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Bauen & Wohnen Verjüngungskur fürs alte Fenster
Mehr Bauen & Wohnen Verjüngungskur fürs alte Fenster
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00:55 20.08.2011
Wärmedämmung mit Folie und heißer Luft: Doppelseitige Klebestreifen auf den Fensterrahmen kleben, die Fensterfolie darüberkleben und mit dem Föhn erwärmen und dadurch glatt spannen – fertig ist das Doppelfenster „light“.Foto: Tesa
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Schallschutz, Wärmedämmung, Sonnenschutz – es gibt kaum eine Produkteigenschaft, die sich bei Fenstern nicht nachträglich noch verbessern ließe. Dennoch empfehlen Verbände einen regelmäßigen Austausch der Fenster. Etwa alle 30 Jahre sollten Fenster erneuert werden, rät der Verband der Fenster- und Fassadenhersteller e. V. (VFF) und schließt in diese Empfehlung auch Fenster ein, die noch gut in Schuss sind. Die Begründung: Neuere Fenster bieten mehr Komfort und bessere Wärmedämmwerte.

Naturgesetze sind diese angenommenen Haltbarkeitsdaten aber nicht. Im Ulmer Münster etwa gibt es reihenweise Fenster aus dem Mittelalter, das älteste stammt von 1385. Einige Fenster im Kölner Dom sind sogar noch 100 Jahre älter. Auch bei neueren Produkten gibt es beachtliche Haltbarkeiten: Als das Kunsttoffrecyclingunternehmen Rewindow zusammen mit dem VFF vor vier Jahren das älteste Kunststofffenster Deutschlands suchte, wurden sie in Hamburg-Buckhorn fündig. Die Fenster stammten von 1968 und waren noch so gut erhalten, dass das Kunststoff-Museum Troisdorf damit seine Ausstellung bereicherte. Damit neuere Fenster ebenso in Schuss bleiben, gibt es einige einfache Tricks.

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Licht- und Wärmeschutz

Bei neuen Fenstern sorgen aufgedampfte Schichten auf der Scheibeninnenseite für die entsprechenden Eigenschaften. Beides gibt es auch als Folie zum Selbstaufkleben. Die Stiftung Warentest hat 2010 Sonnenschutzfolien unter die Lupe genommen. Zwar attestierten die Tester vielen durchaus sehr gute Ergebnisse bei der Temperaturreduzierung, aber gleichzeitig führte das Ergebnis zu erhöhten Heiz- und Beleuchtungskosten im Winter. Einzelne Produkte wie Haverkamp Opalfilm FlexN50PX und Glemser Nexfil SR 50 ASR boten im Test aber ausgewogene Produkteigenschaften. Die Warentester empfehlen, die Folien von Profis anbringen zu lassen.

Dichtungen

Umlaufende Gummidichtungen zwischen Fensterrahmen und Fensterflügel sorgen dafür, dass bei neuen Fenstern kein ungewollter Durchzug auftritt. Bis zu drei Dichtungsringe sind nicht ungewöhnlich. Bie älteren Fenstern fräsen Tischler eine Nut in den Rahmen und setzen dort als Meterware angebotene Dichtungsprofile ein. Die Heimwerkerlösung mit selbstklebenden Dichtungen kann Spalten bis zur etwa drei Millimeter überbrücken, hält aber jeweils nur ein paar Jahre und muss dann erneuert werden. Wer ungleichmäßig verzogene Fenster hat, kann Dichtungen nach Maß selbst anfertigen: Zwei parallel verklebte Klebebandstreifen auf dem Fensterrahmen werden in der Mitte großzügig mit einer Bahn Silikon überspritzt. Dann eine dünne Kunststofffolie über das Silikon legen und das Fenster schließen. Das Silikon aushärten lassen (etwa 1 Millimeter pro Stunde), dann die obere Plastikbahn abziehen, seitlich auf den Klebestreifen gerade abschneiden, Überstände samt Klebestreifen vom Rahmen abziehen. Übrig bleibt eine Maßdichtung.

Zusatzscheiben

Beim Neukauf ist es offensichtlich: Fenster mit drei Scheiben dämmen besser als Fenster mit zwei Scheiben. Warum also nicht eine Scheibe zusätzlich an den vorhandenen Fenstern anbringen? Früher war dies eine übliche Methode und unter der Bezeichnung Winterfenster bekannt. Später wurde diese Methode vereinfacht, indem Folien auf den Markt kamen, die vor die Fenster gespannt werden. Die Folien eignen sich für einfach verglaste Fenster und werden vom Bund der Energieverbraucher empfohlen, weil sie den Energieverlust nahezu halbieren. Damit würden sich die billigen Folien schon im ersten Winter amortisieren.

Für ältere Isolierfenster empfiehlt Reimund Stewen, Architekt, Sachverständiger und Bauherrenberater beim VPB, innen montierte Zusatzscheiben, besonders wenn die Außenwände mit einem Wärmedämmverbundsystem gedämmt wurden. Damit an den Scheibenabstandshaltern dann keine Wärmebrücke entsteht, sollten die Scheiben so groß sein, dass sie über die Abstandshalter hinausragen. Montiert werden sie in dünnen Holzrahmen, die auch für den nötigen Abstand sorgen. So entsteht ein zusätzlicher Luftzwischenraum, der auch die Abstandshalter isoliert.

www.kunststoff-museum.de www.test.de

Von Ralf C. Kohlrausch

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