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Bauen & Wohnen Rein in die Box
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00:20 24.09.2011
Nicht jedes Mietshaus hat einen Keller – alles, was in der Wohnung keinen Platz findet, kann aber auch in einem externen Mietcontainer gelagert werden.Foto: MyPlace-SelfStorage/dpa/tmn
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Ein Haus ohne Keller zu bauen ist die einfachste Art, die Baukosten zu senken. Und das Haus mit Keller zu bauen, ist die preisgünstigste Art, zusätzlichen Raum zu gewinnen. Beides gleichzeitig geht leider nicht. Beides nacheinander wäre aber möglich, wenn der Zusatzraum nicht unbedingt im Wohnhaus sein muss.

Auf dem Land gibt es das schon immer: Beim Bauern eine leere Scheune mieten und Cabriolet, Oldtimer, Segelboot oder geerbte Möbel unterstellen, bis man wieder Platz oder Verwendung dafür hat. Einige Bauern betreiben ihre alten Scheunen inzwischen sogar als eigene Profitcenter und modernisieren eigens dafür: Solaranlage auf dem Dach, große Tore unten. Belastbare Zufahrten, Zugmaschinen und Transportanhänger haben sie sowieso – und für die landwirtschaftliche Nutzung setzen sich zunehmend neu gebaute offene Scheunen durch, die mehr Solarzellenständer als geschlossenes Bauwerk sind. Wer einen wirklich abgeschlossenen Abstellraum haben möchte, muss den darin dann aber meist selbst einrichten.

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Städter können ebenfalls auf eine Fremdeinlagerung zurückgreifen, die ein klassisches Geschäftsfeld von Speditionen ist, die bei Umzügen oder Wohnungsräumungen auch das Einlagern von Möbeln und Haushaltsgegenständen anbieten. Bei der Fremdeinlagerung allerdings haben die Besitzer keine Kontrolle über ihre Gegenstände, und es ist immer wieder mal vorgekommen, dass eine Spedition das Lagergut nicht wiedergefunden hat.

Was aber machen mit den Vorräten, den nur saisonal benötigten Kleidungsstücken und Sportgeräten? Sie können ausgelagert werden in Wintergärten oder Hütten auf dem eigenen Grundstück oder, wer das nicht hat, auch in eine gemietete Garage. „Der Tiefgaragenstellplatz unter dem Mehrparteienhaus ist allerdings definitiv kein Abstellplatz für Gerümpel“, sagt Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mieterbundes Baden-Württemberg in Stuttgart. In einer gemieteten Garage sei es hingegen egal, ob dort das Auto oder die Gartenmöbel stehen. Garagen und Container werden privat oder gewerblich zu unterschiedlichen Preisen und Konditionen vermietet „Eine durchschnittliche Garage kostet in den Städten etwa 80 bis 150 Euro im Monat, je nach Lage“, sagt Gaßmann.

Eine Alternative sind sogenannte Selfstorage-Mieteinheiten. In den USA und Großbritannien ist das System – zu Deutsch „Selbstlagerung“ – seit den sechziger Jahren weitverbreitet. Dass es jetzt auch in Deutschland Akzeptanz findet, erklärt Martin Brunkhorst, Vorstandssprecher des Verbandes deutscher Selfstorage-Unternehmen in Wiesbaden, so: „Die Nachkriegsgenerationen haben im Lauf der Jahre Wohlstand angesammelt, hinzu kommt der gesellschaftliche Strukturwandel hin zur mobileren Gesellschaft.“ Vornehmlich würden die Boxen von Personen genutzt, die längere Zeit im Ausland verbringen und dann in die Heimat zurückkehren. So sind im vergangenen Jahrzehnt Angebote in Metropolen und selbst in kleineren Städten wie Leipzig, Nürnberg oder Bielefeld entstanden. Zu den bislang 59 Standorten sollen weitere hinzukommen, sagt Brunkhorst.

Die gebündelten Lagerboxen befinden sich im Gegensatz zu vielen anderen Mietlagern nicht in entlegenen Gewerbeparks, sondern in relativer Nähe zu Wohngebieten und sind nach Größe und Mietdauer frei wählbar. „Zu 70 Prozent werden die Boxen privat genutzt. Die meisten nur vorübergehend, manche auch über Jahre“, sagt Brunkhorst. „Das reicht von der Familie, die das Erbe der Großmutter zwischenlagert, bis zum Wintersportler, der Moonboots oder Skier nur zyklisch hervorholt.“

Das System ist bequem. Nach dem vor Kurzem eingeführten DIN-Standard EN 15696 haben die klassifizierten Selfstorage-Lager mindestens von 6 bis 22 Uhr geöffnet und werden so belüftet und beheizt, dass die Temperaturen nicht unter den Taupunkt fallen können. Transportwagen stehen vor Ort bereit, jeder Mieter kann zudem mit seinem eigenen Zugangscode ohne Anmeldung an seine Box. Auch die Privatsphäre ist gesichert: Die Mieteinheiten sind sichtgeschützt.

Der Mietpreis für die kleinstmögliche Einheit von einem Kubikmeter, in der laut Brunkhorst 14 Umzugskartons gestapelt werden können, beträgt bei Self- storage durchschnittlich 29 Euro im Monat. Der Größe und Mietdauer entsprechend vergünstige sich die Rate. Zwölf Kubikmeter sind im Durchschnitt für knapp 100 Euro zu haben.

Bei größeren Einheiten entsprechen die Preise dann etwa den von kleinen Wohnungen, die nicht nur preislich eine Alternative sein könnten. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat festgestellt, dass Mieter in Wohnungen nicht wohnen müssen, sondern dass es auch keinen Missbrauch bedeutet, wenn sie eine Wohnung als Lager benutzen. (Az:. VIII ZR 93/10).

Von Gian-Philip Andreas
und Ralf C. Kohlrausch

17.09.2011
10.09.2011