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Essen & Trinken in Hannover So überzeugend ist das Restaurant Basil
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HAZ-Feinschmecker Finkbeiner testet das Basil

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12:29 05.08.2019
Ambitioniert: Küchenchefin Ilka Kahrmann im Restaurant Basil. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Bohnen hatten es nicht immer leicht in der Menschheitsgeschichte. Im antiken Ägypten wurden sie nicht verzehrt, geschweige denn gepflanzt. Sie galten als Tor zur Unterwelt, enthielten angeblich die Seelen von Toten. Selbst die gemüseenthusiastischen Pythagoreer hüteten sich davor, Bohnen auch nur zu berühren. Angeblich ließ sich eine Schar Jünger lieber vom Feind niedermetzeln, als flüchtend ein Bohnenfeld zu durchqueren: Bohnen waren des Teufels. Wir heben also vorsichtshalber unsere Stangenbohnen an, schauen drunter, wir rollen die Ackerbohnen umher, ziehen eine Furche durch unser schwarzes Bohnenpüree – man kann ja nicht vorsichtig genug sein –, aber finden keinen Teufel, nur Wohlgeschmack.

Das Bohnenensemble, das im Basil serviert wird, verbindet nämlich aufs Vortrefflichste das gesamte Spektrum des Gemüses, von frisch-vegetabilen Noten bis zu cremig-herzhaftem Schmelz. Zu dem Gericht gehören außerdem ein festfleischiges Saiblingsfilet (im Menü für 44,50 Euro) und würziger Thymianschaum. Toll. Ein tolles Gericht. Und dann wird uns von der liebenswerten und fachkundigen Servicedame eine vollmundige griechische Weißwein-Cuvée (3,50 Euro) eingegossen. Kein Tropfen, der uns in höchste Höhen hebt, sondern uns dort hält, wo auch die Kreation hingehört: auf den Boden. Gut schmeckt auch die Garnele mit Limetten-Schwarzwurzelcrème, Möhre, Chili und Erdnuss.

Mit Sinn und Verstand

HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner testet das Basil

Schwelgerisch blättern wir auch durch die Weinkarte, die sehr gastfreundlich kalkuliert wurde. Den Auftakt bildet eine exzellente Champagner- und Schaumweinauswahl. Da gibt es weltbekannte Bouteillen von großen Champagnerhäusern (Dom Perignon, Krug), aber auch mit Fingerspitzengefühl ausgewählte Winzer-Spezialitäten (Jacquesson, Larmanier-Bernier), die nicht überall zu bekommen sind. Es gibt sensationellen Sekt (Raumland) und Prosecco, französischen Cremant und spanischen Cava – von 25 bis 350 Euro, alles dabei. Mit Sinn und Verstand zusammengestellt, so wie auch die übrige Weinauswahl. Es ist eine echte Freude. Und wer nur ein gutes Glas Wein will, der kriegt ein gutes Glas Wein und wird nicht schief angeschaut.

Überhaupt müssen noch einmal die Servicelust und Gastgeberschaft erwähnt werden, denn auch wenn wir zweimal in Berührung mit einer etwas schnippischen Kellnerin kommen, schlägt uns ansonsten eine Welle der Gastlichkeit entgegen. Beispiel: Wir finden das feine Hefebrot mit Kümmel und Zwiebeln grandios, das uns zum Auftakt mit etwas Salbei-Honig-Butter serviert wird. Also fragen wir eher im Spaß nach dem Rezept. Zwanzig Minuten später liegt eine handgeschriebene Beschreibung auf unserem Tisch – wo erlebt man so eine Zugewandtheit? Wasser wird uns nachgegossen, jedem Anliegen mit Lächeln begegnet. Da braucht es nicht viel mehr zum Glücklichsein, außer dem vorzüglichen Essen, das es hier gibt.

Eine Köstlichkeit

Eine Wucht (im Menü für 56,50 Euro) sind die frischen und feinen Jakobsmuscheln, die auf Cremes von Wurzelgemüse liegen und von etwas Senfsaat und fermentierter Walnuss begleitet werden. Von der Gelbschwanzmakrele mit Wasabi-Biskuit und schwarzem Rettich sind wir nicht überzeugt, vor allem auch die aufdringliche Note des (stark gerösteten) Sesamöls und die Meerrettichschärfe stehen sich feindselig gegenüber. Dafür sind wir von der leicht karamellisierten Wildpaté mit Röstzwiebel- und Mandelcrème begeistert. Kleine Details machen aus dem Wintersalat eine Köstlichkeit: Süßsäuerliche Perlzwiebeln mit einem Hauch Zimt, knusprige, feinbittere Honigbrot-Croûtons oder das Apfeldressing, in das etwas Apfelmus gemixt wurde, was der Marinade zusammen mit dem Öl eine cremige Konsistenz verleiht.

Das Basil ist das Werk hoch ambitionierter Gastronomen, die aber zu keiner Zeit das Band zu einer breiten Klientel abreißen lassen, sei es durch die Preisgestaltung, die ästhetische Anrichteweise, aber vor allem auch durch die Kreativität, die selten die Bodenhaftung verliert. So auch bei den Desserts, wenn etwa ein Panna cotta von einem köstlichen Lakritzeis getoppt und von gerösteten Cerealien und Kürbiskernen umspielt wird – oder die Pralinentarte mit Bananeneis, eingelegten Pflaumen und Haselnusscreme! Menschenskind! Es ist wie verhext! Unsere Löffel fährt durch das Dessert, immer und immer wieder, dabei sind wir längst satt, aber das Besteck hat plötzlich ein Eigenleben entwickelt, hört einfach nicht auf – hier, hier lauert der Teufel!

Fazit

Vom Service über das Ambiente bis hin zur Qualität der Speisen und der Weinauswahl: Das Basil überzeugt mit einem durchweg stimmigen Konzept. Gesamt 9/10 (Küche 9, Ambiente 9, Service 9).

Kontakt

Restaurant Basil

Dragonerstraße 30

30163 Hannover

Telefon: (05 11) 62 26 36

E-Mail: info@basil.de

Internet: www.basil.de

Öffnungszeiten: Mo bis Sa, 18 bis 22 Uhr

Barrierefreiheit: ja

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Von Hannes Finkbeiner