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Bauen & Wohnen Von wegen Kellerkinder!
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00:25 14.05.2011
Durch eine Schräge gewinnen Keller so viel Licht, dass sie problemlos auch als Wohnräume genutzt werden können – etwa als Einliegerwohnung für den Nachwuchs. Foto: tdx/Mein Ziegelhaus Quelle: BHW Bausparkasse
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Vier Kinder im Reihenhaus? Luftige Atmosphäre im Keller? Kein Problem, wenn das klassische Klischee vom unterirdischen Abstellraum aufgegeben und das Souterrain vom Architekten aktiv mit eingeplant wird. Auf Abstellfläche im Untergeschoss muss trotzdem kein Bauherr verzichten: In den meisten Fällen lässt sich ein Garten an einer Seite des Hauses auskoffern, sodass eine Schräge entsteht. Die Kellerfenster bekommen hier viel Licht, der Keller freien Austritt auf die tiefergelegte Terrasse, und auf der anderen Hausseite bleibt die gewohnte Situation mit hoher Erdkante und Abstellräumen.

Zwei hochwertige Wohnräume lassen sich so auch bei schmaleren Häusern gewinnen, zusammen mit einem ausgebauten Dachgeschoss reicht dann das Reihenhaus auch für eine größere Familie aus. Alternativ kann eine durchgehende Fensterverglasung vom Souterrain bis zum Erd- oder gar Obergeschoss eine extrem großzügige und helle Architektur auf kleinem Raum ermöglichen.

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Mögliche Varianten sind Küche und Esszimmer im Untergeschoss und ein großzügiges Wohnzimmer fast über die ganze Etage im Erdgeschoss, beide mit Gartenzugang: unten direkt, oben und im Obergeschoss über eine elegant geschwungene Treppe. Oder unten entstehen Kaminzimmer und Heimkino, Pool und Sauna – oder Zimmer, dann werden Flur und Türen gleich so geplant, dass sie als Einliegerwohnung genutzt werden können. Dann freut sich der Nachwuchs später über einen elternunabhängigen Hauseingang, Au-pair-Mädchen können untergebracht werden oder Pflegekräfte.

Wer sich für diese Bauweise entscheidet, profitiert davon, dass auch die verbleibenden Abstellräume im Keller eine höhere Bauqualität als üblich erhalten. Das fängt bei der Raumhöhe an und geht über die Beheizung bis zur Wärmedämmung. Das heißt, bei Bedarf können auch die ursprünglichen Lagerräume mit wenig Aufwand als Werkstatt umgenutzt oder zu Wohnraum umgebaut werden.

Soll ein Keller erst nachträglich in diesen wohnlichen Zustand versetzt werden, sollte er vor Feuchtigkeit und Wärmeverlust geschützt werden. Räumlich begrenzte Feuchtigkeit deutet auf undichte Rohre hin, zum Beispiel von der Regenrinne. Größere Feuchteschäden deuten auf fehlende Dränagen hin.

Wenn Erdarbeiten anstehen, sollten die Wände gleich von außen wärmegedämmt und mit Bitumen gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Eingespritzte chemische Dichtungsmittel können nachträglich eine Horizontalsperre bilden. Leichter zu verwirklichen, aber bauphysikalisch kritischer, ist eine Innendämmung. Hier sollte ein vom ausführenden Betrieb unabhängiger Sachverständiger die korrekte Ausführung überwachen.

Oft übersehen wird der Umstand, dass der Keller kälter wird, wenn die Kellerdecke gedämmt wird, weil dann weniger Wärme von oben nach unten verloren geht. Der österreichische Bauphysiker Prof. Klaus Krec hat dies in einer Fallstudie ausführlich dokumentiert. Für eine gleichbleibende Temperatur muss der Keller dann entsprechend stärker beheizt werden.

Die Initiative Pro Keller mit Sitz in Schwerin hat in einer Umfrage festgestellt, dass 80 Prozent der befragten Kellerbesitzer diese Räume sehr aktiv nutzen, dass aber zwei Drittel der Bauherren, die sich für ein Haus ohne Keller entscheiden, dies später bereuen.

Wer sich erst im Nachhinein dazu entscheidet, einen Keller anzubauen, zahlt möglicherweise obendrauf. Die Kostenersparnis fällt beim Bau meist geringer aus als angenommen, rechnen die Keller-Befürworter von Pro Keller vor: Im Durchschnitt werden etwa 20 000 bis 35 000 Euro für einen Vollausbau benötigt. Verzichtet man auf die Unterkellerung entstehen dadurch ebenfalls Kosten: Etwa 15 000 bis 25 000 Euro müssen allein für die Erd- und Fundamentarbeiten, Bodenplatte und horizontale Feuchtesperre aufgebracht werden. So gesehen fallen die wahren Mehrkosten eines Ziegelkellers deutlich geringer – zwischen 5000 und 10 000 Euro – aus. Dagegen steht die künftige Wertentwicklung der Immobilie. Von Maklern hat die Brancheninitiative pro Keller erfahren, dass 86 Prozent aller gebrauchten, nicht unterkellerten Häuser schwerer zu verkaufen seien. Außerdem würden sie einen um zehn bis 20 Prozent geringeren Verkaufswert erzielen. So gesehen seien die anfänglichen Mehrkosten unterm Strich relativ gering.rck

Von Ralf C. Kohlrausch