus koste im Schnitt mit Erd- und Anschlussarbeiten rund 5.500 Euro, rechnet Hader vor. Hinzu kommen Ausgaben für die regelmäßige Wartung in Höhe von rund 100 Euro jährlich. Da die durchschnittliche Einsparung aber gerade einmal 120 Euro betrage, gelangt das Umweltbundesamt zu dem Fazit: „Eine nicht bezuschusste Anlage rechnet sich zurzeit nicht.“

Ökonomischer Nutzen umstritten

Wasserexperte Kirschbaum vom Umweltbundesamt bezweifelt grundsätzlich, dass die Regenwassernutzung fürs Wäschewaschen und die Toilettenspülung in Privathaushalten einen ökologischen Nutzen habe. Das Umweltbundesamt empfehle den Einsatz von Regenwasser im Haushalt über die Gartenbewässerung hinaus ausdrücklich nicht, weil die Wasservorkommen für die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland ausreichend seien und deshalb der zusätzliche Ressourceneinsatz für die Installation eines zweiten Leitungsnetzes nicht gerechtfertigt sei, erläutert Kirschbaum. Ob sich die Anschaffung einer Regenwassernutzungsanlage wirtschaftlich lohne, sei eine Einzelfallentscheidung und hänge unter anderem von den Gebührensatzungen für Abwasser in den Kommunen ab, aber auch davon, wie viel und wie oft Niederschlag in einer Region falle. „In Deutschland gibt es eine sehr ungleiche Verteilung: Im Süden und Westen fällt deutlich mehr Regen als im Osten“, erklärt Kirschbaum. Gerade in trockenen Sommern müsse dann doch auf das öffentliche Trinkwassernetz zurückgegriffen werden. Auch die Kosten für eine kontinuierliche Wartung seien in die Kalkulation einzurechnen.

Getrennte Abwassergebühren

Nach mehreren Urteilen deutscher Gerichte sind die Kommunen inzwischen angehalten, die Abwassergebühr zu splitten, das heißt, getrennte Niederschlags- und Abwassergebühren zu erheben. Vielerorts ist dies bereits der Fall. In Leipzig etwa muss seit 2000 ein Niederschlagsentgelt entrichtet werden, das sich nach der Größe der versiegelten Flächen bemisst. Auch in Hannover wird das Niederschlagswasser getrennt berechnet. Wer Flächen entsiegelt und Regenwasser sammelt, um es anschließend im Haus und Garten zu nutzen, erhält also in einigen Kommunen einen indirekten finanziellen Anreiz.Auch in Hannover wird das Niederschlagswasser getrennt berechnet. Wer Flächen entsiegelt und Regenwasser sammelt, um es anschließend im Haus und Garten zu nutzen, erhält also in einigen Kommunen einen indirekten finanziellen Anreiz.

Sebastian Hoffmann

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