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Bauen & Wohnen Windfang auf dem Dach
Mehr Bauen & Wohnen Windfang auf dem Dach
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14:36 08.09.2014
Ideal ist eine Kombination von Solarthermie und Kleinwindanlagen. Denn oft scheint die Sonne, wenn der Wind nicht weht – und umgekehrt. Quelle: BRAUN Windturbinen GmbH
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Hannover

Überall in der Republik sprießen Windräder aus dem Boden. Die Energiegewinnung aus Wind ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Warum also sollte man dieses Potenzial nicht auch individuell nutzen? Seit einigen Jahren sind bereits Kleinwindanlagen auf dem Markt, die auf dem Dach oder auf dem eigenen Grundstück installiert werden können. „Die lohnen sich für jeden, der den richtigen Standort hat“, betont Roger Schneider, Vorsitzender des Bundesverbandes für Kleinwindanlagen.

Ob der Standort geeignet ist, hängt wesentlich von den Windverhältnissen ab: Im besten Fall wehe der Wind stetig mit mittleren Geschwindigkeiten von etwa sechs Metern pro Sekunde, was ungefähr Windstärke 4 entspricht, heißt es auf der Website energieverbraucher.de. Die Höhe der Anlage sollte mindestens zehn Meter betragen, in der Nähe sollten sich keine hohen Bäume oder Gebäude befinden, weil ansonsten der Wind verwirbelt wird. Messungen sollten von einem Fachmann exakt am vorgesehenen Standort vorgenommen werden.

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Wichtig ist anschließend die Bestimmung der Leistung der Anlage, die sich nach Kilowattstunden (kWh) bemisst: Sie sollte für die Bedürfnisse der Eigentümer und für die Windverhältnisse optimal ausgelegt werden. Ein Vierpersonenhaushalt in Deutschland verbraucht im Schnitt zwischen 4000 und 5500 Kilowattstunden Strom im Jahr. Wird mehr Energie erzeugt, lohnt sich das Einspeisen ins öffentliche Netz nicht. Denn dafür erhält der Betreiber derzeit weniger als zehn Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Einkaufspreis für eine Kilowattstunde Strom lag im April dieses Jahres bei rund 28 Cent. „Man sollte also keine Anlage bauen, um damit Geld zu verdienen“, betont Schneider.

Er empfiehlt, Kleinwindanlagen mit Solarthermie zu kombinieren: Denn oft scheine die Sonne, wenn der Wind nicht wehe und umgekehrt. So werde fast fortwährend Strom erzeugt, mit dem auch Wasser erhitzt werden könne, erläutert Schneider. Kleinwindanlagen kosten in der Anschaffung derzeit etwa zwischen 3000 und 7000 Euro. Hinzu kommen Ausgaben für die Montage, den Anschluss ans Hausnetz sowie jährliche Wartungskosten in Höhe von bis zu zwei Prozent des Anschaffungspreises. Muss ein Fundament für den Mast gegossen werden, belaufen sich die Kosten dafür auf einige Tausend Euro - je nach dessen Höhe. Wobei die Faustformel gilt: je höher der Mast, desto besser der Ertrag.

Gute Kleinwindanlagen amortisierten sich in der Regel nach zwölf bis 14 Jahren, erklärt Schneider. Entscheidend sei daher, dass sie lange technisch einwandfrei liefen. Kleinwindanlagen benötigen in Deutschland allerdings keine Zertifzierung. Deshalb seien auch Modelle auf dem Markt, die eine nur sehr kurze Lebensdauer haben, führt Schneider weiter aus: „Im schlimmsten Fall laufen sie nie.“ Käufer sollten daher auf gute Qualität achten. „Sehr günstige Preise sind verdächtig“, warnt Schneider: „Von den rund 380 Anbietern in Deutschland sind nur wenige seriös.“

Seiner Ansicht nach gibt es wenige Systeme, die auf dem Dach gut funktionieren - zumeist weil die Windverhältnisse dort nicht ausreichend sind. Bei Anlagen ab einer Kilowattstunde müsse unbedingt die Statik geprüft werden, heißt es auf der Internetseite klein-windkraftanlagen.com. Ein weiteres Problem seien die stetigen Geräusche, die eine solche Anlage im Betrieb erzeuge und die übers Gebäude weitergeleitet würden. Daher sollte über eine Schallentkoppelung nachgedacht werden. Zu bedenken sei ferner, dass die Rotorblätter störende Schatten werfen können.

Wer eine Anlage auf sein Grundstück bauen lassen möchte, muss in der Regel bestimmte Grenzabstände beachten. In den meisten Bundesländern ist außerdem eine Baugenehmigung Pflicht. Nur damit erhalten Betreiber Rechtssicherheit - auch in Ländern, in denen für bestimmte Anlagetypen keine Genehmigungspflicht besteht. Das Einholen der Baugenehmigung könne allerdings bis zu drei Jahre dauern, kritisiert Roger Schneider.