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Bauen & Wohnen Urlaub im eigenen Ferienhaus
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00:35 27.06.2009
Beliebter Meerblick: Jeder Zehnte träumt vom eigenen Ferienhaus im Ausland. LBS
Beliebter Meerblick: Jeder Zehnte träumt vom eigenen Ferienhaus im Ausland. LBS
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Ob spanische Finca, toskanisches Landhaus oder irisches Cottage – ein Ferienhaus oder Altersruhesitz an den schönsten Plätzen Europas ist für viele ein Lebenstraum. Immerhin: Fast jeder zehnte Deutsche will seine private Alterssicherung dafür verwenden, um später im Ausland zu wohnen. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag einer Bank durchgeführt hat. Wer den vollen Kaufpreis nicht auf dem Konto hat, benötigt eine sichere Finanzierung. Die erhält man auch von einer Bank im Land des neuen Domizils. Der Vorteil: Das Darlehen kann auf dem ausländischen Objekt abgesichert werden. Allerdings mit allen Unwägbarkeiten für den, der die landestypischen Finanzierungsgewohnheiten sowie die Grundbuch- und Rechtsvorschriften nicht kennt. Deshalb kann die Finanzierung durch deutsche Baufinanzierer Vorteile haben – ohne sprachliche und bürokratische Hürden. Zudem ist das deutsche Zinsniveau oft günstiger, die Institute bieten langfristige Zinsgarantien gegenüber den meist variablen Konditionen ausländischer Finanzierer an.

Deutsche Banken stellen meist eine Bedingung: Das Darlehen muss auf einem deutschen Objekt besichert werden. Ausnahmen davon machen einige Bausparkassen. Sie akzeptieren auch eine Darlehenssicherung am ausländischen Objekt. Das gilt jedoch nicht für alle EU-Länder. „Voraussetzung für eine Absicherung auf einer ausländischen Immobilie sind verlässliche Grundbücher“, erklärt Finanzierungsexpertin Anja Schüler. Länder wie Griechenland oder Kroatien erfüllen diese Voraussetzungen nicht. In Griechenland ist ein Grundbuchsystem nach deutschem Vorbild derzeit im Aufbau, aber noch nicht überall verfügbar. Besonders um die Grundstücksgrenzen, die sich in der Praxis an natürlichen Gegebenheiten und nicht an Grundbucheinträgen orientieren, gibt es deshalb immer wieder Auseinandersetzungen, die eine Beleihung und Finanzierung erschweren.

Eine weitere Hürde kann das Baurecht sein, wenn zum Schutz der Landschaft großzügige Grundflächen als Voraussetzung für eine Baugenehmigung verlangt werden, die Grundfläche aber mangels bestätigter Grenzen nicht zuverlässig festgestellt werden kann. Mitunter wird dann der Kauf eines zweiten Grundstücks nötig.
Auch das Steuerrecht spielt eine Rolle, wenn für die Finanzierung geschenktes oder geerbtes Geld herangezogen oder die Immobilie später innerhalb der Familie weitergegeben wird. Selbst innerhalb der EU droht dann eine doppelte Besteuerung, wenn die Länder nicht per Abkommen eine Doppelbesteuerung ausgeschlossen haben.

Grundsätzlich gilt für Auslandsimmobilien: Erst dann einen Kaufvertrag abschließen, wenn die Finanzierung einschließlich aller Auszahlungsmodalitäten gesichert ist. Rechtsanwältin und Fachübersetzerin Angela Sanz aus Hannover rät außerdem, die Verträge von einem zweisprachigen Anwaltsbüro prüfen zu lassen, das mit den Rechtssystemen beider beteiligter Länder vertraut ist. Wer einen Immobilienkauf im Ausland plant, kann sich auch von Interessenverbänden wie der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz e.V. mit Sitz in Waldshut-Tiengen beraten lassen. Der Verein gibt die Informationsschrift „Kauf, Verkauf und Vermietung von Ferienimmobilien im Ausland“ heraus. Für Spanien hat der Verlag Edition für internationale Wirtschaft zusammen mit Anwälten aus Frankfurt und Valencia eine Fachbuchreihe herausgegeben.

rck/bawo