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Bauen & Wohnen Schalldämmung im Haus
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09:52 23.11.2010
Trittschall zwischen Parkett und Boden mit Wellpappe, Kork oder Filz dämmen
Leisetreter: Eine Lage Wellpappe, Kork oder Filz zwischen Parkett und Boden mindert den Trittschall ganz erheblich. Eine Isolierung, die – mit Aufwand – auch nachrüstbar ist. Quelle: Selit
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Ein Haus ist mit einem Instrument vergleichbar: Wer beim Konzertbesuch genau hinsieht, findet die halbe Bauphysik auf der Bühne wieder. Mit einem Unterschied: Bei den Instrumenten wird alles dafür getan, den Schall zu verstärken und zu übertragen. Bei den eigenen vier Wänden gilt der gleiche Effekt dagegen als Fehler.

Der Schall, den wir hören, besteht aus Schwingungen, die über ein Medium aufs Ohr übertragen und vom Gehirn wieder zum Ton oder Geräusch dekodiert werden. Zwei Arten von Schall spielen in Haus und Wohnung eine Rolle: Luftschall und Körperschall – unterschieden wird nach den Übertragungswegen. Ein Beispiel für Luftschall wäre das gesprochene Wort, ein Beispiel für Körperschall der Sprung vom Bett auf den Fußboden. Prominentester Vertreter für Körperschall im Haus ist der Trittschall.

Ein Vergleich mit Geige und Trompete zeigt, wo im Wohnungsbau die akustischen Probleme sitzen und wie sie vermieden werden können. Bei der Geige werden die Schwingungen von den Saiten über den Steg – das ist der sichtbare Abstandshalter zwischen Saiten und Korpus – auf die Decke übertragen. Diese wirkt nun einerseits wie eine Lautsprechermembran und strahlt den Schall nach außen ab, andererseits überträgt sie ihn aber auch über einen im Inneren verborgenen Stimmstock auf den Korpusboden, der nun ebenfalls schwingt. Das Instrument wirkt als Resonanzkörper. Entscheidend ist dabei die durchgängige Verbindung der einzelnen Bauteile, die in ihren Eigenschaften so abgestimmt sind, dass sie den Klang optimal weiterleiten.

Eine Parallele im Hausbau dazu sind Decken- und Fußbodenkonstruktionen. Wenn es hier durchgängige Verbindungen gibt, werden sie den Trittschall ebenfalls übertragen und über die Wände in die unten liegenden Wohnungen dringen lassen. Auch wenn beim Hausbau zunächst alles richtig gemacht wurde und die direkten Verbindungen entkoppelt wurden, kann ein nachträglich eingebrachter Bodenbelag den Effekt wieder zunichtemachen. Dann nämlich, wenn zum Beispiel das Parkett bis an die Wand verlegt wird, ohne eine Fuge frei zu lassen. Im Fall des Parketts – oder Laminats – hätte die Fuge sogar eine doppelte Funktion: Sie dient als Schallbremse und als Dehnungsspielraum, damit sich der Bodenbelag bei Wärme oder Feuchtigkeit ausdehnen kann. Fällt die Fuge zu schmal aus, kann es also auch sein, dass die akustischen Eigenschaften im Laufe der Jahreszeiten wechseln.

In der Trompete wird Schall per Luftsäule übertragen – und gelegentlich als Effekt mittels eines vorn eingesetzten Dämpfers abgeschwächt und im Klang verändert. Eine Parallele im Wohnungsbau sind Wasser- und Lüftungsleitungen, die bei ungünstiger Montage wie das Stethoskop eines Arztes den in einem Raum aufgenommenen Ton in einen anderen übertragen und dort durch die Lüftungsöffnungen wieder frei geben. Der Dämpfer – Jazzmusiker mit Humor nehmen gern die Gummiglocke eines Pümpels – findet seine Parallele in Tür- und Fensterdichtungen aus Gummi. Moderne Fenster mit ihren mehrfachen Dichtungen isolieren deshalb schon ohne besondere Schalldämmmaßnahmen viel besser als ihre Vorfahren. Nicht nur gegen Wärmeverluste, auch gegen Straßenlärm.

Wer ruhig wohnen möchte, muss also darauf achten, dass an möglichst vielen Stellen eine direkte Schallübertragung unterbunden wird: zum Beispiel durch konstruktive Lücken, Dichtungen, unterschiedliche, nicht in Resonanz schwingende Materialien oder durch zwischengesetzte Schwingungsdämpfer.

Ralf C. Kohlrausch