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Bauen & Wohnen Die Wärme der Zukunft
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12:39 26.11.2014
Quelle: obs/RWE Effizienz GmbH
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Hannover

Häuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen - das ist längst keine Utopie mehr. Vereinzelt werden solche Gebäude bereits gebaut, in Freiburg entstand sogar die weltweit erste Plusenergiesiedlung. Noch werden viele Neubauten jedoch als Passivhäuser und immer häufiger auch als Nullenergiehäuser gebaut. Bei letzteren halten sich Energieverbrauch und -produktion die Waage. Ab 2021 sollen sie in der EU auch in privat genutzten Gebäuden Standard sein. Laut Deutscher Energie-Agentur (dena) schreibt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zudem vor, dass in Neubauten ein Mindestanteil an erneuerbarer Wärmetechnologie genutzt werden muss.

Doch trotz aller Innovationen und gesetzlicher Vorgaben: Insbesondere fürs Heizen verbrauchen Privathaushalte hierzulande sehr viel Energie. Und immer noch machen fossile Brennstoffe den Löwenanteil aus: Nach Angaben der dena beträgt der Anteil am Gesamtenergieverbrauch im Gebäudebereich deutschlandweit etwa 35 Prozent. Davon entfallen rund 85 Prozent aufs Heizen und die Warmwasseraufbereitung. In erster Linie werden Gas und Öl verbrannt. Der Anteil regenerativer Energien beträgt gerade einmal 17 Prozent.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Wärmebedarf um 20 Prozent und bis 2050 sogar um 80 Prozent zu senken - bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien. Das Haus müsse als System verstanden werden, in dem alle Teile aufeinander abgestimmt sind, sagt Christian Stolte, Leiter des Bereichs Energieeffiziente Gebäude bei der dena: „Nur der Dreiklang Gebäudehülle, moderne Anlagentechnik und erneuerbare Energien schafft eine nachhaltige Reduzierung des Energiebedarfs.“

Wo Heizungsanlagen neu gebaut oder modernisiert werden, bieten sich Systeme an, wie sie vom Verband Privater Bauherren in der Broschüre „Nachhaltig bauen - für die Zukunft planen“ beschrieben werden:

Wärmepumpen: Sie arbeiten nach dem umgekehrten Prinzip eines Kühlschranks, indem sie der Umgebung Wärme entziehen, sei es in der Luft oder der Erde. Wärmepumpen sind umso besser, je weniger Strom für ihren Betrieb benötigt wird. Eine Kopplung an eine Fotovoltaikanlage ist oft sinnvoll.

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK): In den KWK-Anlagen oder Blockheizkraftwerken werden in der Nähe des Endverbrauchers Strom und Wärme erzeugt. Diese Technik lohnt sich für mehrere Haushalte.

Holzbrennstoffsysteme: Holz ist ein nachwachsender und daher grundsätzlich klimaneutraler Brennstoff. Jedoch wird bei der Verbrennung schädlicher Feinstaub freigesetzt. Pellets sollten aus Abfällen stammen und nicht aufwendig hergestellt oder weit transportiert worden sein.

Solarthermie: Über Kollektoren auf dem Dach oder am Gebäude wird Sonnenenergie eingefangen. Das ist vor allem für die Erwärmung des Wassers sinnvoll. An kurzen Wintertagen und bei stark bewölktem Himmel arbeitet die Anlage allerdings kaum oder gar nicht.

Welche Heizungsanlage zum Einsatz kommen sollte, ist von vielen Faktoren abhängig. „Wichtig ist ein stimmiges Gesamtkonzept“, betont der Verdener Architekt Thomas Isselhard. So seien Pelletheizungen etwa für Passivhäuser wenig geeignet, weil sie zu leistungsstark sind. Je intelligenter Heizungsanlagen gesteuert und geregelt werden, desto weniger verbrauchen sie.

In gut gedämmten Häusern kommt dem regelmäßigen Luftaustausch eine große Bedeutung zu: „Lüftungsanlagen haben verschiedene Komfortstufen - von der dezentralen Öffnung in der Außenwand bis hin zu zentralen Systemen mit Wärmerückgewinnung“, schreibt der VPB. Das Prinzip ist einfach: Aus den Räumen wird verbrauchte Luft abgesaugt, durch einen Wärmetauscher geleitet und die erwärmte Luft vor allem an die Wohnräume abgegeben.

„Bei der Wärmeverteilung sind Niedrigtemperatursysteme empfehlenswert“, schreibt der VPB. Besonders empfehlenswert sind Fußbodenheizungen und Wandheizungen. Konvektionsheizungen wie Heizkörper, die unter einem Fenster angebracht werden, erzeugen trockene Luft und wirbeln viel Staub auf.

Von Sebastian Hoff